Volkswagen und Dieselgate VW dementiert Bericht über Job-Kahlschlag

Volkswagen will sich nach dem Abgasskandal bei seiner Kernmarke neu aufstellen – und muss kräftig sparen. Spekulationen, dass dies über 10.000 Arbeitsplätze gefährdet, weisen die Wolfsburger aber entschieden zurück.
Update: 21.01.2016 - 14:33 Uhr
Der Konzern weist Spekulationen über einen Jobabbau zurück. Quelle: ap
Arbeiter im VW-Werk Wolfsburg

Der Konzern weist Spekulationen über einen Jobabbau zurück.

(Foto: ap)

WolfsburgMit einem klaren Dementi hat der VW-Konzern einen angeblich nahenden Stellen-Kahlschlag als falsch zurückgewiesen. Das „Manager Magazin“ berichtete, der Autobauer wolle seinen Sparkurs noch verschärfen. Damit stünden „weit mehr als 10.000“ Arbeitsplätze auf dem Spiel. Schon bis zur Jahresmitte wolle das VW-Management bei der ertragsschwachen Pkw-Kernmarke „massiv“ an die Jobs heran. Der Konzern teilte dazu am Donnerstag mit: „Wir weisen diese Meldung strikt zurück. Wir stehen fest zu unserer Stammbelegschaft.“

Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zog eine rote Linie: Voraussetzung für Teamwork beim gewünschten Sparkurs sei „die Garantie des Unternehmens, dass die Beschäftigung sicher ist und bleibt“.

Bei der Volkswagen-Mutter genießen rund 120.000 Menschen einen Haustarifvertrag. Es gilt eine Beschäftigungssicherung, die sich bisher automatisch verlängert. Theoretisch könnte sie von der Arbeitgeberseite aufgekündigt werden. Das jedoch würde Vorlaufzeiten mit Kündigungsfristen benötigen. Es ist zudem davon auszugehen, dass eine solche Kündigung - so sie denn überhaupt käme - zu erheblichem Unfrieden in der Belegschaft führen würde. Für diesen Frühling steht die nächste Verhandlung um den neuen Haustarif an, der noch bis Ende Mai läuft. Dann endet auch die Friedenspflicht.

Die 120.000 VW-Mitarbeiter arbeiten an den Standorten Wolfsburg, Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Emden und Kassel. Die IG Metall hat eine gewaltige Organisationsstärke in der VW-Belegschaft.

Laut „Manager Magazin“ verschärft der neue VW-Markenchef Herbert Diess seinen Sparkurs weiter und peilt schon für 2016 deutliche Sprünge bei der renditeschwachen Pkw-Kernmarke an. Das Blatt schrieb, Diess wolle daher spätestens im Frühsommer „auch massiv an die Arbeitsplätze herangehen“. Dabei werde es keinesfalls reichen, die Axt nur bei den etwa 7000 Leiharbeitern der Volkswagen AG anzusetzen. Es gehe auch um fest beschäftigte Mitarbeiter der Stammbelegschaft. Die Rede sei intern „von weit mehr als 10 000 gefährdeten Jobs“.

Mitte November hatte Diess der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Ich sehe keine Bedrohung für die Stammbelegschaft.“ Er kündigte aber an, die Leiharbeit auf den Prüfstand zu stellen. Mitte Dezember hatte das in Sachsen erste Folgen: Die Verträge von 600 Leiharbeitern am Standort Zwickau sollen 2016 in zwei Stufen auslaufen. Alternativen für sie im Konzern sollen gesucht werden, etwa bei den Konzernschwestermarken Audi oder Porsche.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Osterloh sagte der dpa am Donnerstag: „Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung sind bei Volkswagen gleichrangige Unternehmensziele. Das heißt für uns: Wir und die Belegschaften beteiligen uns aktiv an der Steigerung der Produktivität.“ Voraussetzung dafür sei neben realistischen Zielen aber auch die Garantie des Unternehmens, dass die Jobs sicher sind und es auch bleiben. „Einen anderen Weg werden wir im Sinne der Beschäftigten nicht unterstützen.“

Aus VW-Aufsichtsratskreisen verlautete am Donnerstag, ein Jobabbau in der genannten Dimension sei überhaupt kein Thema. Dafür müssten dem Autobauer schon Großteile seiner Produktion wegbrechen. Trotz des Abgas-Skandals hat VW bisher beim Verkauf noch keine erheblichen „Diesel-Effekte“ oder Vertrauensverluste zu spüren bekommen. Allerdings ist die bei VW hohe Fertigungstiefe seit langem umstritten. Der Autobauer macht viele klassische Zuliefereraufgaben in Eigenregie. Der Betriebsrat betont aber, das sei wettbewerbsfähig und könne sich mit den Zulieferern messen.

  • dpa
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