Vor dem Autogipfel Warum der Diesel so gefährlich ist

Asthma, Bronchitis, Lungenkrebs: Dieselabgase schaden den Menschen – besonders denen, die in größeren Städten wohnen. Ein kurzer Chemie-Exkurs vor dem Dieselgipfel.
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Das kommt auf die Autoindustrie heute zu

Das kommt auf die Autoindustrie heute zu

DüsseldorfErst das mögliche Autokartell, dann der Zulassungsstopp für einige Porsche-Modelle und schließlich die drohenden Fahrverbote: Kein Thema beschäftigt die Automobilwelt hierzulande so sehr wie die Diskussion um den Diesel. Was hinzukommt: Dieselabgase sind gefährlich.

Der Kraftstoff an sich ist nicht das Problem, sondern das, was nach der Verbrennung im Motor aus dem Auspuff kommt. Ein kurzer Chemie-Exkurs: In den Abgasen ist Ruß enthalten – auch als Feinstaub bekannt. Zudem kommen Stickstoffoxide aus dem Auspuff, die chemisch als NOx bezeichnet werden. Beides ist für den Menschen gesundheitsschädlich.

Zu viel Feinstaub in der Luft ist entzündungs- und auch krebserregend. Durch den Einsatz von Partikelfiltern in den Dieselfahrzeugen wurde das Problem in letzter Zeit zwar reduziert. Aber: Es bleibt weiterhin die Belastung durch die Stickoxide. Und um die geht es in der aktuellen Dieseldiskussion besonders. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr 14.000 Menschen vorzeitig durch die Stickoxidbelastung, zeigt der Luftqualitätsbericht der EU.

Das Personalkarussell der Auto-Entwickler
VW: Frank Welsch
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Der Maschinenbauer verantwortet bei VW seit 2015 die Entwicklung neuer Autos. Sein Vorgänger auf dem Vorstandsposten musste im Zuge der Diesel-Affäre gehen….

VW: Heinz-Jakob Neußer
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Gerademal zwei Jahre – von 2013 bis 2015 – hielt sich Neußer als VW-Technikvorstand. Dann überrollte der Dieselskandal den Wolfsburger Autobauer. Neußer soll VW-Ingenieure ab 2012 dazu angehalten zu haben, den Betrug bei den Abgasmessungen zu verschleiern. Erst 2015 soll er auf einer Sitzung des Volkswagen-Markenvorstands vom Einbau der Schummel-Software in US-Modellen berichtet haben. Den Streit mit VW um seinen Millionen-Bonus hat der Manager kürzlich beigelegt.

VW und Audi: Ulrich Hackenberg
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Er galt als Vertrauter des früheren VW-Chefs Martin Winterkorn: Bei seinem Amtsantritt 2007 machte dieser Ulrich Hackenberg zum Entwicklungschef. 2013 wechselte er zu Audi – doch der vermeintliche Karriereschritt sollte bald in einer Sackgasse enden: Wegen einer möglichen Verwicklungen in den Abgas-Skandal wurde Hackenberg 2015 als Technik-Chef beurlaubt.

Audi: Peter Mertens
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Mit Mertens wagt Audi einen Neuanfang: Die Ingolstädter holten den Manager im Mai 2017 von Volvo. Er beerbte einen glücklosen Technik-Chef...

Audi: Stefan Knirsch
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… der zwischen 2015 und 2016 gerade einmal neun Monate durchhielt: Die US-Kanzlei Jones Day soll bei ihren Ermittlungen zum Dieselskandal im Auftrag des VW-Aufsichtsrats Informationen gefunden haben, die Stefan Knirsch massiv belasteten. Er soll demnach bereits früher von den Manipulationen an den Dieselmotoren gewusst haben. Dabei stürzte schon Knirschs Vorgänger Ulrich Hackenberg über den Diesel-Skandal.

Audi und Porsche: Wolfgang Dürheimer
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Der Job des Technikchefs bei Audi ist ein wahrer Schleudersitz: Innerhalb von drei Jahren haben die Ingolstädter drei Vorstände in diesem Bereich verschlissen. Wolfgang Dürheimer musste zwischen 2012 und 2013 nach etwas über einem Jahr gehen, weil wichtige Technologie-Projekte wie der Elektroflitzer R8 E-tron nicht vorankamen. Er bleibt jedoch Chef von Bentley und Bugatti. Aus einem ähnlichen Grund wie Dürheimer wurde auch sein Vorgänger...

