VW-Abgasskandal „Wir werden die Verantwortlichen weiter verfolgen“

Trotz Milliarden-Vergleichs mit dem US-Justizministerium ist der Abgasskandal für VW nicht ausgestanden: Der Konzern erhält einen externen Aufpasser, sechs Manager werden angeklagt – und weitere Verantwortliche gesucht.
Update: 12.01.2017 - 07:49 Uhr 13 Kommentare

„Sie haben die Positionen ernsthaft missbraucht“

Washington/WolfsburgVolkswagen hat mit der US-Regierung einen milliardenteuren Vergleich im Dieselskandal ausgehandelt. Demnach muss der Wolfsburger Konzern wegen der Abgasmanipulation in den USA umgerechnet 4,1 Milliarden Euro Bußgelder und Strafe zahlen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Vergleich sieht außerdem vor, dass der Autobauer seine Schuld nach US-Strafrecht anerkennt. Nach VW-Angaben ist er aber keine Grundlage für Rechtsstreitigkeiten außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Konzern muss außerdem sein internes Kontrollsystem zur Einhaltung von Vorschriften verbessern und sich für drei Jahre einer unabhängigen Aufsicht unterwerfen.

Dem zugleich veröffentlichten Gerichtsdokument zufolge räumt VW ein, Behörden und Kunden von Mai 2006 bis November 2015 betrogen zu haben hinsichtlich der Emissionen von knapp einer halben Million Dieselfahrzeuge. Das Unternehmen bekenne sich der Verschwörung und der Behinderung der US-Justiz schuldig.

Verantwortlich seien Manager unterhalb der Vorstandsebene. Insgesamt nannten die Ermittler sechs führende Manager des VW-Konzerns namentlich, gegen die Strafanzeigen gestellt werden sollen. Unter diesen angeklagten Manager befinden sich neben dem bereits festgenommenen Oliver Schmidt auch der ehemalige Leiter der Entwicklungsabteilung der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, zwei leitende Motorenentwickler und zwei Qualitätsmanager. In Regierungsdokumenten wird den VW-Vertretern vorgeworfen, gegenüber den Umweltbehörden gelogen oder Dateien mit Beweismitteln vernichtet zu haben.

„Es sind keine multinationalen Unternehmen ohne Gesicht, die Verbrechen begehen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut“, sagte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Sally Yates. Ob alle Konzernvorstandsmitglieder wie der zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn nun aufatmen können, bleibt offen. Justizministerin Loretta Lynch betonte, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. „Wir werden die Verantwortlichen, die diese schädliche Verschwörung orchestriert haben, weiter verfolgen.“

Der stellvertretende FBI-Chef Andrew McCabe sagte, dass man zwar keine Firmen ins Gefängnis bringen, jedoch die Mitarbeiter persönlich zur Verantwortung ziehen könne. „Wir können Konzerne dazu zwingen, heftige Strafen zu zahlen“, erklärte er. Die Geldstrafe von 4,3 Milliarden Dollar für VW ist die höchste, die die US-Behörden jemals einem Autokonzern aufgebrummt haben.

VW-Chef Matthias Müller erklärte: „Volkswagen bedauert die Handlungen, die zur Dieselkrise geführt haben, zutiefst und aufrichtig.“ Die Vereinbarungen zeigten, dass VW entschlossen gegen Fehlverhalten vorgehen wolle. „Sie sind ein wichtiger Schritt nach vorne für unser Unternehmen und alle Mitarbeiter.“

Der Vergleich mit dem Justizministerium muss nun noch vom zuständigen Gericht abgesegnet werden. Die Einigung sieht auch vor, dass VW seine Kontrollsysteme verstärken muss sowie für die nächsten drei Jahre auf „Bewährung“ gesetzt und von einem externen Aufseher überprüft wird.

Das US-Justizministerium hatte den Wolfsburger Konzern vor fast genau einem Jahr verklagt wegen des Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz. Volkswagen hatte im September 2015 die Manipulation von elf Millionen Autos weltweit zugegeben, darunter knapp eine halbe Million Fahrzeuge in den USA. Dort war der Skandal auch aufgedeckt worden. Eine illegale Software sorgte dafür, dass Grenzwerte für gesundheitsschädliches Stickoxid nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Im normalen Straßenverkehr liegen sie um ein Vielfaches höher.

