VW-Dieselaffäre Urteil mit Signalwirkung

Erstmals ist ein VW-Manager in den USA wegen seiner Verfehlungen im Dieselskandal verurteilt worden. Verglichen mit der Gesamtaffäre wirkt seine Rolle eher überschaubar – und doch ist das Urteil härter als gefordert.
Update: 25.08.2017 - 18:58 Uhr 9 Kommentare
Das Gericht entschied sich für eine Haftstrafe von 40 Monaten sowie eine empfindliche Geldstafe. Quelle: AP
James Robert Liang

Das Gericht entschied sich für eine Haftstrafe von 40 Monaten sowie eine empfindliche Geldstafe.

(Foto: AP)

DetroitUngläubiges Schweigen im Gerichtssaal, selbst der Staatsanwalt wirkt konsterniert. Richter Sean Cox kennt beim ersten Urteil gegen einen VW-Mitarbeiter im Abgas-Skandal keine Gnade und geht deutlich über die Forderungen der Strafverfolger hinaus. Der Konzerningenieur James Liang muss für 40 Monate in Haft und 200 000 Dollar Strafe zahlen. Wie ein Häufchen Elend fällt er auf der Anklagebank in sich zusammen, die Ehefrau bricht hinter ihm in Tränen aus, daneben mit versteinerten Mienen die Töchter und der Sohn.

Mit dem ersten Urteil gegen einen VW-Mitarbeiter beginnt im Abgas-Skandal ein neues Kapitel. Nachdem Volkswagen die „Dieselgate“-Affäre auf Konzernebene mit Milliarden-Vergleichen zumindest in den USA weitgehend abhaken konnte, sollen dort nun die verantwortlichen Menschen zur Rechenschaft gezogen werden. Der Fall „Vereinigte Staaten von Amerika gegen James Robert Liang“ taugt dazu allerdings nur bedingt. Die Drahtzieher vermuten die Strafverfolger woanders, was Richter Cox jedoch wenig beeindruckt.

Die Staatsanwaltschaft hatte lediglich eine dreijährige Haftstrafe und 20 000 Dollar Bußgeld für den 63 Jahre alten Dieselexperten gefordert, der seine gesamte 35-jährige Berufskarriere lang für VW tätig war. Zugleich machte sie in ihrem Plädoyer deutlich, dass sie Liang nicht für das „Mastermind“ im Abgas-Skandal hält. „Er saß weder in den Vorstandsetagen von VW, wo die Betrugs-Software diskutiert wurde, noch hat er andere am kriminellen Komplott Beteiligte im Unternehmen angewiesen oder beaufsichtigt.“

Doch Richter Cox lässt sich davon nicht abhalten, er wollte ein Exempel mit hoher Abschreckungswirkung statuieren. „Sie waren eine Schlüsselfigur bei einem sehr ernsten und bedenklichen Verbrechen“, sagt er dem Angeklagten vor der Urteilsverkündung ins Gesicht. „Ich sehe Ihre Familie in der ersten Reihe und es fällt mir nicht leicht.“ Doch Liang und seine Mitverschwörer bei VW hätten mit ihren Vergehen das Vertrauen der US-Verbraucher und damit das Fundament der US-Wirtschaft unterminiert. Deshalb sei die harte Strafe nötig.

Liang hatte im September 2016 ein Geständnis abgelegt – rund ein Jahr, nachdem VW unter dem Druck der US-Umweltbehörden zugab, mit einer illegalen Software in großem Stil Abgastests von Dieselautos manipuliert zu haben. Seitdem kooperierte der von Justizbeamten als „sanftmütig und leise“ beschriebene Familienvater als eine Art Kronzeuge mit den US-Behörden. Liang habe wichtige Informationen geliefert, die bei den nächsten Schritten hilfreich gewesen seien, sagten die Ermittler. Deshalb lag die von ihnen geforderte Strafe auch deutlich unter dem theoretisch möglichen gesetzlichen Höchstmaß von sieben Jahren Haft und einer Geldbuße bis zu 400.000 Dollar.

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9 Kommentare zu "VW-Dieselaffäre : Urteil mit Signalwirkung"

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  • Ich glaube, sogar beim Handelsblatt schämt man sich mittlerweile für das sinnfreie Geblubber der Frau Navidi. Deshalb wohl das Sperren der Kommentarfunktion.

  • Enrico Caruso@Richtig ein Demokratie-Defizit ersten Ranges.

  • Das Gericht hat wohl das Gangster Umfeld als mildernd gewertet Wer sein ganzes
    Leben in einem kriminellen System verbringt ist doch so sozialisiert. Selbst Stubenfliegen haben da keine Chance.

  • Wieso darf man hier eigentlich nicht mehr den haarsträubenden Unsinn, den Frau Navidi, die sprechende Barbiepuppe, verzapft, kommentieren?

  • Eine milde Strafe. In Deutschland wäre er allerdings komplett straffrei geblieben und hätte sofort zu einem anderen Arbeitgeber wechseln können.

  • Die USA bekommen alle EU-Gangster hundert pro.

  • Danke Herr Weil (Ministerpräsidentvon Niedersachsen), dafür tragen sie die persönliche Mitverantwortung, dass es so weit gekommen ist.

    Als Piech sich beim korrupten Winterkorn "auf Distanz" ging, haben wir alle gewusst, dass Winterkorn Scheiße gebaut hat. wie von Herrn Dr. Piech angeregt, hätte man den Chaoten Winterkorn SOFORT ersetzen müssen.

    Aber sie Herr Weil haben mit dem korrupten Osterloh (BR von Volkswagen und Zögling vom BR Volkert) das verhindert. Herr Weil, sie und Herr Osterloh tragen die persönlich Verantwortung dafür, dass es erst zur Diesel-Affäre kommen musste.

    Können sie in der Nacht noch schlafen ?

  • Ich würde es begrüßen, wenn Winterkorn den Verurteilten im USA-Gefängnis besuchen würde.

  • Wo Herr Trump regiert gehen Gangster in den Knast anders als in der EU, da bekommen sie ein Amt.

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