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Herbert Diess

Der VW-Chef besetzt den China-Posten in außergewöhnlichen Zeiten.

(Foto: AFP)

VW-Chef Diess „Volkswagen muss chinesischer werden“

Herbert Diess übernimmt zusätzlich das Amt des Konzernvorstands für China. Er tritt in Peking in schwierigen Zeiten an: Der Automarkt der Volksrepublik schrumpft.
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Peking, DüsseldorfPeking ist bekannt für seine schlechte Luft. Einen wesentlichen Anteil hat daran der Straßenverkehr: Viele alte Autos verpesten die Luft in der chinesischen Hauptstadt.

Deshalb drängt die Regierung in Peking darauf, dass möglichst schnell viele neue Elektroautos auf die Straßen kommen, die die alten Modelle ablösen. Etwa eine Million Hybridfahrzeuge und rein batteriegetriebene Autos sind allein im vergangenen Jahr in China neu zugelassen worden.

Auch einflussreiche Besucher aus dem Ausland sehen erste Erfolge im Kampf für saubere Luft. China nehme den Umweltschutz im eigenen Land ernst, sagte Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess am Montag auf einer Pressekonferenz in der chinesischen Hauptstadt. „Es war das erste Mal, dass ich Peking schon aus 200 Kilometer Entfernung sehen konnte“, erzählte er.

Für Herbert Diess war es noch aus einem anderen Grund eine besondere Peking-Reise: Als Vorstandschef des größten Autoherstellers der Welt musste er schon in der Vergangenheit hin und wieder nach China fliegen.

Doch von diesem Monat an wird er noch öfter in die Volksrepublik reisen, denn Diess übernimmt zusätzlich das Amt des Konzernvorstandes für China. Er löst Jochem Heizmann ab, der in den Ruhestand geht. Die Volksrepublik wird bei Volkswagen damit zur Chefsache.

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Diess besetzt den China-Posten in außergewöhnlichen Zeiten. In den zurückliegenden 20 Jahren zeigten die Verkaufszahlen in China nur nach oben, das Wachstum schien unaufhaltsam zu sein. Rekordjahr war 2009, als die Pkw-Verkäufe um 53 Prozent nach oben schnellten.

Danach ging es zwar etwas gemächlicher zu. Doch auch 2016 war mit einem Plus von 15 Prozent im Vergleich zu den gesättigten Automärkten in den Industrieländern ein herausragendes Jahr.

Verkaufszahlen in China gehen zurück

Damit ist jetzt Schluss: In China sind die Pkw-Verkaufszahlen 2018 voraussichtlich um vier Prozent zurückgegangen, rund 24 Millionen Neuwagen dürften neu zugelassen worden sein.

Und auch die Aussichten für 2019 sind alles andere als rosig: Arndt Ellinghorst, Automobilexperte beim Investmenthaus Evercore ISI, rechnet mit einem erneuten Minus, wahrscheinlich von drei Prozent. Nur, wenn die chinesische Regierung doch noch Steuererleichterungen für neue Pkw einführen sollte, könnte es ein Plus bei den Neuzulassungen geben.

Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Universität Duisburg-Essen, malt ein düsteres Bild. „Die Marktbedingungen sind schlechter, als es die Zulassungszahlen ausdrücken“, sagt der Hochschullehrer. Der Ausblick für die kommenden Jahre sehe „extrem schlecht aus“.

Auch chinesische Autohersteller wie etwa Geely hätten sich damit abgefunden, dass es 2019 kein Wachstum gebe. Der anhaltende Handelskonflikt mit den USA habe zu einer großen Unsicherheit bei den chinesischen Kunden geführt – sie hielten sich beim Autokauf heute zurück. In Teilen Chinas stagnieren zudem die Immobilienpreise. Ökonomen sehen auch darin einen Grund für die Kaufzurückhaltung chinesischer Autofahrer.

Volkswagen wird von dieser Entwicklung besonders getroffen. Der Wolfsburger Autokonzern ist mit einem Anteil von mehr als 15 Prozent Marktführer in der Volksrepublik. Der VW-Konzern (also zusammen mit Audi, Porsche und Skoda) verkauft in China mehr als 40 Prozent seiner Fahrzeuge, 2018 waren es etwa 4,2 Millionen.

Die chinesischen Tochtergesellschaften überweisen jedes Jahr einen Gewinn zwischen drei und vier Milliarden Euro nach Wolfsburg. Die Botschaft, die Herbert Diess an diesem Montag in Peking präsentierte, war eindeutig.

„Das Schicksal der Volkswagen-Gruppe entscheidet sich in China“, sagte er. Deshalb sei es wichtig, das Unternehmen in der Volksrepublik strategisch neu auszurichten. 2018 war Diess als Konzernchef an etwa 20 Tagen in China. „Dieses Jahr will ich diese Zahl verdoppeln“, kündigte er mit Blick auf sein zusätzliches Amt als China-Vorstand an.

