VW-Betriebsratschef Osterloh „Unser US-Geschäft ist eine Katastrophe“

VW-Betriebsratschef übt massive Kritik an der Strategie des deutschen Autoriesen in den USA. Man könne den Markt nicht von Wolfsburg aus steuern. Nun müsse der Konzern dringend neue Modelle an den Start bringen.
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So klotzen die Deutschen in Detroit

WolfsburgVW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat die Konzernführung wegen der Probleme in den USA kritisiert. Das Management habe den Wettbewerb auf dem nach China weltweit zweitgrößten Automarkt unterschätzt und biete dort zu wenige Fahrzeugtypen an, um in der scharfen Konkurrenz mitzuhalten, sagte Osterloh am Mittwoch in Wolfsburg. Aus Sicht der Arbeitnehmer sei das Geschäft in den USA eine „Katastrophenveranstaltung“ für Volkswagen. Osterlohs Worte haben in Wolfsburg besonderes Gewicht, da er im einflussreichen Präsidium des Aufsichtsrates sitzt. Auch der neue US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, hatte einen Sinneswandel in Wolfsburg angemahnt, um in den USA in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Als wichtigen Grund für das schlechte Abschneiden in den USA nannte Osterloh im Gespräch mit Journalisten die zentralistische Organisation von Volkswagen, bei der alles von der Zentrale in Niedersachsen entschieden werde. Dadurch seien die Entscheidungswege zu lang. Volkswagen hatte den für die USA geplanten großen Geländewagen vor einem Jahr auf der Detroiter Automesse präsentiert. Wo der „CrossBlue“ vom Band rollen wird, wenn er in zwei Jahren auf den Markt kommt, ist noch nicht entschieden. „Was mich bewegt, ist, ob einige Leute glauben, dass alles von Wolfsburg aus gesteuert werden kann“, sagte Osterloh. Während es VW in China und Westeuropa gelungen sei, die Konkurrenten zu überholen, habe der Konzern den Markt in den USA offenbar nicht verstanden.

Autos müssten für den jeweiligen Markt entwickelt und nicht von Wolfsburg aus gedacht werden. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das bei uns anders ist“, sagte Osterloh. Er sprach sich dafür aus, neben dem geplanten siebensitzigen Geländewagen auch einen Pick-up auf den US-Markt zu bringen. „Wir brauchen mehr als vier Modelle, die in Nordamerika gebaut werden.“ VW exportiert den kompakten Jetta und den Käfer-Nachfolger Beetle aus Puebla in Mexiko in die USA. Die Fabrik in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee, wo bislang nur der US-Passat gebaut wird, ist nicht ausgelastet.

Die USA sind für Volkswagen ein wichtiger Baustein auf dem Weg an die Weltmarktspitze. Die Wolfsburger wollen in den nächsten Jahren weltweit an den Rivalen GM und Toyota vorbeiziehen und sich die begehrte Krone in der Welt-Auto-Liga schnappen. Während der Konzern in China und Europa bereits stark ist, war er nach anfänglichen Erfolgen in Nordamerika zuletzt aus dem Tritt gekommen. Die Verkaufszahlen des US-Passat sinken seit einem Jahr, weil die Platzhirsche von General Motors bis Toyota reagiert haben und ihre Fahrzeuge zu günstigeren Preisen und mit besserer Ausstattung anbieten als Volkswagen.

  • rtr
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  • @ Paula_F:

    Sie haben absolut recht !

  • Weltmarktführer - ist dass sinnvoll? - Warum nicht die besten, langlebigsten, schönsten und sparsamsten Autos bauen und dabei schön profitabel bleiben. Auch Amerikaner kaufen IPhones in klassischem Bauhausdesign, auch in Amerika arbeitet die Zeit jetzt sehr schnell für vernünftiger Autos. Größenwahn ist selten sinnvoll - zumal die sogenannten Skaleneffekte bei diesen Produktionszahlen schon jetzt ausgereizt sind. Erwartet man als Weltmarktführer eine Gewinnexplosion oder was? Der größte Anbieter wird immer angefeindet - spätestens in einigen Jahren verordnen die Chinesen den Chinesen chinesische Autos - dann wars das mit dem Weltmarktführer.