Audi: Michael Dick
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… Michael Dick frühzeitig in den Ruhestand geschickt. Ihm kreideten die Konzern-Oberen laut „Welt“ ebenfalls an, dass sich die Audi-Modelle nur schleppend entwickelten. Immerhin hielt Dick rund fünf Jahre durch, zwischen 2005 und 2012.

Erlaubt sind in deutschen Städten 40 Mikrogramm NOx pro Kubikmeter Luft. Die EU legte diesen Grenzwert fest – auf Grundlage von statistischen Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das Problem: „Die NOx-Belastung ist hierzulande in vielen Städten das ganze Jahr überhöht“, sagt Christian Witt, Lungenspezialist an der Berliner Charité.

Und das hat Folgen, vor allem für das Atmungsorgan: Das Risiko an Bronchitis und Asthma zu erkranken, steigt. Auch können Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen ausgelöst werden. Bei Menschen mit bereits bestehenden Problemen in diesen Bereichen besteht das Risiko, dass sich die Krankheit weiter verschlimmert. Ob Stickoxide auch krebserregend sind, konnte in Studien nicht gesichert nachgewiesen werden. Ein mögliches Risiko bleibt: 2012 stufte die WHO Dieselabgase als krebserregend ein, während sie zuvor über zwei Jahrzehnte lang als „potenziell krebserregend“ galten.

Klar ist: Vor allem Kinder und ältere Menschen leiden unter der Stickoxidbelastung, zeigt eine aktuelle, von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Auftrag gegebene Studie des Schweizer Tropen- und Public-Health-Instituts. Demnach steigt durch Stickoxide etwa das Risiko für Bluthochdruck und Schlaganfälle.

Da der Diesel Hauptverursacher der Stickoxide ist, gilt er als Hauptgrund für die Krankheiten. Das gilt vor allem in den Innenstädten. Denn 40 Prozent der Luftverschmutzung werden dort allein durch den Verkehr verursacht, sagt Lungenspezialist Witt. Und an diesem Teil der Schadstoffemissionen hat der Diesel, verglichen mit den Benzinmotoren, den deutlich größeren Anteil: 70 Prozent.

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17 Kommentare zu "Vor dem Autogipfel: Warum der Diesel so gefährlich ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Zusammen mit dem nun geplanten Bußgeld, liegen die Gesamtkosten des Abgasbetrugs [für VW] bereits jetzt allein in den USA bei deutlich über 21 Milliarden Dollar. " Welt N24, 10.01.17. Da muss man sich doch wirklich fragen, warum in den USA 21 Milliarden Dollar Strafe anstandslos bezahlt werden, während hier in Deutschland eine umfassende Nachrüstung von neun Millionen Euro-5- und Euro-6-Autos als unbezahlbar abgelehnt wird, die alle Hersteller zusammen nur 13,5 Milliarden Euro kosten würde?

  • Ein garstig Lied :
    Rheuma Gicht und Ichias will ich jetzt gedenken , hätte einen Diesel ich , tät ihn nicht verschenken.

  • Die Faktenlage ist also anders, als in diesem Artikel dargestellt. Die einzelnen Aussagen stimmen zwar, nur es wird ein komplett falsches Gesamtbild entworfen (weil es dem Schreiber in den Kram passt), und diese Aussage kann er einfach machen, weil er jemand anderes zitiert (ohne zu überprüfen ob das insgesamt so stimmt)

    Und schon sind die Headlines gesetzt und die Wirkung erzielt... Propaganda! Nichts weiter!

  • Noch was vom KIT zu den Fakten:

    Wenn sämtliche PKW-Dieselfahrzeuge heute durch die modernste, bereits zu erwerbende Technologiestufe ersetzt werden würden, so wäre an der höchstbelasteten Stelle in Deutschland am Neckartor in Stuttgart der PKW-Dieselbeitrag zur NO2-Immission unmittelbar an der Straße nur noch 3 Mikrogramm/Kubikmeter - bei einem Grenzwert von 40 Mikrogramm/Kubikmeter.
    Thomas Koch leitet seit 2013 das Institut für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
    Thomas Koch leitet seit 2013 das Institut für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

    Zur Orientierung sind zwei Vergleichswerte zielführend: Das ähnlich wirkende Ozon liegt im Schwarzwald im Sommer mit deutlich über 200 Mikrogramm/Kubikmeter vor. In einer Küche mit Gasherd können NO2-Werte bis 4000 Mikrogramm/Kubikmeter gemessen werden. Es gibt kein Argument gegen den modernen Diesel aus Immissionsgründen!

