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VW-Affäre und Gewerkschaften Die IG Metall fürchtet den großen Crash

Was die Finanzkrise für die Banken war, könnte die VW-Affäre für die Industrie werden, fürchtet IG-Metall-Chef Wetzel. Mit Schuldzuweisungen hält sich der Gewerkschafter zurück. Klar sei: „Die Putzfrau war es nicht.“
29.09.2015 - 12:15 Uhr 42 Kommentare
„Das ist etwas, was nie hätte passieren dürfen.“ Quelle: dpa
Tunnel zum VW-Werk Wolfsburg

„Das ist etwas, was nie hätte passieren dürfen.“

(Foto: dpa)

Frankfurt Eigentlich soll es um die Mitgliederentwicklung gehen, um Leiharbeit und Werkverträge und gute Arbeit im digitalen Zeitalter. Deshalb hat die IG-Metall-Spitze am Montagabend eine kleine Runde von Journalisten in die 20. Etage des Frankfurter Interconti-Hotels geladen, mit Blick auf den Main zu Füßen und den EZB-Tower in der Ferne. Vorbereitung auf den Gewerkschaftstag der IG Metall, auf dem die weltgrößte Einzelgewerkschaft ab dem 18. Oktober eine neue Führung wählen und das Arbeitsprogramm für die kommenden vier Jahre beschließen will.

Doch über gute Arbeit zu reden, fällt schwer an diesem Abend. Zu weit reicht der Schatten der VW-Affäre. Lug und Trug in Wolfsburg und Übersee beschädigen den Standort Deutschland – und setzen damit möglicherweise Tausende Jobs aufs Spiel. Die Autobranche ist das Herz der deutschen Industrie, jeder siebte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt von ihr ab. Deshalb sind die Sorgen groß in der IG-Metall-Zentrale an der Wilhelm-Leuschner-Straße. Was die Finanzkrise für die Banken war, könnte die VW-Affäre für die Industrie werden.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hat das Gütesiegel „Made in Germany“ schwer beschädigt, fürchtet IG-Metall-Chef Detlef Wetzel. Er habe nicht für möglich gehalten, was sich in dem Konzern abgespielt habe, sagt der scheidende Gewerkschaftsvorsitzende. Volkswagen befinde sich in einer „extrem beunruhigenden Situation“, und es sei wahrscheinlich, dass die Krise auch auf das Auto als Produkt abfärbe. „Das ist etwas, was nie hätte passieren dürfen.“ Von ihrer nationalen Bedeutung her sei die VW-Affäre durchaus mit der Finanzkrise 2008/09 vergleichbar.

Mit Schuldzuweisungen hält sich der IG-Metall-Chef allerdings zurück. Es sei nun zunächst mal Sache der internen Ermittler und der Staatsanwaltschaft, die Verantwortlichkeiten zu klären. Eins sei aber auch ganz klar: „Es war sicher nicht die Putzfrau, die das verantwortet hat.“ Die Entscheidung, die Trickser-Software einzusetzen, sei von Leuten mit Macht und Einfluss getroffen worden.

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    Eine Mitverantwortung des Konzernbetriebsrats unter seinem mächtigen Vorsitzenden Bernd Osterloh weist Wetzel zurück: „Die Mitbestimmung nach dem VW-Gesetz bezieht sich nicht auf die Frage, welche Komponenten in einen Motor eingebaut werden.“ Natürlich müsse sich jeder an verantwortlicher Stelle fragen lassen, warum er von dem Skandal nicht früher erfahren habe. Aber wenn jemand mit krimineller Energie vorgehe, sei dem kaum beizukommen.

    Zu lange seien Erfolge allein VW-Chef Martin Winterkorn gutgeschrieben und Misserfolge der Mitbestimmung angelastet worden. Bei dieser „Arbeitsteilung“ werde er nicht mitmachen, sagte der IG-Metall-Chef, der sein Amt beim Gewerkschaftstag an seinen Vize Jörg Hofmann abgeben will.

    „Wir zahlen nicht für eure Krise“
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    42 Kommentare zu "VW-Affäre und Gewerkschaften: Die IG Metall fürchtet den großen Crash"

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    • Was wusste das Ideenmanagement in den VW-Werken?

      Das Ideenmanagement im VW-Werk sollte über den Zeitpunkt der Manipulationen bei den bestimmten Fahrzeugen mit Dieselmotoren Auskunft geben können.

      So funktioniert das Ideenmanagement: Ideen werden zwecks Arbeitserleichterungen in den Produktionsprozessen, für eine Güteverbesserung von Fahrzeugen und besonders für die Senkung von Produktionskosten als Verbesserungsidee im Ideenmanagement eingereicht. Dafür winkt eine Prämie von 25,- € bis zu über 1 Millionen € (sehr, sehr selten). In der Abteilung „Ideenmanagement“ werden die Vorschläge von Technikern geprüft und bewertet. Ist die Verbesserungsidee erfolgreich, wird eine Prämie festgelegt und auf das Konto des VW Mitarbeiters überwiesen.