  • Tja, das ist die Bankrotterklärung für die VW-Manager in den USA, aber auch in Wolfburg. Da muss der Betriebsratvorsitzende ihnen Nachhilfe in Sachen Modellpolitik geben !! Die USA sind ein SUV-/Pickup-Land, da muss ich natürlich meine Modellpalette danach ausrichten. Es sieht tatsächlich so aus, dass VW den amerikanischen Markt genauso wenig versteht, wie die GM-Manager in Detroit den deutschen bwz den europäischen Markt.

  • Soll bedeuten: Preise in Deutschland noch höher und in den USA senken und finanzieren von deutschen Wucherpreisen???

  • Vor einem Jahr wollte mein Chef für die neue Zweigstelle in den USA einen VW als Firmenwagen anschaffen. In Dland gibt es einen Firmen Vertrag mit VW. Aber in den USA wurden wir nicht nur überrascht vom langsamen und schlechten Service, aufgrund von einer undurchschaubaren Bürokratie und exakt null Bereitschaft Seitens des VW Händlers vor Ort sich dessen anzunehmen, wurde es nichts mit einem Vertrag mit VW. Zumal VW in DLand auch keinerlei Anstalten machte, uns zu assistieren. Wer so agiert muss sich nicht wundern, dass es nicht mit dem Absatz von Autos klappt. Abschließend wurden wir, auf die Bitte hin uns dann einen Wagen zu verkaufen, so herablassend behandelt (wir wollten für den Einstieg einen Jetta, Kommentar Händler "if you want to look reidiculous to your customers". Man muss anmerken, wir haben keinen direkten Kundenkontakt, weshalb uns das Prestige egal sein kann), dass wir uns an eine andere Firma wandten.

  • Das VW-Image in den USA liegt dort auf einem vergleichbaren Level wie etwa Dacia in Deutschland. Man schaue sich einfach mal in den US-Medien Test-Berichte und Maengelstatistiken von VW-Fahrzeugen an.
    Da kann ein schlechter Absatz doch nicht ueberraschen.

    Aber wie sieht VW denn in Deutschland aus (Stichwort Gelber Engel) ?

  • „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das bei uns anders ist“.

    Was für ein miserables sprachliches Bild! Und sehr entlarvend. Botschaft: Ein Auto zu besitzen macht heute in Ballungszentren immer weniger Sinn, aber mittels Mrd. Euros in Marketing und Absatzförderung wird der Wurm „schmackhaft gemacht“.

    Die bessere Alternativen: http://www.dradiowissen.de/mobilitaet-fahr-doch.33.de.html?dram:article_id=275143

  • Man möge mal die zig-Milliarden auflisten, die Volkswagen bis jetzt mit seinen Fabriken in usa angefahren hat- seit Hahns Zeiten immer nur teure Fehlschläge.

    Schon richtig, daß der us-Käufer diese Hecklappen Autos nicht mag... da muß man Geländewagen und pickups anbieten. Und die hier produzieren, dann sind die besser als Chevrolet und Co. und kommen, trotz höherer Preise, in den Markt. So, wie Audi und Mercedes und BMW.

  • Hinzu kommen noch Totalschäden an den neuen Motoren
    diverser Modelle wegen einer defekten Steuerkette, gepaart
    mit einem Produktionsengpass für Ersatzmotoren.
    Sie dürfen weiter träumen von der Nummer 1......

    Die Devise muß heißen :

    - erst Qualität, dann kommt auch der Umsatz.
    - verursacht man einen Schaden, wälzt man das nicht auf den Kunden ab.

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