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Von Moskau nach Kasan Russische Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke wird nur halb so lang wie geplant

Russland gibt Milliarden für ein Bahn-Prestigeprojekt aus, an dem Siemens mitverdienen will. Doch das Geld reicht nur für die halbe Strecke.
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Die russischen Hochgeschwindigkeitszüge werden nur auf einigen Teilabschnitten eine Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde erreichen. Siemens wäre an neuen Triebwagen beteiligt. Quelle: AFP
Sapsan-Zug der ersten Generation

Die russischen Hochgeschwindigkeitszüge werden nur auf einigen Teilabschnitten eine Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde erreichen. Siemens wäre an neuen Triebwagen beteiligt.

(Foto: AFP)

MoskauEs kommt Bewegung in den Bau der geplanten Highspeedtrasse von der russischen Hauptstadt Moskau in die 800 Kilometer entfernte Millionenstadt Kasan an der Wolga. Bei einer Regierungssitzung wurde ein erstes Teilstück abgesegnet.

Es geht um die Bahnlinie von Moskau in die Industriemetropole Nischni Nowgorod, die zu Sowjetzeiten vor allem als Autoschmiede („Wolga“) bekannt war und ziemlich genau auf halber Strecke zwischen den beiden ursprünglichen Zielpunkten liegt.

Neu gebaut und speziell für den Hochgeschwindigkeitsverkehr konzipiert werden allerdings wohl nur rund 300 Kilometer – von der Moskauer Satellitenstadt Schelesnodoroschny bis zur Kleinstadt Gorochowetz.

Auf einigen Streckenabschnitten können die Züge dann über 300 Kilometer pro Stunde schnell fahren, während auf dem Rest der Bahnlinie trotz des Ausbaus die Geschwindigkeiten bei unter 200 Kilometer pro Stunde liegen werden. Die Fahrzeit verkürzt sich dennoch insgesamt von derzeit drei Stunden und 40 Minuten auf etwas mehr als zwei Stunden.

Offiziellen Berechnungen zufolge kostet allein das neu zu bauende Teilstück umgerechnet 8,3 Milliarden Euro. Nach der grundsätzlichen Bewilligung des Projekts durch den für Verkehr zuständigen Vizepremier Maxim Akimow muss nun noch Präsident Wladimir Putin grünes Licht geben. Er muss am Ende die von der russischen Regierung angefragte Finanzierung genehmigen.

Nach derzeitigen Plänen wird rund ein Drittel der Summe direkt aus dem Haushalt bezahlt. Ein weiteres Drittel steuert die Eisenbahn AG RZD bei. Das letzte Drittel wiederum kommt vom Konzessionsinhaber für den Bau. Als mögliche Kandidaten gelten hier die chinesische Eisenbahn und Siemens. Das Technologieunternehmen führt ein deutsches Konsortium an, zu dem die Baukonzerne Strabag und Vossloh zählen sowie die Deutsche Bank.

Die deutsche Initiative sei grundsätzlich an Highspeed-Bahnprojekten in Russland interessiert, die Strecke Moskau–Nischni Nowgorod gehöre dazu, sagt der Vizechef von Siemens Russland, Dietrich Möller, dem Handelsblatt. „Siemens kann sich daran mit einem breiten Portfolio an lokalisierten Technologien im Bereich Rollmaterial und Infrastruktur beteiligen.“

Jewgeni Makarow, Projektleiter der „Deutschen Initiative für Hochgeschwindigkeitsverkehr“ (DIHGV) bei der Auslandshandelskammer, betonte, dass für eine deutsche Beteiligung die staatliche Finanzierung auch tatsächlich in dem kolportierten Umfang beschlossen werden müsse. „Dann wäre auch die Initiative bereit, sich am Eigenkapital zu beteiligen, wenn es zudem noch russische Co-Investoren wie den Russian Direct Investment Fund (RDIF) gibt“, sagte Makarow. Er gehe aber davon aus, dass diese Co-Investoren bereitstehen.

Projekt rechnet sich wirtschaftlich nicht

Bei der Wirtschaftlichkeit des Projekts gehen die Ansichten allerdings weit auseinander: Die Regierung will neben der Anschubfinanzierung wohl auch die Vermögensteuer auf Objekte der Hochgeschwindigkeitsstrecke auf null setzen. Weitere Subventionen sind zunächst nicht vorgesehen, da die RZD-Experten versichern, die Strecke weitgehend verlustfrei betreiben zu können.

Lediglich 2025, im ersten Betriebsjahr, ist ein operativer Verlust eingeplant. Danach sollen steigende Passagierzahlen – gerechnet wird mit bis zu 7,7 Millionen Fahrgästen im Jahr – die Strecke am Laufen erhalten. Wegen der schnellen Fahrzeit könne die Bahn mit dem Flugzeug konkurrieren, so die Überzeugung der RZD.

Die deutschen Experten sind da weit skeptischer: „Wirtschaftlich wird sich das nicht rechnen“, stellt Makarow klar. Um den Betrieb zu finanzieren, seien weitere staatliche Subventionen nötig, meint er. Durch eine baldige Verlängerung nach Kasan würde sich der Subventionsdruck immerhin verringern.

Aus dem Konsortium gibt es aber auch Stimmen, die sich für eine Wiederbelebung der ursprünglichen Baupläne Richtung Sankt Petersburg starkmachen. Auf der Strecke betreibt Siemens seit 2009 sehr erfolgreich das ICE-Pendant „Sapsan“. Auch als Highspeedstrecke könnte sich Moskau–Sankt Petersburg wirtschaftlich rentieren.

Die Umleitung der Schnellzüge nach Kasan war bereits ein politisches Projekt von Putin. Da die Regierung aber nicht bereit war, auch die Finanzierung zu stellen, blieb das Milliardenprojekt, das eigentlich schon zur Fußballweltmeisterschaft hätte realisiert sein sollen, jahrelang im Planungssumpf stecken.

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