Ein Punkt steht dabei für Diess fest. „Volkswagen muss chinesischer werden“, wiederholte er mehrmals auf der Pressekonferenz. Bislang habe man überwiegend europäische Technik lokalisiert und nach China gebracht. Doch der Automarkt wandele sich gerade und werde bald mehr der Smartphone-Branche gleichen, bei der nicht nur Hardware, sondern auch Software eine wichtige Rolle spiele.

Volkswagen wolle sich zunutze machen, dass die IT-Branche in der Volksrepublik vergleichsweise weit entwickelt ist. Europa fehle es hingegen „teilweise an Fähigkeiten“. Daher wolle Volkswagen mehr Kapazitäten für Forschung und Entwicklung in China aufbauen.

Kooperationen mit chinesischen Technologiefirmen

Zudem seien weitere Kooperationen mit chinesischen Technologiefirmen geplant. „In Zukunft wollen wir zusammen mit chinesischen Unternehmen Autotechnik für den weltweiten Markt entwickeln“, versprach Diess. China bekomme damit eine wachsende Bedeutung innerhalb des gesamten Konzerns. Wichtige Neuentwicklungen könnten so aus China kommen – und würden zuerst in chinesischen Modellen getestet.

Heute spiele sich Innovation zunehmend direkt in China ab, wo Fähigkeiten etwa in der E-Mobilität oder bei selbstfahrenden Autos schon „weit entwickelt“ seien. Dies sei Folge eines klaren Plans der chinesischen Führung, das Land zu einem „internationalen Kraftzentrum der Autoindustrie“ zu entwickeln. Das klare Vorgehen der chinesischen Regierung schaffe Planungssicherheit für ein Unternehmen wie Volkswagen.

Vor allem mit den sogenannten New Energy Vehicles (NEV), also Autos mit alternativen Antrieben, will Volkswagen in den nächsten Jahren in China wachsen. Bisher hatte VW außer einigen wenigen importierten Fahrzeugen keine Elektroautos oder Hybride im Angebot.

2019 sollen nun hybride Geländewagen (SUV) und kleinere rein batteriegetriebene Elektroautos auf den Markt kommen. Mit seinen chinesischen Partnern hatte Volkswagen im vergangenen Jahr in China zwei neue Werke für Elektroautos in Betrieb genommen.

Bis 2025 sollen die NEV 15 Prozent des Gesamtabsatzes von Volkswagen in China ausmachen. „Wer unsere Hybride kauft und jeden Monat ungefähr 1000 Kilometer fährt, wird etwa 1000 Renminbi beim Benzin sparen können“, ergänzte der bisherige VW-China-Vorstand Jochem Heizmann. Umgerechnet sind das rund 130 Euro.

Während VW an den Erfolg seiner NEV-Strategie glaubt, ist John Zeng, Analyst bei LMC Automotive, skeptisch. „Je mehr herkömmliche Autos ein Hersteller verkauft, desto größer ist der Druck, auch NEV ins Programm zu nehmen“, sagt er. Doch die staatlichen Subventionen für NEV würden langsam zurückgefahren. Zeng rechnet damit, dass der chinesische Automarkt 2019 um ein bis 1,5 Prozent wächst.

„Volkswagen wird ein bisschen besser als der Durchschnitt sein, weil der Konzern dieses Jahr viele neue Modelle herausbringt“, betont er. Wichtig sei dabei, dass VW den lokalen Vorlieben entgegenkomme. Die japanischen Hersteller seien auch im zweiten Halbjahr, als die meisten Konkurrenten Probleme bekamen, kräftig gewachsen, weil sie benzinsparende Hybride und großräumige SUV wie den Toyota Highlander eingeführt hätten.

Herbert Diess wird den China-Posten nicht allein bewältigen müssen. Für das Tagesgeschäft steht ihm VW-Manager Stephan Wöllenstein als Chief Operating Officer (COO) zur Seite. Um auch 2019 wachsen zu können, sagte Wöllenstein am Montag in Peking, wolle man den Kundenstamm diversifizieren.

Ende Februar werde Volkswagen eine neue Untermarke aus dem Joint Venture mit First Automotive Works (FAW) vorstellen. Diese neuen Autos sollen Autofahrer im unteren Preissegment ansprechen. China, ergänzte der scheidende Vorstand Heizmann, sei beim Auto noch immer eine Wachstumsregion.

Die Grenze werde erst bei einem jährlichen Verkaufsvolumen von 30 Millionen Autos erreicht sein. Dann wäre für die neuen Volkswagen tatsächlich noch Platz.

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