Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Audi

Einem angeklagten Quartett von Ex-Audi-Führungskräften drohen in den USA harte Strafen.

(Foto: dpa)

VW-Konzern US-Behörden klagen vier frühere Audi-Führungskräfte im Dieselskandal an

Den Managern wird Verschwörung, Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze vorgeworfen. Unter den Angeklagten ist auch ehemaliges Vorstandsmitglied.
Update: 20.01.2019 - 19:43 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Die US-Justizbehörden wollen im Dieselskandal des Volkswagen-Konzerns jetzt auch frühere Führungskräfte von Audi zur Verantwortung ziehen. Eine Grand Jury im Bundesstaat Michigan hat Anklage gegen vier Manager erhoben, darunter der Ex-Vorstand Stefan Knirsch sowie der ehemalige Chef der Dieselmotorenentwicklung, Richard Bauder.

Dem Quartett wird in zwölf Fällen Verschwörung, Betrug und Verstöße gegen amerikanische Umweltgesetze vorgeworfen. Laut Anklageschrift sollen sie Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen sein, bei der durch gezielte Manipulation von Emissionstests gegen US-Umweltgesetze verstoßen und Betrug an Kunden begangen worden sei.

Den angeklagten Ex-Audi-Führungskräften drohen in den USA harte Strafen. Zwei frühere VW-Mitarbeiter sitzen dort bereits im Gefängnis, sie waren wegen einer Mitschuld am Diesel-Skandal zu mehr als drei bzw. sieben Jahren Haft verurteilt worden. Die vier Ex-Audi-Angestellten halten sich allerdings aktuell alle in Deutschland auf, eine Auslieferung droht den deutschen Staatsbürgern nicht. Audi wollte sich auf Anfrage zu den Anklagen nicht äußern, kooperiert aber bei den Ermittlungen des US-Justizministeriums mit den Behörden.

Aus dem angeklagten Quartett ist Ex-Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch der Ranghöchste. Knirsch, der seine Karriere 1990 bei Audi begann und zwischenzeitlich viele Jahre für Porsche und eine kurze Zeit für Rheinmetall arbeitete, war erst 2013 wieder zu Audi zurückgekehrt. Drei Jahre lang leitete er die Aggregateentwicklung, bis er 2016 in den Vorstand aufrückte und dort die technische Entwicklung verantwortete. Er folgte seinerzeit ausgerechnet auf Ulrich Hackenberg, der bereits wegen der Diesel-Affäre gehen musste.

Nach nur neun Monaten auf dem Posten musste Knirsch aber im September 2016 gehen. Die Anwaltskanzlei Jones Day, die für den VW-Konzern den Abgasskandal intern untersucht, soll Informationen gefunden haben, die Knirsch belasteten. Er verließ das Unternehmen dennoch nicht mit leeren Händen. Audi gab dem Topingenieur 3,8 Millionen Euro mit auf den Weg – für das „vorzeitige Ausscheiden aus dem Vorstand“, wie es im Geschäftsbericht hieß.

2017 schließlich wurde Stefan Knirsch auch vom Ex-Audi-Motorenentwickler Giovanni Pamio schwer belastet. Er legte der Staatsanwaltschaft München ein 28-seitiges Papier vor, aus dem hervorgeht, dass er Knirsch schon im Oktober 2013 über die unerlaubten „Defeat Devices“ ausführlich informiert haben will.

Chefmotorenentwickler informierte Behörden nicht

Laut Pamio habe er ihm eine schriftliche Risikoeinschätzung mit Hinweis auf die Gesetzesverstöße in den USA vorgelegt. Knirsch, damals noch Chefmotorenentwickler, unterließ es aber, die Behörden zu informieren. Die Staatanwaltschaft München führt aktuell ein Ermittlungsverfahren gegen ihn Knirsch. Er wies die Vorwürfe gegenüber dem Handelsblatt zurück, wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen in Deutschland auf Nachfrage aber nicht weiter äußern. Die Staatsanwaltschaft München II führt ihn als einen von 24 Beschuldigten.

Knirsch, der seine Karriere 1990 bei Audi begann und zwischenzeitlich viele Jahre für Porsche und eine kurze Zeit für Rheinmetall arbeitete, war erst 2013 wieder zu Audi zurückgekehrt. Drei Jahre lang leitete er die Aggregateentwicklung, bis er 2016 in den Vorstand aufrückte und dort die technische Entwicklung verantwortete. Er folgte ausgerechnet auf Ulrich Hackenberg, der bereits wegen der Dieselaffäre geschasst wurde.

Nach nur neun Monaten auf dem Posten musste dann auch Knirsch im September 2016 gehen. Die Anwaltskanzlei Jones Day, die für den VW-Konzern den Abgasskandal intern untersucht, soll Informationen gefunden haben, die Knirsch belasten. Er verließ das Unternehmen dennoch nicht mit leeren Händen. Audi gab dem Topingenieur 3,8 Millionen Euro mit auf den Weg – für das „vorzeitige Ausscheiden aus dem Vorstand“, wie es im Geschäftsbericht hieß.

Neben Knirsch soll sich mit Richard Bauder eine weitere bekannte einstige Audi-Führungskraft in den USA verantworten. Bauder stand mehr als vier Jahrzehnte im Dienste des Ingolstädter Autobauers. 2012 ging er in Rente.

Unter Motorenkennern gilt er als einer der Väter des Diesel-Direkteinspritzers TDI, einem Meilenstein in der Erfolgsgeschichte von Audi. Bauder leitete von 1993 bis 2012 die Dieselmotorenentwicklung, intern und auch bei der Konkurrenz nannte man ihn ehrfürchtig „Dieselpapst“. Ihn trifft offenbar der Verdacht, am Betrug mitgewirkt zu haben. Der von Audi entwickelte V6-Drei-Liter-Dieselmotor wurde in 80.000 Autos verbaut und von 2009 bis 2015 in den USA als „Clean Diesel“ verkauft.

In Wahrheit waren die Autos viel dreckiger als vorgegeben. Diese Vergangenheit holt den Motorenentwickler nun ein, der kurz vor seinem Ruhestand gegenüber einer Lokalzeitung gesagt hatte: Auf mich warten viele schöne Dinge, die ich bisher mangels Zeit nicht richtig angehen konnte. Auf Nachfrage war Bauder nicht zu erreichen, frühere Anfragen ließ er unkommentiert. In den USA hat sich der VW-Konzern bereits schuldig bekannt. Und Audi zahlte hierzulande bereits ein Bußgeld von 800 Millionen Euro.

Erstaunlich ist unterdessen, dass sich unter den in den USA keiner der drei früheren Audi-Führungskräfte befindet, die hierzulande teils viele Monate in Haft saßen: Der Ex-Vorstandschef Rupert Stadler, der frühere Manager Wolfgang Hatz sowie Giovanni Pamio. Gegen alle drei wird allerdings in Deutschland weiter ermittelt.

Pamios Verteidiger verwies bisher stets darauf, dass sein Mandant mit der Staatsanwaltschaft kooperiere und die Entscheidungen im Dieselskandal auf höherer Ebene getroffen wurden. Stadler und Hatz wiederum wiesen die Ihnen gegenüber erhobenen Vorwürfe bisher scharf zurück.

Startseite

Mehr zu: VW-Konzern - US-Behörden klagen vier frühere Audi-Führungskräfte im Dieselskandal an

1 Kommentar zu "VW-Konzern: US-Behörden klagen vier frühere Audi-Führungskräfte im Dieselskandal an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote