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VW-Dieselskandal Entwicklungsdienstleister IAV bekommt einen US-Kontrolleur

Der Autodienstleister hat an der Software mitgearbeitet, mit der die Dieselmanipulationen bei Volkswagen erst möglich wurden. Nun wird er beaufsichtigt.
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Die VW-Tochter IAV bekommt nun einen Kontrolleur aus den USA. Quelle: dpa
Volkswagen-Tochter

Die VW-Tochter IAV bekommt nun einen Kontrolleur aus den USA.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWegen der vom Volkswagen-Konzern ausgelösten Dieselaffäre bekommt das nächste deutsche Unternehmen einen Kontrolleur aus den USA. Wie dazu aus Konzernkreisen verlautete, hat der Berliner Entwicklungsdienstleister IAV bereits eine Liste möglicher Kandidaten für den Posten des Monitors vorgelegt. In enger Abstimmung mit der US-Justiz muss der Posten spätestens bis Mai besetzt werden.

IAV ist ein Unternehmen mit  7000 Mitarbeitern und rund 800 Millionen Euro Jahresumsatz, das Entwicklungsaufträge aus der Automobilindustrie übernimmt. Der Dienstleister und Volkswagen sind eng miteinander verbunden, der Autohersteller ist mit 50 Prozent der wichtigste Anteilseigner von IAV. Der VW-Konzern ist zugleich der größte Kunde des Berliner Automobilzulieferers.

Die enge Verbindung zu Volkswagen ist IAV in der Dieselaffäre zum Verhängnis geworden. Vor gut zehn Jahren hatten Techniker des Entwicklungsdienstleisters an der Software mitgearbeitet, mit der Fahrzeuge von VW manipuliert worden waren. Im Zuge der Ermittlungen gegen den Volkswagen-Konzern war die US-Justiz auf IAV aufmerksam geworden.

Schon im Schuldeingeständnis des VW-Konzerns von Anfang 2017 („Statement of Facts“) tauchte das Entwicklungsunternehmen unter der Bezeichnung „Company A“ auf. IAV stand früh im Verdacht, an der Entwicklung der manipulierten Dieselmotoren beteiligt gewesen zu sein.

Anfang vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass IAV mit dem US-Justizministerium ähnlich wie Volkswagen über einen Vergleich verhandelt, der ein Schuldeingeständnis einschließt. Kurz vor Weihnachten war es so weit: Die IAV-Anwälte hatten mit der Behörde aus Washington ein sogenanntes Plea Agreement ausgehandelt.

In der Vereinbarung mit der US-Justiz wurde IAV im Zusammenhang mit dem Dieselbetrug eine geringfügige Schuld zugeschrieben („minor role“). Zugleich verpflichtete sich der VW-Partner zur Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 35 Millionen Dollar. IAV sicherte ebenfalls zu, dass das Unternehmen für zwei Jahre einen Monitor aufnimmt. Dessen Kontrolle soll dazu beitragen, dass es ähnliche Verstöße wie im Dieselskandal nicht mehr geben wird.

IAV wollte sich zum aktuellen Stand der Gespräche mit der US-Justiz nicht äußern. „Kein Kommentar“, sagte ein IAV-Sprecher. In Unternehmenskreisen gilt es allerdings als sicher, dass der Dienstleister den Monitorposten bis zum Frühjahr besetzen wird. Durch das Schuldeingeständnis ist IAV dazu gezwungen, sich an die Vorgaben aus den USA zu halten.

Zunächst nur zwei Jahre

Auch bei Volkswagen war ein Monitor eingesetzt worden. Der bekannte Jurist und frühere stellvertretende US-Justizminister Larry Thompson kontrolliert den Autohersteller seit Sommer 2017. Volkswagen muss diese Kontrolle drei Jahre über sich ergehen lassen. Sollte Thompson keine entscheidenden Verbesserungen in Wolfsburg erkennen, könnte er sogar ein viertes Jahr bleiben.

Die Amtszeit bei IAV ist hingegen zunächst auf zwei Jahre beschränkt. Der Unterschied ergibt sich aus der geringfügigen Schuld im Zusammenhang mit der Dieselaffäre. Die US-Justiz gibt sich deshalb mit der kürzeren Monitor-Laufzeit zufrieden.
Die enge Verflechtung zwischen Volkswagen und IAV besteht nicht nur im täglichen Geschäft, sondern auch auf personeller Ebene. Der Wolfsburger Konzern stellt traditionell den Aufsichtsratsvorsitzenden.

Bis zum Jahresende war das noch Ulrich Eichhorn, zu diesem Zeitpunkt Entwicklungschef bei VW. Zum 1. Januar wechselte Eichhorn dann als Vorsitzender der Geschäftsführung zu IAV nach Berlin. Wegen der Verflechtung mit VW muss der Autozulieferer voraussichtlich keine juristischen Konsequenzen des Autoherstellers im Zusammenhang mit der Dieselaffäre befürchten.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Volkswagen möglicherweise Schadensersatz vom Stuttgarter Zulieferer Bosch verlangen wird. Bosch war wie IAV an der Erstellung der Software für die manipulierten Dieselfahrzeuge beteiligt. „Bei IAV wäre so etwas wenig sinnvoll“, sagte ein Konzerninsider, „das wäre so etwas wie von der linken in die rechte Tasche.“

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