    Herr Scheppe gehört einfach mal wissenschaftlich geschult oder sollte sich auf Themen konzentrieren die er versteht!!!

  • Und schon wieder ein Volkswirt, der über Gesundheitsfragen schreibt....

    Leute, was ist so schwierig, sich einen Experten für Schadstoffe und wo sie auftreten zu einem Interview zu holen! Hört auf mit dem Bullshit von Umweltverbänden bis Volkswirten...

    Der Titel des Artikels: warum der Diesen so gefährlich ist....

    Warum schafft der Autor es dann nicht ernsthaft was zu kapieren und dann darüber zu schreiben: nur zur Nachhilfe, NOX entstehen bei jeder Verberennung, besonders bei hohen Temperaturen!

    Russ gleich Feinstaub! Bullshit! Feinstaub sind ALLE sehr kleinen Teilchen. Da zählen Salzpartikel am Nordseekurort genauso dazu, wie Ruß, oder wie Abrieb von Bremsklötzen! Die haben es richtig in sich...
    die gemeldeten Todeszahlen sind Rechengrößen, stellen wir bitten mal fest, dass wir immer älter und gesünder werden... aber uns ständig einbilden unsere Umgebung wäre vergiftet. Mehr zeigt da der EU-Bericht auch nicht! NOX in Innenstädten kommt also laut Artikel zu 28 % vom Diesel... was ist denn mit den anderen 70 %? Aber der Diesel ist der Krankmacher... ich hoffe der Autor kann wenigstens Volkswirtschaft!

    Die Landwirtschaft ist also für 60% NOX verantwortlich...Schwamm drüber! Passt gerade nicht ins Konzept...

    Die Geschichte mit den erlaubten Emissionen ist Fakenews! Es gibt eine Abnahmespezifikation und auf der hat ein PKW die Grenzwerte einzuhalten! Es ist eine reine Lüge, hier von einem verletzen eines erlaubten Abgaswertes zu sprechen. Wenn man genau so vernünftig fährt wie es möglich wäre, dann gibt es diese Emissionen auch nicht. Wenn man das Gaspedal aber durchdrückt ... dann ist das anderes... Es gab keine Vorschrift, kein Gesetz oder irgendetwas auch dem abzuleiten wäre, dass da die Industrie schummelt. Für die Blödheit des Fahrers ist der Fahrer zuständig!

    Zu den NOX-Messstationen (natürlich nicht im Artikel):
    2014 haben noch 149 Messstationen in Deutschland erhöhte NO2-Werte gemessen. 2016 waren dies noch 62 Messstationen. in ein paar Jahren keine mehr

  • @Herr Otto Berger 02.08.2017, 12:13 Uhr

    was erwarten Sie, wenn Fr. Merkel an dem "Diesel-Gipfel" teilnimmt?

    Frau Merkel hat in der Vergangenheit Ihre "Flexibilität" in essentiellen Fragen immer wieder unter Beweis gestellt.

    Eine ergebnisoffene und anschließend faktenbasierte Bewertung des "Skandals" hätte ich von der studierten Physikerin sowieso nicht erwartet. Von daher ist die Teilnahme der beliebtesten Kanzlerin aller Zeiten an dem Meeting für mich so weltbewegend wie die Frage, ob heute in China schon ein Sack Reis umgefallen ist.

  • Das Sommerloch hat sein Thema gefunden, aber Vorsicht, nicht alles schlecht machen !!
    Die Medien und sogenannten Fachleute bescheinigen dem Diesel das aus.
    Bevor man urteilt, müssen erstmal alle Fakten auf den Tisch.
    Was war oder ist technisch möglich und was ist politisch gewollt bei den Schadstoffgrenzen ?
    Was haben die Städte sellbst verursacht durch eine jahrzehntelange Vernachlässigung von Verkehrskonzepten, Verdichtung des Wohnungsbau, Keine Ausweisung von Industriegebieten vor der Stadt.
    Heute wird gejammert über eine evtl. "Enteignung" der Dieselfahrer, diese hatte schon mit Einführung von den Umweltplaketten stattgefunden, weil die Städte hier mit dem VDA unter einer Decke gesteckt haben, eine Unterstützung haben die damaligen Autobesitzer nicht erfahren !
    Die städtischen Fahrzeuge erhielten Ausnahmebestätigungen.

