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Vorstands-Umbau Dax-Riese Bayer überrascht mit Chefwechsel

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Branchenfachleute bewerten das Revirement als Zäsur für den Leverkusener Konzern. Die Bayer-Aktie gab unmittelbar nach Bekanntgabe der Personalien leicht nach, erholte sich im Laufe des Tages aber wieder und lag am Nachmittag mit gut einem Prozent im Plus.

Analysten zeigten sich völlig überrascht von der Wahl des Aufsichtsrates. Dekkers ist in Deutschland weithin unbekannt, das Ausscheiden von Higgins und Kühn sorgte zudem für gewisse Irritationen. Die Personalien gelten dabei als Indiz dafür, dass Bayer aktive Portfolio-Politik betreiben werde. "Das deutet auf einen Wechsel von einer eher konsolidierenden zu einer expansiveren Strategie", sagte Peter Spengler von der DZ Bank. Der Bayer-Vorstand hatte Bereitschaft signalisiert, insbesondere die Gesundheitssparte durch weitere Zukäufe zu stärken - etwa im Bereich Tiergesundheit.

Der promovierte Chemiker Dekkers bringt dabei vergleichsweise wenig Erfahrung aus dem eigentlichen Pharmageschäft mit. Beim Technologieriesen General Electric gestartet, prägte der Manager Thermo fischer als CEO mit einer beherzten Expansionsstrategie. Sein größter Deal war 2006 die Übernahme des mehr als doppelt so großen Laborausrüsters Fisher Scientific. Damit schuf er einen Großanbieter auf dem Markt für Analysegeräte und Labormaterialien. Mit dem Kauf der deutschen Firma Brahms drängte er zuletzt auch ins Geschäft mit medizinischer Diagnostik.

Bei Bayer ist das Gesundheitsgeschäft nach der Übernahme von Schering 2006 zu dem mit Abstand wichtigsten Teilbereich aufgestiegen. Es trug 2008 knapp die Hälfte zum Konzernumsatz von 33 Mrd. Euro bei und gilt als das Geschäft, in dem der Konzern die größten Expansionsmöglichkeiten sieht.

Personalexperten interpretierten es am Dienstag als gewisse Schwäche des Leverkusener Unternehmens, dass es nicht gelungen sei, einen internen Nachfolger für die Spitzenposition aufzubauen. Andererseits gilt intensive Vernetzung in der Bayer-Organisation heute als nicht mehr so wichtig wie in der Vergangenheit. Denn Bayer wird als strategische Holding geführt, unter deren Dach mehrere Einzelunternehmen operieren.

Marijn Dekkers

Der Mensch

Der am 22. September 1957 im niederländischen Tilburg geborene Dekkers ist promovierter Chemiker. Der Vater von drei Töchtern hat während der Studienzeit als Profi in der deutschen Tennisliga gespielt.

Der Manager

1985 startete er in der Forschung von General Electric und wechselte 1995 zu Allied Signal, damals Marktführer für Flugsicherheitssysteme. 2000 stieg Dekkers beim Laborgerätehersteller Thermo Electron ein, den er 2006 mit dem Konkurrenten Fisher Scientific fusionierte.

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