Volkswagen Winterkorn-Anwalt weist Vorwürfe gegen den Ex-VW-Chef zurück

Martin Winterkorn soll schon 2011 illegale Tricks bei Benzinmotoren angeordnet haben. Sein Anwalt weist die Vorwürfe nun zurück – zumindest teilweise.
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Wann wusste der Ex-Volkswagen-Chef wie viel? Quelle: dpa
Martin Winterkorn

Wann wusste der Ex-Volkswagen-Chef wie viel?

(Foto: dpa)

DüsseldorfSchadensbegrenzung heißt in diesen Tagen die Devise bei Volkswagen und dessen Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn. Am Mittwoch wurden Vorwürfe öffentlich, nach denen Winterkorn bereits 2011 illegale Tricks bei Benzin-Motoren angeordnet haben soll. Der VW-Konzern wollte sich zwar nicht selbst dazu äußern, beeilte sich aber am Donnerstag zumindest, eine Stellungnahme von Winterkorns Anwalt Felix Dörr zu veröffentlichen.

Darin relativiert der Strafverteidiger, der Nachfragen zuvor unkommentiert gelassen hatte, nun die schwerwiegenden Vorwürfe, die Ex-VW-Motorenchef Jens Hadler gegenüber Winterkorn erhoben hatte. Gegenüber der Staatsanwaltschaft hatte Hadler ausgesagt, Winterkorn habe 2011 in einem Meeting darauf gedrängt, per Software in den USA eine unzulässige Abschalteinrichtung bei Benzin-Motoren zu installieren. Das Handelsblatt hatte exklusiv darüber berichtet.

Rechtsanwalt Dörr wendet darauf nun ein, dass nicht jede Software-Lösung eine nach US-Recht unerlaubte Abschalteinrichtung darstelle. „Die rechtliche Einordnung einzelner Elemente einer komplexen Motor-Steuerung setzt eine vertiefte Kenntnis des regulatorischen Systems in den USA voraus, ist entsprechend aufwendig und kann von einem Techniker ohne entsprechende Beratung nicht getroffen werden, so Dörr.

Tatsächlich habe Winterkorn damals keine nach US-Recht unzulässige Abschalteinrichtung („Defeat Device“) angeordnet, sondern von den Entwicklern vielmehr eine technische Lösung des Problems gefordert, so der Anwalt.

In den Aussagen Hadlers hört sich das gleichwohl anders an. Er hatte darüber berichtet, dass Techniker per Software dafür sorgen wollten, dass die Klimaanlage bei den US-Ottomotoren der Modelle Jetta und Passat erst dann anspringt, wenn der Katalysator auf Betriebstemperatur ist. Da in den USA die Abgase gleich nach dem Start gemessen wurden, sollte der Katalysator so schnell wie möglich eine maximale Leistung, also Temperatur, erreichen.

Die Klimaanlage hätte aber Wärme abgezogen, die der Kat benötigt, um die eingeleiteten giftigen Abgase in unschädliche Stoffe umzuwandeln. Man könne dort doch „eine Funktion reinmachen“, hätten ihm die Techniker gesagt – und seien damit zu Winterkorn gegangen. Der sei begeistert gewesen. Hadler jedoch habe Winterkorn gewarnt: Das wäre ein „Defeat Device“ in den USA. Dennoch habe Winterkorn weiter auf den Einbau gedrängt. Ob der Plan am Ende umgesetzt wurde, ist unklar. Zumindest nicht zu seiner Zeit, so Hadler, der noch im selben Jahr das Unternehmen verließ.

Auch ob sich die Staatsanwaltschaft Braunschweig den Vorwürfen Hadlers angenommen hat ist nicht klar. Auf Anfrage wollte sie keine Stellung dazu nehmen, ob sie in dieser Sache Ermittlungen aufgenommen hat oder sie bereits Teil der Diesel-Ermittlungen ist. Schweigen dröhnt auch aus dem Hause VW. Mal wieder. So ist nicht klar, was der Konzern bislang getan hat, um die Vorwürfe Hadlers aufzuklären.

Nur eines scheint nach den Aussagen des früheren Motorenchefs immer offensichtlicher: Winterkorn wird es schwer haben, seine 2017 vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags getätigte Aussage aufrecht zu erhalten, er habe erst im September das erste Mal von einem „Defeat Device“ gehört.

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