    In meiner Heimatstadt sollen in den nächsten Jahren 6,500 Wohnungen gebaut werden. Wenn jeder Haushalt nur einen Wagen hat, entsteht ein zusätzliche "Stau" von 20 km.

    Durch Abschaffung der deutschen Automibilindustrie wird wie bei der Abschaltung der Atomkraftwerken das Umweltproblem der Welt nicht gelöst.

    Jetzt heißt es mit Maß und Ziel, die Zukunft zu gestalten, Polemik hilft niemand, auch den Grünen nicht, den sie wollen ja auch weiterhin staatlichfinanzierte Zuwendungen als Abgeordnete erhalten und diese müssen halt erstmal erwirtschaftet werden oder man nimmt Schulden auf !

  • Als Essenz aus den Kommentaren sehe ich:

    1. Herr Vinci Query02.08.2017, 11:43 Uhr
    „Das Problem in den Ballungsgebieten innerhalb der 30 kmh - 50 kmh Zonen wäre ganz einfach mit der Vollhybridtechnik im NU gelöst.“
    2. Herr Otto Berger02.08.2017, 12:13 Uhr
    „Das Problem hat die Politik massgeblich mitverschuldet; denn durch den Einbau einer geeigneten Hardware (Mehrkosten ca. EUR 1500) hätte es keinen Diesel-Abgasskandal gegeben ------ aber von der Politik wurden Profitinteressen im Interesse der Automobil-Produzenten gepusht.“

    Was hat die Konzerne und diese sogenannten „Politiker“ denn daran gehindert, z. B. die Hybrid-Technik einzuführen (sowohl für Diesel als auch Benziner)? Billiger als reine E-Autos wären die als Marktangebot auf jeden Fall gewesen.

    Selbst geeignete Hardware nach dem jeweiligen Stand der Technik wäre mit den damit verbundenen Mehrkosten eine deutlich preiswertere Alternative gewesen.

    Der 400 Mio. € Kredit der EIB an VW in 2009, mit dem VW seine „Klima-Bilanz“ verbessern wollte, ist nach Lage der Dinge jedenfalls nicht dafür verwendet worden. Sonst würde Brüssel nicht empfehlen, gegen 2 VW-Manager strafrechtliche Schritte einzuleiten.

  • @ Herr Grutte Pier ..... " Es gibt auf dem Erdball wohl kein Volk, das zugunsten diverser "Rettungsszenarien" beharrlicher an der Abschaffung seiner eigenen Industrie und damit seines Wohlstands und Lebensqualität hinarbeitet."
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    Naja, sehen wir die Angelegenheit ganz emotionslos.
    Das Problem hat die Politik massgeblich mitverschuldet; denn durch den Einbau einer geeigneten Hardware (Mehrkosten ca. EUR 1500) hätte es keinen Diesel-Abgasskandal gegeben ------ aber von der Politik wurden Profitinteressen im Interesse der Automobil-Produzenten gepusht.
    " Technologisch ist die Abgasreinigung also kein Problem. Es geht allenfalls darum, wie viel Geld man für eine gute Abgasreinigung einsetzt. ------- Bundeskanzlerin Merkel hat sich in Brüssel durchgesetzt. Es ist ein Kampf für das Profitinteresse und die Unternehmen haben jetzt einige Hundert Euro pro Dieselfahrzeug gespart. Auf der Strecke bleibt dafür die Gesundheit der Bürger in Europa -----." und - wahrscheinlich in Europa - der Käufer eines Diesel betriebenen PKWs.
    (s.a. Link : http://www.dw.com/de/neue-abgaswerte-sind-eine-katastrophe/a-18815353)

    Frau Dr. Angela Merkel wird am Diesel-Gipfel leider n i c h t teilnehmen, weil sie sich z.Zt. im Urlaub befindet !!

  • Und das CO2 trägt hauptsächlich zur Klimaerwärmung bei.
    Eine Märchenstunde der besonderen Art, dieser Regierungsamtliche Blödsinn.

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