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VW in Amerika Mit Vollgas gegen die Wand

VW nach dem Winterkorn-Rücktritt: Die Marke kämpft in den USA ums Überleben. Doch es kann auch wieder aufwärts gehen für das gebeutelte Unternehmen. Amerika liebt den Underdog, der sich zurück nach oben boxt. Nur wie?
Abgas-Skandal: Wie geht es bei Volkswagen weiter? Quelle: ap
Volkswagen

Abgas-Skandal: Wie geht es bei Volkswagen weiter?

(Foto: ap)

San FranciscoPeter De Lorenzo hat es kommen sehen: „VW-Boss tut es ehrlich leid, was da passiert ist. Aber zurücktreten will er nicht. Das wollen wir doch einfach mal sehen“, twitterte er am Dienstag. Am Mittwoch hatte der frühere Automanager aus Detroit und bekannteste Wutblogger der Branche bereits Recht behalten. Martin Winterkorn teilte mit, er werde den Posten als VW-Vorstandschef aufgeben. Am Freitag dürfte es bereits einen Nachfolger geben.
Amerika ist nicht arm an Skandalen wenn es um die Autoindustrie geht. Da gibt es sind Vorfälle, die teilweise über viele Jahre liefen und sogar Menschenleben gekostet haben. Trotzdem hat der aktuelle VW-Umweltskandal mit manipulierten Messwerten bei Diesel-Fahrzeugen eine ganz besondere Wucht hier entwickelt.
Unter #BuybackmyTDI rotten sich auf Twitter wütende Kunden zusammen. „Diesel Gate„ läuft auf allen großen TV Sendern rauf und runter, nicht ohne eine unverkennbare Prise „Schadenfreude“, eines der wenigen deutschen Wörter, die es in den US-Sprachgebrauch geschafft haben.

Kampagne: „Lass VW zahlen“

Andere sind nur enttäuscht, so wie Laurie Dewan auf Twitter: „Was habe ich meinen Jetta geliebt! Jetzt will ich ihn gar nicht mehr fahren. VW: Wann werdet ihr uns Besitzer kontaktieren?“
Die Verbraucherorganisation US PIRG hat am Mittwoch eine Kampagne mit dem Slogan „Lass VW zahlen“ aufgesetzt. Sie fordert den Rückkauf aller betroffenen Fahrzeuge in den USA. VW hätte Produkte verkauft, die klar nicht den beworbenen Eigenschaften entsprochen hätten.
Im Verkaufsraum von VW of San Francisco an der Van Ness Avenue in der Stadtmitte war bei einer Stippvisite kaum etwas los. Rund 20 Prozent des US-Umsatzes werden mit Diesel und dem Versprechen, unschlagbare Treibstoffeffizienz gepaart mit höchster Fahrleistung zu bieten, erzielt. Das ist jetzt vorbei.
Die 2015er Lagerbestände dürfen bis auf Weiteres nicht mehr verkauft werden. Die 2016er Selbstzünder wandern direkt auf die hintersten Parkplätze.

„Schlimmster Unternehmens-Skandal in der Geschichte“
„The Times“ (Großbritannien)
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In Großbritannien kommentiert die „Times“ die Manipulationen der Diesel-Abgaswerte bei VW: „Die Krise bei VW ist zweifellos ein Paradebeispiel für den Preis des Betrugs. Dem Autobauer droht eine Strafe von 18 Milliarden US-Dollar wegen manipulierter Abgasmessungen bei Diesel-Fahrzeugen. Es ist der schlimmste Unternehmens-Skandal in der Geschichte des modernen Deutschlands, und er könnte das Ende für die Produktion von Diesel-Fahrzeugen als Massenprodukt einläuten. Unmittelbar ist der Skandal ein schwerer Schlag für einen zentralen Pfeiler der stärksten Wirtschaftsmacht Europas.“

