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VW Jetta Volkswagen will mit neuer Marke in China gewinnen

China ist unverzichtbar für VW: Der Autobauer will dort auch das Einstiegssegment besetzen – und dafür den Jetta vom Modell zur eigenständigen Marke ausbauen.
Update: 26.02.2019 - 15:55 Uhr Kommentieren
Vom Modell zur Marke: So will VW den chinesischen Markt erobern. Quelle: Reuters
Volkswagens Jetta

Vom Modell zur Marke: So will VW den chinesischen Markt erobern.

(Foto: Reuters)

WolfsburgEs sind ungewöhnliche Zeiten für die Autohersteller in China. In den zurückliegenden 20 Jahren zeigten die Verkaufszahlen in der Volksrepublik nur nach oben, das Wachstum schien unaufhaltsam. Rekordjahr war 2009, als die Pkw-Verkäufe um 53 Prozent nach oben schnellten. Danach ging es zwar etwas gemächlicher zu. Auch 2016 war mit einem Plus von 15 Prozent im Vergleich zu den gesättigten Automärkten in den Industrieländern ein herausragendes Jahr.

Doch auf einmal hat sich der Markt gedreht: 2018 gab es nach zwei Jahrzehnten zum ersten Mal wieder ein Verkaufsminus in China. Der Rückgang liegt bei gut vier Prozent, der gesamte Markt ist unter die Grenze von 24 Millionen Fahrzeugen gerutscht.

Chinesische Kunden sind wegen des Handelskonfliktes mit den USA zurückhaltender geworden. Außerdem hat die private Verschuldung deutlich zugenommen, was für weniger Spielraum beim Autokauf sorgt. Erstmals spüren die Fahrzeughersteller die Grenzen des Wachstums in China.

In dieser Situation versucht der Volkswagen-Konzern etwas völlig Neues: Nach VW, Skoda, Audi und Porsche bringen die Wolfsburger jetzt eine weitere Pkw-Marke nach China. Besser gesagt: Volkswagen kreiert eine zusätzliche neue Marke speziell für den chinesischen Markt. „Jetta“ soll voraussichtlich im Herbst in China als neue Marke im Einstiegssegment antreten. Nicht als einzelnes Modell, sondern tatsächlich als eigene Marke. Zum Marktstart sind zunächst eine Limousine und zwei SUV geplant.

„Mit Jetta schließen wir in China die Lücke zwischen der etablierten Leitmarke VW im oberen Volumensegment und dem Einstiegsbereich, der etwa ein Drittel des chinesischen Marktes ausmacht und vor allem von lokalen Marken bedient wird“, sagte am Dienstag in Wolfsburg Jürgen Stackmann, Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen.

In China habe der Jetta für Volkswagen bislang als Modell eine äußerst wichtige Rolle gespielt. Seine Bedeutung in der Volksrepublik sei mit der des Käfers in Deutschland vergleichbar: Der Jetta habe Mobilität für die Masse gebracht, entwickelt von Volkswagen und in China produziert.

Die Volksrepublik sei sozusagen vom Jetta auf „vier Räder gestellt“ worden. „Bis heute ist er eines der populärsten Volkswagen-Modelle in China – eine echte Ikone“, sagte Stackmann. Deshalb werde jetzt erstmals in der VW-Geschichte ein einzelnes Modell zur Marke mit einer eigenen Modell- und Markenfamilie.

Trotz der aktuellen Marktschwäche in der Volksrepublik sieht der Wolfsburger Autokonzern kein Ende des Wachstums auf dem chinesischen Fahrzeugmarkt, die Lage werde sich wieder stabilisieren. Mit der neuen Marke Jetta verspricht sich der Konzern gute Verkaufschancen in den vielen Millionenstädten weiter westlich des Küstengürtels zwischen Peking und Schanghai. Während in Westeuropa etwa 650 Autos auf 1000 Einwohner kämen, liege der Wert in den chinesischen Millionenstädten noch unter 100. Das zeige das weiterhin bestehende Absatzpotenzial.

Jetta soll das Einstiegssegment besetzen

Volkswagen will mit „Jetta“ vor allem jüngere Kunden im Alter zwischen 25 und 35 ansprechen, die sich zum ersten Mal für den Kauf eines Fahrzeugs entscheiden. „Die Kunden in China haben ein deutlich geringeres Monatseinkommen und kaufen Autos mit einem Durchschnittspreis von 21.000 Euro – das sind bis zu 10.000 Euro weniger, als Europäer und Amerikaner zahlen“, ergänzte Stackmann.

Das Einstiegssegment für jüngere Kunden werde bislang vor allem von lokalen chinesischen Marken bedient, der VW-Konzern habe dieses Potenzial noch nicht ausgeschöpft. „Insgesamt wird aktuell ein Drittel aller Pkw in China im Einstiegssegment verkauft“, betonte der VW-Vorstand. Die Marke Volkswagen ist auf dem chinesischen Automarkt etwas höher positioniert und reicht teilweise schon an Premiummarken wie Audi und Mercedes heran – und wird entsprechend teurer verkauft.

Volkswagen vermeidet bei „Jetta“ ausdrücklich den Begriff der Billigmarke. Der Wolfsburger Konzern wolle die neuen Modelle beim Preis zwischen den chinesischen Einsteigerautos und der eigenen Marke Volkswagen platzieren. „Wir werden die neue Marke bewusst über den üblichen Einstiegspreisen von durchschnittlich 5000 bis 6000 Euro positionieren“, sagte Stackmann. Die Autos der neuen Marke dürften um die 10.000 Euro kosten.