      Die Verbesserungsideen von Bandarbeitern, werden zumindest vom Meister, dem U-Abteilungsleiter und dem Abteilungsleiter abgesegnet und bringen vorwiegend nur kleine Prämien. Manchmal teilen sich mehrere Mitarbeiter eine Verbesserungsidee.

      Von „schwerwiegenden“ Verbesserungsideen weiß eigentlich nahezu jeder VW-Mitarbeiter bescheit, auch der Betriebsrat. Die Manipulation bei den Emissionswerten von Dieselmotoren wird aus der Entwicklungsabteilung kommen. Wie viel Geld für diese Verbesserungsidee geflossen ist, ist im positiven Bescheid nachzulesen. Ist diese Zahlung unter der Hand erfolgt?

      Dieser bewusste Betrug ist eine vorsätzliche kriminelle Handlung. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser bewusste Betrug aus niederem Anlass erfolgte. Demzufolge ist nicht mit mildernden Umständen zu rechnen.

      Gesundheitliche Schadensforterungen halte ich für lächerlich. Viele Menschen rauchen wie der Teufel oder saufen wie verrückt. Wo bleibt hierbei die eigene Selbstverantwortung? Genau so gut könnten Nichtraucher gegen Raucher klagen, die Raucher verpesten die Umwelt in der Summe schlimmer als ein Dieselfahrzeuge.

    • @Karsten Schiefelbein: Genderwahnsinn bei einer Autodebatte? Lenken Sie nur ab, das bringt uns der Lösung näher.

    • Ja natürlich reicht die deutsche Ingenieurskunst aus, um die betreffenden Fahrzeuge vernünftig nachzurüsten. Leider kostet es ein Vermögen und damit sind die Regress- und Schadensersatzansprüche noch nicht abgegolten. In den USA kennt man auch die "punitive damages", das kann sehr teuer werden. Das Thema ist spannend, da wird darüber berichtet, nichts anderes erwarte ich.

    • @Marc Hoffmann: Ja, es war schon immer eine sehr gute Lösung, den Überbringer der Botschaft für die unliebsame Botschaft zu enthaupten statt das Grundübel anzupacken. Die Botschafter wachsen nach, man findet immer neue, die man enthaupten kann. Unser Planet wächst nicht nach, es gibt nur einen, den wir bewohnen können. Wenn wir einen Fehler machen - und Fehler sind unvermeidbar - wäre ein Zuviel an Vorsicht wünschenswerter als ein Vabanquespiel

    • Es gibt nur noch die VW Krise. Bei der Finanzkrise gab es wenigstens Hilfe vom Staat,
      aber hier gibt es nichts. Die Zulieferer sind betroffen und auch dort die Arbeitsplätze
      gefährdet. Und der Aktienkurs fällt und fällt. In Wolfsburg wird auch bei der Stadt eingespart usw. Wie geschrieben es gibt natürlich auch die großen Gewinner, denn mit Shortderivaten verdient man je mehr sich die Krise zuspitzt. Die Aktie will scheinbar niemand kaufen, sondern nur noch los werden

    • Ja klar...jetzt müssen ja die "BWLer" dran schuld sein...tststs

    • Nicht nur VW hat mit Abgaswerten geschummelt. Auch der Autor mit seinen Zahlen. Die Mär, jeder 7. Arbeitsplatz sei unmittelbar oder mittelbar von der Automobilindustrie abhängig, wird ungeprüft übernommen. M. W. stammt diese schon damals falsche Zahl aus den 70er Jahren und wurde seither weder (von Journalisten) hinterfragt noch aktualisiert. Aktuell arbeiten etwa 770.000 Personen in der Automobilindustrie in Deutschland (Quelle: Statista). Selbst wenn man die Motorjournalisten und neuerdings die Wirtschaftsjournalisten hinzuzählt, kommt man nicht auf die Quote von 1/7.

    • drauf hauen find ich gut. Das nennt man Kapitalismus. Da werden Managementfehler gnadenlos bestraft.

    • Dann haben die BWL'er die Software programmiert.
      Die gehören alle an die Wand gestellt!

    • Huhu, VW hat betrogen. Per Software die Abgasreinigung abstellen ist kriminell.
      Bei Benzinmotoren ist die Abgasreinigung nicht nötig. Und die Wettbewerben lassen die Abgasreinigung einfach an!
      Ich hoffe, sie haben jetzt verstanden worum es hier geht.

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