(Foto: Screenshot)
„Guardian“ (Großbritannien)
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Der „Guardian“ aus London schreibt: „Die Politik sollte eigentlich die Umwelt schützen, und nicht die Geschäfte der Industrie unterstützen. Es waren amerikanische, und nicht europäische Kontrolleure, die VW erwischt haben. Es ist vorstellbar, dass Behörden die Abgaswerte, die von den Fahrzeugen wichtiger nationaler Unternehmen stammen, nicht zu streng prüfen wollen. Wenn die Messungen von Umweltverschmutzung so leicht arrangiert werden können, dann können auch politische und kommerzielle Vorgaben verzerrt werden. Wenn verantwortungslose Methoden von den Finanzmärkten auf die Prüfung von Umweltdaten und Produkten für Verbraucher übergreifen, dann sollte die Welt sehr besorgt sein.“

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„La Repubblica“ (Italien)
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Auch in Italien schlägt der Skandal riesige Wellen: „Der weltweite Betrug des Autos“ titelt die italienische Tageszeitung „La Repubblica”. Sie widmet die ersten sechs Seiten dem Thema Volkswagen und hat ihren Berliner Korrespondenten für eine Reportage nach Wolfsburg geschickt, der die gedrückte Stimmung in der Autostadt beschreibt. „Ein deutsches Unternehmen. Mit einem starken öffentlichen Aktionär. Mit der Gewerkschaft in der Führung. Mit seinem enormen Ausmaß hat der VW-Betrug 360 Grad-Auswirkungen. Das Debakel trifft nicht nur das angeklagte Management. Es betrifft das gesamte System Deutschland, inklusive die Regierung, das vielleicht bescheid wusste“, kommentiert „La Repubblica“.

(Foto: Screenshot)
„Corriere della Sera“ (Italien)
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„Der Volkswagen-Skandal weitet sich aus – Merkel wusste es“ titelt der „Corriere della Sera“.

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„Il Giornale“ (Italien)
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„Das Dieselgate ergreift Berlin“ beschreibt die Zeitung „Il Giornale“ die Lage.

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„Le Monde“ (Frankreich)
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Die französische Tageszeitung „Le Monde“ kommentiert: „Die für Mittwoch dringend einberufene Sitzung des Volkswagen-Präsidiums dürfte für VW-Chef Martin Winterkorn ungemütlich werden. Doch diese Affäre geht weit über Volkswagen hinaus. Sie beschädigt das Image der Europäer, die gerne Lektionen erteilen und sich rühmen, Vorreiter im Kampf gegen die Umweltverschmutzung und gegen die Klimaerwärmung zu sein. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Europäer, die bei ihren laufenden Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen immer wieder die Überlegenheit ihrer Industrienormen rühmen. Die Affäre diskreditiert das Engagement der Industrie und der Wissenschaftler. Sie betrifft keineswegs einzig und allen den deutschen Autobauer. Das macht sie noch unverzeihlicher.“

(Foto: Screenshot)
„Le Point“ (Frankreich)
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„Le Point“ aus Frankreich kommentiert die Erklärung von Renault und Peugeot, sie würden mit ihren Dieselautos alle Zulassungsbestimmungen einhalten: „Klarer geht es nicht, kein französisches Auto überschreitet die Grenze zwischen der Optimierung des Motors und Betrügereien bei Tests. Damit behalten sie das letzte Wort, sind wohl noch etwas erschreckt von dem Gewitter und froh darüber, verschont geblieben zu sein, aber auch darüber, dass der arrogante Hersteller von "Das Auto" gerüffelt wird.“

(Foto: Screenshot)

„Es ist diese Eskalation“, so Dirk Ziems vom Marktforschungsinstitut Concept m gegenüber Handelsblatt Online, die die Käufer verärgere. Die Markenberater aus Köln mit einen Büro in Los Angeles haben gerade eine Studie über amerikanische VW-Käufer erstellt.
Bei Toyota und den spektakulären Fällen der unbeabsichtigten Beschleunigung war es ein Konstruktionsfehler, der von Management und PR vertuscht und kleingeredet werden sollte, so Ziems. Es war unschön, teuer für Toyota, aber ein Fehler.
Selbst die Zündschlösser bei GM, die über hundert Menschenleben gefordert hatten, waren nicht absichtlich kaputt eingebaut worden, betont er. Es stellte sich im Zuge der Ermittlungen heraus, dass mangelnde Kommunikation, Feigheit, bürokratische Arroganz, dilettantische Reparaturversuche, falschverstandenes Machtgehabe und fehlende Zuständigkeiten, die jahrelange Vertuschung ermöglichten.

Verärgerung und Fassungslosigkeit
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