„Jetta“ bekomme zudem ein eigenes Händlernetz, zum Verkaufsstart im Herbst soll es in der Volksrepublik etwa 200 Handelsbetriebe für die neue Marke geben. Genaue Stückzahlen nannte Stackmann noch nicht, die Marke „Jetta“ solle aber jährlich ein sechsstelliges Verkaufsvolumen erreichen. An einen Export sei nicht gedacht.

Branchenexperten unterstützen Volkswagen auf diesem Kurs, in China stünden die Zeichen dauerhaft auf Wachstum. „Wenngleich die Handelskonflikte auch im laufenden Jahr 2019 noch zunehmen könnten, rechnen wir für den chinesischen Automobilmarkt nicht mit einem zweiten Jahr in Folge mit rückläufigen Absatzzahlen“, unterstreicht Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover.

Sollte sich in den ersten Monaten dieses Jahres eine Fortsetzung der Kaufzurückhaltung zeigen, dürfte der Staat mit einer Absenkung der Kaufsteuer den Absatz fördern. Steuersenkungen für Autokäufer sind in China eine bewährte Methode, um den Verkauf anzukurbeln.

Ganz ohne China ist Volkswagen schon heute nicht mehr vorstellbar. Mehr als 40 Prozent seines gesamten weltweiten Fahrzeugabsatzes (2018: 10,8 Millionen) verbucht der Wolfsburger Autokonzern allein in der Volksrepublik. Kein anderer Automarkt in der Welt erreicht nur annähernd das Niveau von China. Zum Vergleich: Auf dem Heimatmarkt in Deutschland hat der VW-Konzern im vergangenen Jahr knapp 1,3 Millionen Fahrzeuge verkaufen können, das sind etwa zwölf Prozent des weltweiten Absatzvolumens. „Eigentlich ist Volkswagen ein chinesischer Hersteller geworden“, sagt Autoexperte Schwope.

Hohe Umsatzrendite in China

China ist auch unter Ertragsaspekten unverzichtbar für Volkswagen geworden. Etwa 20 Prozent des operativen Gewinns kommen inzwischen aus der Volksrepublik, 2017 hatten die chinesischen Tochtergesellschaften rund 3,6 Milliarden Euro an Dividende nach Wolfsburg überwiesen. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, ist auch im vergangenen Jahr ein Betrag in ähnlicher Größenordnung nach Deutschland geflossen. Vom operativen Konzerngewinn des Jahres 2018 in Höhe von 17,1 Milliarden Euro sind rund 4,6 Milliarden aus China gekommen.

Volkswagen produziert den überwiegenden Teil der in China verkauften Autos mit lokalen Partnern in eigenen Fabriken in der Volksrepublik. Im vergangenen waren das wieder etwa vier Millionen Autos. Nur die teuren Luxusmodelle von Porsche, Audi und Bentley werden überhaupt noch nach China exportiert. Die Fabriken in China arbeiten extrem effizient und produktiv: Sie kommen auf eine Umsatzrendite von mehr als zwölf Prozent. 2018 lag die operative Marge im gesamten Konzern dagegen gerade einmal bei knapp sechs Prozent.

VW: Volkswagen will mit „Jetta“ Käufer in China gewinnen Quelle: dpa
Volkswagen in China

Der Autokonzern will künftig mit einer neuen Marke um junge Kunden werben.

(Foto: dpa)

Als sich Volkwagen vor mehr als 35 Jahren für den Einstieg auf dem chinesischen Automarkt entschied, wurden die Wolfsburger dafür von den meisten westlichen Konkurrenten belächelt. Die Volksrepublik galt als rückständig und wenig zukunftsträchtig. Kaum jemand konnte sich Mitte der 80er-Jahre vorstellen, dass die chinesische Volkswirtschaft einen kometenhaften Aufstieg vor sich haben würde.

Für Volkswagen hat sich die Entscheidung gelohnt. Der deutsche Autokonzern ist mit einem Anteil von gut 18 Prozent Marktführer in der Volksrepublik. Andere ausländische Hersteller sind nach und nach gefolgt – auch die Konkurrenten mussten einsehen, dass der größte Automarkt der Welt mit jährlich rund 24 Millionen Pkw-Neuzulassungen gute Chancen bietet.

Volkswagen betreibt heute 33 Fabriken in der Volksrepublik, jährlich werden dort etwa vier Milliarden Euro investiert. In Wolfsburg hat noch niemand genau nachgerechnet: Aber nach heutigen Preisen dürfte der VW-Konzern in den zurückliegenden Jahrzehnten insgesamt etwa 100 Milliarden Euro investiert haben.

In langfristig strategischer Sicht ist China noch aus einem anderen Grund extrem wichtig für den Volkswagen-Konzern. Die Volksrepublik drängt wie kaum ein anderes Land in der Welt auf einen schnellen Ausbau der Elektroflotte. Bis zum Jahr 2020 sollen in der Volksrepublik jährlich etwa zwei Millionen elektrifizierte Fahrzeuge verkauft werden, also gut acht Prozent der Neuzulassungen.

Als Marktführer will sich Volkswagen davon entsprechend ein Stück vom Kuchen abschneiden – und treibt selbst den Ausbau der Elektromobilität voran. Auch bei der Marke „Jetta“ seien Elektroantriebe möglich, der VW-Konzern beginne aber mit konventionellen Motoren, so Vertriebsvorstand Stackmann.

Mehr: Für ihr Wachstum setzen deutsche Firmen voll auf China. Doch dort bricht die Konjunktur ein. Die Konzerne geraten in die Mühlen des Handelsstreits zwischen China und den USA. Alles zum China-Dilemma.

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