VW-Chef besucht die USA Müllers Reise zur großen Gegenspielerin

Eine „Katastrophe“ ist das US-Geschäft für VW schon lange, nun wird es auch juristisch ein Kampf. Bei der Automesse in Detroit muss VW-Chef Müller trotzdem Optimismus verbreiten – und die US-Umweltbehörde besänftigen.
In Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee soll der neue VW-SUV gebaut werden. Für VW ein „Alles oder nichts“-Produkt, glauben Analysten. Quelle: dpa
Volkswagen USA

In Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee soll der neue VW-SUV gebaut werden. Für VW ein „Alles oder nichts“-Produkt, glauben Analysten.

(Foto: dpa)

Wolfsburg/DetroitErst die falschen Autos und dann auch noch eine verbotene Software: Amerikas größte Automesse in Detroit ist für Volkswagen schon lange ein heißes Pflaster, weil die Geschäfte in den USA mangels passender Modelle nicht laufen. Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie. Denn die Vereinigten Staaten sind das Epizentrum der Abgas-Affäre, die VW in die tiefste Krise seiner Geschichte stürzte.

Mitten im Diesel-Debakel muss Konzernchef Matthias Müller nun in die Höhle des Löwen zur Branchenschau. Am Mittwoch trifft er sich in Washington außerdem mit Gina McCarthy, der Chefin der US-Umweltbehörde EPA. Für Müller dürfte das kein Vergnügen werden.

Die USA haben Deutschlands größten Konzern wegen Betrugs und Verstößen gegen Umweltgesetze verklagt. Das war absehbar, VW hat den Einsatz der illegalen Abgas-Software schon eingestanden. Doch die Regierung wirft den Wolfsburgern zusätzlich vor, beim Aufarbeiten der Affäre zu tricksen und die Behörden in die Irre führen zu wollen.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Obendrein berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ von einem weiteren Schreckensszenario: 115.000 Dieselautos fürchte VW auf Druck der US-Behörden zurückkaufen zu müssen, schrieb das Blatt am Donnerstag. Das würde neue Milliardenkosten verursachen. Der Konzern lässt den Bericht unkommentiert.

Das Problem droht zum Flächenbrand zu werden, Müller muss löschen. Eine passende Kulisse hat er: Ausgerechnet in der früheren Feuerwache der „Motor City“ wird er seinen ersten US-Auftritt als Nachfolger von Martin Winterkorn absolvieren. In der Nacht zum Montag spricht er dort vor Journalisten. In dem Backsteinbau zelebrierte zuletzt auch Winterkorn den Messestart – stets nach dem Motto: „Es wird schon.“

Selbst Subaru verkauft in den USA mehr Autos als VW
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