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Vor Hauptversammlung Schaeffler attackiert Conti-Chef hart

Continental-Chef Karl-Thomas Neumann droht ein Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler. Weil der Chef des Autozulieferers sich mit den Gewerkschaften verkeilt hat, will Chefaufseher Rolf Koerfer im Aufsichtsrat vermitteln - und Werksschließungen gegen den Willen des Vorstandes nur mit Zustimmung der Kontrolleure ermöglichen.
Verschnupfte Stimmung: Conti-Chef Neumann (rechts) und sein Aufsichtsrat Koerfer sind unterschiedlicher Meinung. Quelle: dpa

Verschnupfte Stimmung: Conti-Chef Neumann (rechts) und sein Aufsichtsrat Koerfer sind unterschiedlicher Meinung.

(Foto: dpa)

HAMBURG/MÜNCHEN/PARIS. Zwischen dem Autozulieferer Continental und seinem Großaktionär Schaeffler ist ein neuer Konflikt entbrannt. Aus Sicht von Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann missachtet Chefaufseher Rolf Koerfer die Spielregeln eines börsennotierten Konzerns. Koerfer ist Vertreter und Vertrauter der Unternehmerfamilie Schaeffler.

Statt ihm in der schwierigen Lage Rückendeckung zu geben, reite Koerfer Attacken gegen Neumann, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Koerfer übt an mehreren Stellen zugleich Druck auf den Konzernchef aus: Offenbar aus taktischen Gründen, um sich ihrer Unterstützung zu versichern, blockt er die Forderungen der Gewerkschaften nach einem Stopp von Werksschließungen und Stellenabbau nicht ab.

Gegen den Willen des Vorstandes sollen sie auf die Tagesordnung des Aufsichtsrats kommen, der am Donnerstag im Anschluss an die Hauptversammlung tagt. In Gesprächen unterstütze er die Blockadehaltung der Gewerkschaften gegen das Aus für die Reifenwerke in Hannover-Stöcken und Clairoix, erfuhr das Handelsblatt aus Arbeitnehmerkreisen des Konzerns. "Koerfer gibt uns den Eindruck, auf unserer Seite zu stehen", sagte ein Beteiligter.

Neumann muss angesichts des Nachfrageeinbruchs vor allem im Lkw-Markt die Überkapazitäten in der Reifenproduktion verringern. Dazu sollen 1 900 Jobs wegfallen, davon 1 200 in Frankreich. Ein Gericht bestätigte gestern die Rechtmäßigkeit der Pläne Contis, das Werk Clairoix zu schließen. Zudem kündigte Contis Personalvorstand Heinz-Gerhard Wente gestern den Abbau von weiteren 500 Jobs in der Sparte Conti-Tech an.

Weder Koerfer noch Neumann wollten sich auf Anfrage zu einem Zerwürfnis äußern. Einen weiteren Konflikt gab es Beteiligten zufolge zwischen beiden um den anstehenden Auftritt auf der Hauptversammlung. Demnach missfällt dem Chefaufseher Neumanns Absicht, in seiner Rede auf einen "fehlenden Gesamtplan" für das neue Konstrukt aus Conti und Schaeffler einzugehen. Ein Koerfer-Sprecher dementierte auf Nachfrage Differenzen in diesem Punkt.

Bereits am Montag hatte die Schaeffler-Seite den Conti-Vorstand brüskiert, als durchsickerte, dass anstelle des für den Aufsichtsrat vorgesehenen Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Hans-Jörg Bullinger, Schaefflers Finanzvorstand Klaus Rosenfeld am Donnerstag zur Wahl steht. Bullinger ist ein Vertrauter Schaefflers und soll nach eigener Aussage Conti nun beraten. Ein Vertrag liegt dem Vorstand allerdings nicht vor - Neumann wusste von nichts.

Entsprechend eisig ist die Stimmung zwischen den Akteuren, berichten Beobachter von einer Begegnung zwischen Koerfer und Neumann auf einem Wirtschaftstreff Montagabend in der NordLB-Zentrale in Hannover.

Schaeffler versuchte gestern, die Wogen zu glätten. Der Konzern sieht keinen Bruch der Investorenvereinbarung mit Conti, da Koerfer kein Angestellter des Unternehmens sei. Hier sei man mit Conti einer Meinung, sagte ein Schaeffler-Sprecher. Bullinger betonte, seine Kandidatur nicht auf Druck von Schaeffler zurückgezogen zu haben.

Dennoch gibt es weiter Kritik am Vorgehen von Schaeffler. Ex-DWS-Chef Christian Strenger, Mitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, will auf der Hauptversammlung als Conti-Aktionär gegen die Wahl Koerfers in den Aufsichtsrat stimmen. "Der Gedanke der Investorenvereinbarung, Conti als ausreichend unabhängiges Unternehmen zu erhalten, wird immer mehr zur Makulatur", sagte er.

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