Erleichterung an der Börse
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13 Kommentare zu "VW-Abgasskandal: „Wir werden die Verantwortlichen weiter verfolgen“"

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  • ... die Verantwortlichen weiter verfolgen.........
    Was bei Bin Laden verpennt wurde, muß jetzt bei VW aufgearbeitet werden.
    Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

  • Natürlich Herbert ist nachvollziehbar.

    Im übrigen Moral und Ethik sind keine Bilanzpositionen.
    Kein Gericht der USA wird die eigene Wirtschaft schädigen, so etwas gibt es nur in Schilda !

    Darüber zu diskutieren ist müssig, es müssen hier wieder Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass dieses Land wieder funktioniert !

  • Die Verantwortlichen suchen und anklagen .. Ja, ja.
    Ablenken vom scharfen Abkassieren ist das, für mich den klaren Vorrang hatte.

  • Gottseidank hat VW keine Millionen PKWs dort verkauft. Die LKW Dreckschleudern
    dort sind hunderttausendfach schlimmer. Ganz klar, es ist nicht in Ordnung was sie gemacht haben. Es ist auch nicht in Ordnung was die Umweltbehörden weltfremd
    und technikfeindlich anrichten. Genau diese haben überall nur eines im Sinn: Sie wollen uns zurückbringen in den Wald auf die Bäume. Kein Fleisch, keine Milch, keine
    Autos, keine Mobilfunkstrahlung, keine Autobahnen, keine Kamine, keine Kraftwerke,
    keine, keine, keine. Warte nur ein weilchen, dann kommt der Umweltinspektor auch zu Dir!

  • Herr Eibl, ich glaube Mexiko und Südamerika waren nicht so der Anlass, sondern das Motorenwerk in Russland, das VW gerade eröffnet hatte.

  • VW ist einfach nur dämlich, indem sie Zusagen macht, die nicht eingehalten werden können. Die Amerikaner machen einfach, jedoch ohne sich mit Zusagen festzulegen. Also können sie auch nicht festgenagelt werden. Und das, obwohl deren Abgaswerte mit Sicherheit höher sind. Die Deutschen machen zu viele Fehler, deshalb kann man sie immer wieder erneut aussaugen.

  • Es geht hier nicht um Recht und Gerechtigkeit, das ist globale Wirtschaftspolitik.

    Während VW und Mercedes seit Jahrzehnten Produktionsstätten in den USA unterhalten. Haben die Oberschlauen bei VW gedacht, sie produzieren nebenbei kostengünstig in Mexico und Südamerika(Amerok)

    War abzusehen, wann die Bombe platzt !

    Wer sich nun hier beschwert, dass er keine Entschädigung bekommt, sollte mal bedenken, dass man in Wolfsburg und Umgebung hervorragend verdient hat.
    Das das Preis/Leistungsverhältnis der VW-Blechkisten nicht passt ist hinlänglich bekannt !

  • Selektive Rechtssprechung. VW muss bluten, adere insb. US-einheimische Konzerne kommen mit fast allem durch, siehe GM Zündschloss-Skandal mit echten Toten, Finanzkrise Rolle der Ratingagenturen etc pp.

  • Hierbei geht es doch um BETRUG am Kunden, sonst nichts, es wurde etwas verkauft, was nicht der Wahrheit entspricht, wären wir ein Rechtsstaat, würden hier
    Ab Sofort keine dieser Fahrzeuge mehr in die Städte fahren
    Würde VW für seine Straftaten belangt werden und müßte Schadensersatz leisten
    Aber was will man erwarten in einem Land mit einer solchen Regierung?

  • Zu H.Wrobel .Wenn dem so wäre würden sich genug Anwaltskanzleien in den USA finden die diese Konzerne mit Schadenersatzklagen überschütten würden. Im Gegensatz zu D verdienen die Kanzleien bis zu 50 % und mehr an den erreichten Schadenersatzsummen.

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