Volkswagen-Tochter MAN leitet offenbar Börsen-Abschied ein

Fast ein Vierteljahrhundert war MAN ein Dax-Schwergewicht. Mit der Übernahme durch VW hat sich das geändert. Nun will der Lkw- und Maschinenbau-Konzern auch noch aus dem MDax aussteigen. Der Anfang vom Börsen-Ende?
Vor vier Jahren übernahm Volkswagen die Mehrheit beim Lkw- und Maschinenbauer MAN. Seither zieht sich der krisengeschüttelte Konzern langsam aus der Börse zurück. Quelle: dpa
Verlust der Unabhängigkeit

Vor vier Jahren übernahm Volkswagen die Mehrheit beim Lkw- und Maschinenbauer MAN. Seither zieht sich der krisengeschüttelte Konzern langsam aus der Börse zurück.

(Foto: dpa)

MünchenVier Jahre nach dem Verlust der Unabhängigkeit steigt der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN an der Börse weiter ab. Der Münchner Konzern, einst Gründungsmitglied des Dax und Schwergewicht in der höchsten deutschen Börsenliga, kündigte am Mittwoch an, künftig auch auf die Präsenz im Nebenwerteindex MDax verzichten zu wollen. Dorthin war MAN 2012 abgerutscht, nachdem Volkswagen im Jahr davor die Mehrheit an dem Traditionsunternehmen übernommen hatte. Inzwischen halten die Wolfsburger 75,28 Prozent der Anteile. Der MAN-Vorstand beschloss jetzt, den Wechsel vom so genannten Prime Standard in den General Standard zu beantragen, um den Aufwand für den krisengeschüttelten Konzern zu reduzieren. Damit entfallen die Voraussetzungen für den Verbleib im MDax.

„Das klingt nach einem langsamen Rückzug von der Börse“, sagte NordLB-Analyst Frank Schwope. Firmen, die im General Standard gelistet sind, sind unter anderem nur zur Veröffentlichung eines Zwischenberichts und zu Ad-hoc-Mitteilungen in deutscher Sprache verpflichtet. Konzerne im Prime Standard müssen dagegen unter anderem quartalsweise über ihre Zahlen in deutscher und englischer Sprache informieren, einen Unternehmenskalender veröffentlichen und mindestens eine Analystenkonferenz pro Jahr durchführen. Die Aufnahme in den Prime Standard ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft in den Auswahlindizes Dax, MDax, TecDax und SDax der Deutschen Börse. MAN war fast 25 Jahre lang im Dax.

„Weil man im General Standard viel weniger offen legen muss, bedeutet das eine große Kostenersparnis“, sagte ein Händler. MAN steuert nach roten Zahlen im ersten Halbjahr 2015 auf einen Nettoverlust zu. Weil die Sanierung der LKW-Produktion in Europa teuer ist, und die Dauerkrise in Brasilien belastet, sollen hohe dreistellige Millionenbeträge eingespart werden.

Nach Einschätzung des Händler deutet der geplante Wechsel des Börsensegments auch daraufhin, dass Volkswagen die verbliebenen Anteilseigner irgendwann herausdrängen werde. Die Wolfsburger waren 2006 bei den Münchnern eingestiegen, stockten 2011 ihren Anteil auf über 30 Prozent auf und kontrollierten nach dem anschließend fälligen Pflichtangebot 56 Prozent der Anteile. Im September 2011 gab die EU VW grünes Licht zur MAN-Übernahme, im November begann die Integration. Die Wolfsburger wollen gemeinsam mit der schwedischen Tochter Scania eine schlagkräftige Lkw-Allianz ins Rollen bringen. Im Sommer 2012 überschritt VW die Schwelle von 75 Prozent der Anteile an MAN – damit wurde ein Abfindungsangebot an die verbleibenden Aktionäre fällig. Weil zahlreichen kleinen Anteilseignern die VW-Offerte zu niedrig war, wird seither darüber gestritten. Vor Kurzem errangen die Kleinaktionäre vor Gericht einen Etappensieg.

Das sind die Gewinner im deutschen Automarkt
Platz 10 – Volvo – 20.500 verkaufte Fahrzeuge* (+10,9 Prozent)
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Der neue Riesen-SUV XC90 (Foto) füllt die Auftragsbücher. Und auch insgesamt schlagen sich die Schweden im Jahresvergleich deutlich besser.

*Stand: 1. Halbjahr 2015, Quelle: KBA

Platz 9 – Nissan – 41.500 verkaufte Fahrzeuge (+12,8 Prozent)
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Der kompakte Qashqai (Foto) der Japaner gehört in seinem Segment zu den Bestsellern. Aber auch Kleinwagen von Nissan wie der Micra schlagen sich im Branchenvergleich gut.

Platz 8 – Suzuki – 18.900 verkaufte Fahrzeuge (+18,8 Prozent)
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Die Japaner punkten mit einem ordentlichen Preisleistungsverhältnis und gefälligen Modellen wie dem Swift (Foto). So gewinnen sie weitere Marktanteile in Deutschland – wenn auch auf einem niedrigen Niveau.

Platz 7 – Land Rover – 11.100 verkaufte Fahrzeuge (+19,9 Prozent)
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Die Briten profitieren vom grassierenden SUV-Boom. Die schweren Jungs von der Insel verkaufen sich auch in Deutschland blendend.

Platz 6 – Porsche – 18.600 verkaufte Fahrzeuge (+22 Prozent)
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Der Sportwagenbauer hat mit dem kompakten Macan (Foto) einen neuen Bestseller im Angebot und ist dabei auch noch außergewöhnlich profitabel. Mittlerweile erwirtschaften die Schwaben sogar mehr Gewinn als die Kernmarke von VW.

Platz 5 – Mini – 23.600 verkaufte Fahrzeuge (+24,9 Prozent)
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Das neue Gesicht des Klassikers entwickelt sich zum Verkaufsschlager. Der Mini wurde gerade runderneuert. Damit schlagen sich die Briten auch bei den Zulassungen außergewöhnlich gut.

Platz 4 – Lexus – 889 verkaufte Fahrzeuge (+32,1 Prozent)
7 von 10

Die Nobelmarke von Toyota ist weiterhin ein absoluter Exot in Deutschland. So lange das Volumen nicht weiter deutlich steigt, wird wohl niemand außer den Japanern die jüngsten Erfolge, wie den SUV NX, wirklich zur Kenntnis nehmen.

Die MAN SE ist spätestens seit der Aufspaltung der beiden großen Geschäftsfelder nicht mehr die eigentliche Machtzentrale. VW hatte Anfang Mai eine neue Truck-Holding gegründet, die jetzt auch das MAN-Nutzfahrzeuggeschäft steuert. Für das Geschäft mit Schiffsdieseln und Getrieben wurde eine neue Heimat unter dem Dach des VW-Konzerns gefunden. Über die VW Truck Holding wird spekuliert, dass sie irgendwann selbst an die Börse gehen soll.

  • rtr
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