Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Volkswagen Staatsanwaltschaft verschickt Akten zum Abgasskandal an Anwälte

Neue Bewegung im Dieselskandal: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig schickt ihre Akten an die Anwälte der Beschuldigten – Anklagen könnten folgen.
Update: 17.07.2018 - 12:04 Uhr Kommentieren

VW prüft Schadensersatz-Anspruch – „Winterkorn könnte alles verlieren“

BraunschweigIm Abgas-Skandal bei Volkswagen will die Staatsanwaltschaft Braunschweig wichtige Ermittlungsakten noch am Dienstag an die Anwälte der beschuldigten Manager verschicken. Er gehe davon aus, dass das Material „heute auf den Postweg“ gehe, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe der Deutschen Presse-Agentur.

Nach langer Vorbereitung können die Anwälte bald die Hauptakten einsehen. Trotz „Dieselgate“ steigert der weltgrößte Autobauer seinen Absatz immer weiter. Im ersten Halbjahr lieferte der VW-Konzern über 5,5 Millionen Fahrzeuge an seine Kunden aus - 7,1 Prozent mehr als 2017.

Ursprünglich war die Akteneinsicht der Verteidiger frühestens für Anfang August erwartet worden. Die nun versandten Unterlagen betreffen 39 Beschuldigte im Fall der Software-Manipulationen beim Stickstoffdioxid-Ausstoß, in 3 Fällen geht es um Marktmanipulation.

Die Anklagebehörde ermittelt unter anderem gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn sowie gegen den neuen Konzernchef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch wegen möglicher Marktmanipulation. Bei Winterkorn geht es zusätzlich um möglichen Betrug. Er war im September 2015 von seinem Amt zurückgetreten – kurz nachdem US-Behörden Manipulationen bei Dieselautos aufgedeckt hatten. Volkswagen hatte nur mit einer „defeat device“ genannten Software die Schadstoffgrenzwerte bei Abgastests eingehalten.

In den USA waren rund 600.000 Fahrzeuge aus dem Konzern betroffen, in Deutschland ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt für etwa 2,4 Millionen Wagen Rückrufe an. Insgesamt hat der Konzern für Entschädigungen und Strafen in Nordamerika über 25 Milliarden Euro an Kosten verbucht.

Die Akteneinsicht erlaubt es den Verteidigern, die Vorwürfe zu prüfen. Danach entscheidet die Staatsanwaltschaft abschließend über eine Anklage. Unklar war zunächst, ob dies noch 2018 geschehen soll. Ziehe hatte erklärt, es sei schneller als gedacht gelungen, die Akten einzuscannen - Ziel sei es nun, das Verfahren zügig voranzubringen.

Insgesamt hat die Behörde 49 Beschuldigte im Visier. Zusätzlich zu den Vorwürfen Software-Manipulation und Marktmanipulation geht es bei 6 Beschuldigten um falsche CO2- und Verbrauchsangaben, in einem Fall um einen Mitarbeiter, der zur Datenlöschung aufgerufen haben soll.

Winterkorn will sich nach früheren Angaben eines Vertrauten zu den Vorwürfen im Abgas-Skandal frühestens äußern, wenn die Anwälte Akteneinsicht erhalten haben. Auch die US-Justiz will ihn wegen Betrugs in der Abgas-Affäre zur Rechenschaft ziehen, in USA gibt es einen Haftbefehl gegen ihn. Winterkorn hatte stets betont, er habe von Manipulationen in den USA erst kurz vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals im Herbst 2015 Kenntnis erhalten.

Im Juni stieg der Absatz des Konzerns trotz des Diesel-Skandals im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 95. 600 Fahrzeuge. Im Vergleich zum Vormonat verlor die Nachfrage aber etwas an Schwung. Unter den Konzernmarken wuchsen in dem Monat besonders Seat und Skoda deutlich, Audi lieferte dagegen 3,8 Prozent weniger Autos aus.

EU-Justizkommissarin Vera Jourová bekräftigte ihre positive Zwischenbilanz der Nachbesserungen nach dem Diesel-Skandal. Mittlerweile seien 80 Prozent der betroffenen Fahrzeuge repariert worden. Zudem habe VW versprochen, die Reparaturen noch bis Ende 2020 kostenlos anzubieten. Der Konzern bemühe sich, Vertrauen aufzubauen und die Informationspolitik zu verbessern.

Allerdings gebe Volkswagen keine vollständige Garantie, falls nach Reparaturen Probleme entstehen. „VW hat den Aktionsplan, den sie mir versprochen haben, erfüllt - aber das ist alles“, sagte Jourová.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Volkswagen - Staatsanwaltschaft verschickt Akten zum Abgasskandal an Anwälte

0 Kommentare zu "Volkswagen: Staatsanwaltschaft verschickt Akten zum Abgasskandal an Anwälte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.