VW im Streit Markenchef Diess geht nach Zwist auf den Betriebsrat zu

Der VW-Markenchef will die Produktivität steigern, doch die Angestellten fürchten um Arbeitsplätze: Im Streit mit Betriebsratschef Bernd Osterloh findet Herbert Diess versöhnliche Worte. Feste Zusagen vermeidet er aber.
Markenchef Herbert Diess (l.) zeigt Verständnis für die „Nervosität der Angestellten“, will Betriebsratschef Bernd Osterloh (r.) aber keine Versprechen machen. Quelle: dpa
Unterschiedliche Ansichten

Markenchef Herbert Diess (l.) zeigt Verständnis für die „Nervosität der Angestellten“, will Betriebsratschef Bernd Osterloh (r.) aber keine Versprechen machen.

(Foto: dpa)

PekingVW-Markenchef Herbert Diess geht nach der scharfen Kritik von Betriebsratschef Bernd Osterloh an seinen Umbauplänen auf die Arbeitnehmer zu. Er machte jedoch keine Abstriche an seinem Sparkurs. Volkswagen habe einen großen Bedarf an Wandlung, betonte der frühere BMW-Manager am Sonntag am Rande einer VW-Veranstaltung im Vorfeld der Automesse in Peking. „Das führt an der einen oder anderen Stelle zu einer hohen Nervosität der Arbeitnehmerschaft. Damit müssen wir umgehen.“ Er stellte Veränderungen in seiner Kommunikation mit den Mitarbeitern in Aussicht. „Aber ich glaube, dass wir gut unterwegs sind in dem Wandel.“

Der VW-Markenchef zeigte sich optimistisch, dass er die Arbeitnehmer für den Umbau gewinnen könne. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sein Zwöf-Punkte-Programm zur Effizienzsteigerung eine zentrale Rolle in den angekündigten Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Zukunftspakt spielen werde.

Osterloh hatte Diess vorgeworfen, die Arbeitnehmer sowie Teile des Managements nicht frühzeitig in seine Pläne einzubeziehen und ohne ihre Zustimmung Fakten zu schaffen. Einen vorläufigen Höhepunkt nahm der Streit, als der Betriebsratschef in einem Brief ein „gravierendes Vertrauensproblem“ zwischen dem Vorstand der Marke VW Pkw und dem Betriebsrat anprangerte. Dabei sprach Osterloh den Eindruck aus, dass der Diesel-Skandal hinterrücks dazu genutzt werden solle, personelle Einschnitte vorzunehmen, von denen bis vor wenigen Monaten nicht die Rede gewesen sei. „Vertrauen kann man nicht verordnen, Vertrauen muss man sich Tag für Tag erarbeiten“, schrieb Osterloh.

Diener vieler Herren
Wolfgang Porsche
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Als Aufsichtsratsvorsitzender der Familienholding Porsche SE vertritt er die Interessen der beiden Sippen Porsche und Piëch. Ohne und gegen sie läuft nichts bei Volkswagen.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)
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Er vertritt den Großaktionär Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat und sorgt sich vor allem um die Arbeitsplätze in seinem Land.

US-Justizministerin Loretta Lynch
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Die unbarmherzige Chefermittlerin hat schon Fifa-Chef Sepp Blatter zur Strecke gebracht – und zieht mit ihrer Klage gegen Volkswagen auch die Schlinge um Müllers Hals noch ein Stück enger.

VW-Markenchef Herbert Diess
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Unbelastet vom Abgasskandal steht der ehemalige BMW-Manager als Kronprinz für die Konzernspitze bereit, wenn Müller scheitern sollte.

Gina McCarthy, Chefin der US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA)
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Ihre Mitarbeiter fühlen sich von Volkswagen in der Dieselaffäre hingehalten und verschaukelt. Schon deshalb will sie VW nicht zu leicht davonkommen lassen.

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh
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Mächtiger Statthalter der IG Metall in Wolfsburg.

Patriarch Ferdinand Piëch
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Offiziell hat der langjährige Konzernlenker und Großaktionär kaum noch Einfluss bei Volkswagen – aber was heißt das schon bei einem wie Piëch?

Der Streit mit dem mächtigen Betriebsat hatte Spekulationen über Diess’ Zukunft bei VW geschürt. Von Reuters gefragt, ob auf dem Absprung sei, antwortete der 57-Jährige: „Nein“. Diess soll die ertragsschwache Marke VW auf Kurs bringen. Dazu will er die Produktivität um zehn Prozent steigern. Der Betriebsrat befürchtet deswegen, dass tausende Stellen in Gefahr geraten. Unlängst sickerte durch, dass mehr als 3000 Bürostellen wegfallen sollen. Die Mitarbeiter sollen in anderen Bereichen unterkommen oder früher in den Ruhestand gehen. Zudem sollen freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Bei VW in Westdeutschland arbeiten mehr als 100.000 Menschen.

  • rtr
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