VW in den USA Der amerikanische Albtraum

GM, Ford und Fiat-Chrysler bauen 2015 ihre Dominanz auf dem Heimatmarkt aus. Auch die Japaner haben ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Für VW geht es nach Dieselgate nur noch um Schadensbegrenzung.
Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

DüsseldorfEs wird keine leichte Reise für den neuen VW-Konzernchef Matthias Müller. Vor seinem ersten großen öffentlichen Auftritt bei der Autoshow in Detroit stehen die Zeichen in den USA auf Sturm. Die US-Behörden haben wegen der Dieselmanipulationen Klage eingereicht, drohen mit Milliardenstrafen. Und auch beim Absatz fällt VW in den USA immer weiter zurück. Das Vertrauen der Amerikaner scheint dahin.

Im Dezember hat Volkswagen in den USA mit seiner Kernmarke erneut einen deutlichen Absatzrückgang hinnehmen müssen. Um satte neun Prozent gingen die Verkäufe zurück. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird für die Wolfsburger mehr und mehr zum amerikanischen Albtraum. Über das Jahr gesehen hat VW nicht nur fünf Prozent weniger Autos verkauft. Da alle anderen wachsen, haben die Wolfsburger deutlich Marktanteile eingebüßt.

Denn die wichtigen Modelle Golf, Beetle und Jetta schwächeln weiter. Und auch der Passat, dessen jüngste Auflage kurz nach dem Ausbruch des Dieselskandals im September präsentiert wurde, hat sich im Dezember nicht mal halb so oft verkauft wie noch im Vorjahr. Da nützt auch der Absatzrekord des Tiguan und das deutliche Plus des Golf GTI wenig. Allein Audi hebt den Konzern insgesamt auf ein leichtes Plus von 0,5 Prozent. Die Premiummarke konnte den Jahresabsatz um 11 Prozent und rund 202.000 Fahrzeuge steigern. Mit rund 555.000 verkauften Fahrzeugen bleibt der deutsche Autoriese in den USA ein Zwerg, und verkauft weniger Fahrzeuge als Kia und Subaru.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Modellen hat deutliche Spuren hinterlassen. Insbesondere weil der Clean Diesel, den die Wolfsburger in den USA jahrelang vollmundig beworben hatten, mittlerweile zum Ladenhüter geworden ist. „Volkswagens Abgas-Skandal hat dem Diesel in den USA den Garaus gemacht. Die können alle Diesel einpacken, und zwar auch bei Audi und Porsche“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen.

Seiner Meinung nach stellt sich für die VW-Kernmarke in den Staaten längst die Zukunftsfrage. Wegen einer verfehlten Modellpolitik hatte sich VW in den USA schon vor Ausbruch des Skandals schwergetan. Mittlerweile sei auch die Glaubwürdigkeit dahin. Die Klage des Justizministeriums gegen den deutschen Autobauer – eingereicht kurz vor der wichtigen Automesse in Detroit – dürfte derzeit jeden Optimismus im Keim ersticken.

Auch die deutschen Premiumautobauer BMW und Daimler können ihren Absatz in den USA nur leicht steigern. Mit rund 346.000 verkauften Autos im Jahr 2015 legt BMW etwa 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Daimler schwächelte vor allem im Dezember. In diesem Monat stagnierte die Kernmarke im Vergleich zum Vorjahr - trotz zwei Verkaufstagen mehr. Auf das Jahr gesehen bleibt ein Plus von 3,8 Prozent auf rund 380.500 Autos - was Daimler vor allem der neuen C-Klasse zu verdanken hat. Nahezu alle anderen Modelle verkauften sich schlechter als im Vorjahr.

Dabei ist der US-Automarkt derzeit eigentlich auf Wachstum gepolt. Die Finanzierungsbedingungen sind günstig, die Konjunktur robust, die Spritpreise so günstig wie nie. Landesweit wurden nach Angaben von Motor Intelligence 17,4 Millionen Autos verkauft, damit würde der Markt wieder das Rekordniveau aus dem Jahr 2000 erreichen.

Vor allem große Fahrzeuge sind in den USA derzeit gefragt wie nie. Bei General Motors ist es die Submarke GMC, bekannt für ihre dicken SUVs und Vans, die über das Jahr gesehen den höchsten Zuwachs erzielt. Riesen wie der Chevrolet Silverado und GMC Sierra verkaufen sich blendend. Fiat-Chrysler hat sein starkes Wachstum vor allem dem Erfolg der Geländewagenmarke Jeep zu verdanken. Neben dem Cherokee entwickelt sich auch der kompakte Renegade in den USA zum Bestseller. Ford profitiert von der starken Nachfrage des neuen F-150. Der Pick-up ist das derzeit das meistverkaufte Auto der USA.

Die drei US-Autoriesen General Motors (GM), Ford und Fiat-Chrysler, die "Big Three", legen damit auf dem Heimatmarkt deutlich zu. Mit 3,1 Millionen verkauften Fahrzeugen ist Opel-Mutter GM weiterhin Marktführer und kann den Absatz im Jahr 2015 um fünf Prozent steigern. Ford landet mit 2,6 Millionen Fahrzeugen und einem Plus von 5,3 Prozent dahinter. Und Fiat-Chrysler (FCA) kann den Abstand zur Spitze mit einem Plus von 7,3 Prozent auf 2,25 Millionen Fahrzeuge weiter verkürzen – im Dezember sogar um 13 Prozent. Ein Rekord für die Italo-Amerikaner.

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