VW-Betriebsrat Osterloh kritisiert Wolfsburger Sparkurs

Bei Volkswagen droht wieder einmal Krach. Es geht um die Sparziele des Top-Managements. Betriebsratschef Bernd Osterloh nimmt in einem internen Interview kein Blatt vor den Mund.
Der VW-Betriebsratschef kritisiert den neuen Sparkurs. Quelle: dpa
Bernd Osterloh

Der VW-Betriebsratschef kritisiert den neuen Sparkurs.

(Foto: dpa)

WolfsburgBei Volkswagen bahnt sich neuer Streit zwischen Management und Betriebsrat über den Sparkurs des Autokonzerns an. Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte in einem Interview mit einem internen Mitarbeiterportal zum Teil scharfe Kritik am Vorgehen des Chefs der Konzern-Kernmarke VW, Herbert Diess. Ein von Diess vorgeschlagenes 12-Punkte-Programm zur Zukunft der Marke schaffe „Unruhe“, sagte Osterloh in dem Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Die VW-Kollegen seien wegen des Abgas-Skandals ohnehin „verunsichert“.

Volkswagen hatte auch als Folge der immensen Kosten des Skandals seinen Sparkurs verschärft. Investitionen wurden bereits gekürzt. Die ertragsschwache Konzern-Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat soll außerdem profitabler werden. Der mächtige Betriebsrat hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Kritik an der neuen VW-Führung geäußert.

Das 12-Punkte-Programm sieht eine Neuausrichtung der Marke vor. So soll es in einer neuen Unternehmenskultur „mehr Kreativität und um einen offenen Austausch“ gehen, wie es in einer VW-Mitarbeiterzeitung heißt. In der Vergangenheit war VW stark zentralistisch geführt worden. Unter dem Begriff „New Volkswagen“ will sich VW vom reinen Autobauer zum „Mobilitätsanbieter“ entwickeln. Außerdem sollen wie im gesamten Konzern die einzelnen Regionen mehr Verantwortung bekommen. Alle Kosten sollen zudem auf den Prüfstand gestellt werden.

Osterloh sagte zu dem Programm, viele der Handlungsfelder seien grundsätzlich richtig. Es sei aber vieles bereits bekannt. „Eine neue Strategie für die Marke ist das noch lange nicht. Vieles ist nur an-, aber noch nicht zu Ende gedacht.“

Der VW-Betriebsratschef bestätigte außerdem, dass Markenchef Diess die Produktivität bei der Marke VW um zehn Prozent steigern wolle. In der vergangenen Woche hatte das „Manager Magazin“ bereits berichtet, Diess peile schon für 2016 deutliche Sprünge bei der Pkw-Kernmarke an.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

„Natürlich gibt es das 10-Prozent-Produktivitätsziel“, sagte Osterloh. Es ziele vor allem auf den indirekten Bereich - also die Verwaltung. Mit dem Betriebsrat seien die Ziele aber nicht vereinbart. „Schon deshalb, weil wir dieses Ziel für unrealistisch halten.“ Weiter sagte der Betriebsratschef, der auch im Aufsichtsrat sitzt: „Unsere Kollegen in den indirekten Bereichen bohren ja nicht in der Nase. Und einer weiteren Leistungsverdichtung werden wir nicht zustimmen. Im Übrigen würden wir gerade in den Angestelltenbereichen natürlich doch über Arbeitsplätze sprechen.“

Der Betriebsrat stehe einer Steigerung der Produktivität grundsätzlich positiv gegenüber. „Aber wir erwarten, dass Volkswagen gleichzeitig die Sicherheit der Arbeitsplätze garantiert.“

Osterloh sagte außerdem, die Automobilindustrie werde sich in den nächsten Jahren extrem verändern. „E-Mobilität und Digitalisierung - da müssen wir ganz vorne dabei sein, dass dürfen wir nicht den Apples und Googles überlassen.“ Der neue Konzernchef Matthias Müller treibe das Thema Digitalisierung konsequent voran. „Er schafft endlich die Stellen und Ressourcen, die wir in der Vergangenheit als Betriebsrat schon eingefordert haben.“

  • dpa
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