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Volkswagen Zivilklagen in Südkorea bringen VW in Bedrängnis

Die Kläger in Südkorea verlangen von VW den Kaufpreis der Autos plus Zinsen und eine Entschädigung. Für den Autobauer wird es finanziell heikel.
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Der Widerruf der Bauartgenehmigung in Südkorea sei wie ein „Schandmal, das auf die Autos gestempelt wurde“, sagt Rechtsanwalt Jason Ha. Quelle: dpa
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Der Widerruf der Bauartgenehmigung in Südkorea sei wie ein „Schandmal, das auf die Autos gestempelt wurde“, sagt Rechtsanwalt Jason Ha.

(Foto: dpa)

Der Volkswagen-Konzern hat in Korea nicht nur das Strafrecht zu fürchten, sondern auch seine Kunden. Die Verkäufe sind seit Frühjahr zwar wieder gut angelaufen, nachdem der Konzern sie für mehrere Monate fast eingestellt hatte.

Aber Altkunden fühlen sich geprellt von den Deutschen. Sie haben seit eineinhalb Jahren Zivilklagen angestrengt. Und die scheinen in die Zielgerade einzufahren. „Wir erwarten das Urteil Anfang kommenden Jahres“, sagt der Rechtsanwalt Jason Ha, dessen Kanzlei Barun nach eigenen Angaben 5000 VW-Kunden vertritt.

Der juristische Aufwand ist enorm. „Es gibt in Korea derzeit 71 Zivilklagen gegen die Audi AG“, teilt der Konzern mit. Fünf von etwa 30 Abteilungen des Seouler Bezirksgerichts seien mit der Causa befasst, erklärt Ha. Denn in Südkorea sind Sammelklagen wie in den USA, in denen sich Tausende Kläger gegen einen Beklagten verbünden, nicht möglich.

Doch auch finanziell wird es heikel für VW. Die Kläger verlangen nämlich vom deutschen Konzern, dass er ihnen nicht nur den vollen Kaufpreis der Autos ersetzt – plus Zinsen, versteht sich. Sie wollen sich auch noch für mentalen Stress entschädigen lassen, sagt Ha.

Der Grund ist der besondere Verlauf, den Volkswagens Dieselskandal in Südkorea genommen hat. „Im Gegensatz zu Deutschland wurde in Korea die Typenzulassung der Fahrzeuge widerrufen“, sagt Ha. Das Umweltministerium erlaubt zwar den Fahrern, die Autos weiterzufahren, da sie Opfer eines Betrugs gewesen seien. Aber die Kläger fühlten sich trotzdem hintergangen.

Der Verkauf stelle somit Betrug und einen Verstoß gegen das Gesetz gegen unlautere Werbung dar. Außerdem habe VW damit seine Garantieerklärungen gebrochen. „Der Widerruf der Bauartgenehmigung ist wie ein Schandmal, das auf die Autos gestempelt wurde“, sagt Ha. Der Wiederverkaufswert sei dadurch gesunken. Und es dauere länger, Käufer zu finden.

Ob sich der globale Konzern gegen die Klagen erfolgreich wehren kann, ist offen. Denn mit Ha steht dem Autobauer ein erfahrener Jurist gegenüber, der sich langsam zum Menetekel der deutschen Autobauer zu entwickeln scheint. Der Koreaner arbeitete in den 1980er-Jahren als Anwalt in den USA. 1986 heuerte er dann bei Hyundai Motors als Rechtsberater an. Er kennt sich aus mit amerikanischen Sammelklagen – und zwar von Herstellerseite.

In Korea wendet er seine Erfahrung nun mit Vorliebe gegen die deutschen Konzerne an. „Unter den deutschen Importeuren bin ich ein berüchtigter Kerl“, sagt Ha über sich. Mercedes hat er schon attackiert. Außerdem vertritt er in einem Skandal um schmorende Autos BMW-Kunden in Zivilklagen. Ein Sieg über Volkswagen wäre für ihn sicherlich ein wichtiger Erfolg – und ein weiterer Imageschaden für den VW-Konzern.

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