Vom einst größten Industrieunternehmen ist kaum etwas übrig geblieben AEG – am Ende gescheitert

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Das Nürnberger AEG-Werk steht vor der Schließung. Foto: dpa

Das Nürnberger AEG-Werk steht vor der Schließung. Foto: dpa

Angefangen hat das alles im Jahr 1883, das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm I. strotzt vor Kraft, obwohl die deutsche Industrie ihre erste Gründungskrise noch nicht wirklich hinter sich hat. Der deutsche Unternehmer Emil Rathenau, Spross einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Berlin, zwischenzeitlich gescheiterter Gründer einer Maschinenfabrik, wagt am 19. April mit Unterstützung von 15 Banken und einiger Privatleute einen Neuanfang. Zwei Jahre zuvor hat er auf der Pariser Weltausstellung die Glühlampe des US-Erfinders Thomas A. Edison bewundert, seither weiß er, dass er mit dieser Lampe groß ins Geschäft kommt.

Als Glücksfall erweist sich, dass Werner Siemens, Chef des gleichnamigen Münchener Elektrounternehmens, in diesen Tagen noch nichts von der Edison-Lampe wissen will. Mit einem Grundkapital von fünf Millionen Reichsmark wird Rathenaus Deutsche-Edison-Gesellschaft für angewandte Electricität (DEG) am 5. Mai 1883 ins Berliner Handelsregister eingetragen. Sie startet mit zwölf Beschäftigten, stellt in ihrem ersten Geschäftsjahr bereits 138 Dynamomaschinen auf, schließt 12 000 Glühbirnen an und erzielt einen Reingewinn von 173 984,17 Mark – womit ein industriegeschichtlich beispielloser Aufstieg beginnt.

Es ist die Ära der zweiten Welle der Industrialisierung. Jetzt setzen Elektrotechnik und Chemie Wachstumsimpulse, sie katapultieren Deutschland binnen weniger Jahre in die Rolle einer der führenden Industrienationen weltweit. Rathenau ist die Verkörperung dieser Epoche, die bis heute bei uns Gründerzeit heißt. Er schafft in nur zwei Jahrzehnten fast aus dem Nichts einen Weltkonzern.

Bereits zwei Jahre nach der Gründung baut die DEG ihr erstes öffentliches Kraftwerk, im selben Jahr entsteht die erste Vertriebsniederlassung: in München, dem Sitz des Rivalen Siemens. Zwei Jahre später ist das Unternehmen so stark, dass die Münchener in einen Grundlagenvertrag einwilligen und die Märkte für zehn Jahre quasi aufteilen.

Die Berliner nehmen nun einen neuen Namen an: AEG. Das Grundkapital wird mehr als verdoppelt, Siemens selbst wird bedeutender Aktionär. Doch bereits sieben Jahre später ist die AEG nicht nur so stark, den Vertrag aufzuheben. Sie macht sich vollends von Siemens unabhängig. Fortan begegnen sich der mit Bedacht geführte Familienkonzern aus Bayern und die aggressiv gemanagte Aktiengesellschaft aus Berlin als Rivalen auf den Weltmärkten.

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