Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

VW-Premiumtochter E-Autos und SUVs – Audi richtet die Modellpalette auf Chinas Autokäufer aus

In Shenzen präsentiert Audi den neuen Q8. Mehr denn je zeigt sich: Die Zukunft der deutschen Autoindustrie entscheidet sich in Fernost.
Update: 05.06.2018 - 18:03 Uhr Kommentieren

Porsche und Audi aus einem Baukasten? VW mit neuer E-Strategie

ShenzhenDer Q8 ist ein Statement: Fünf Meter lang misst das neueste SUV aus dem Hause Audi, mehr als zwei Tonnen bringt das Gefährt auf die Waage. Nicht unbedingt ein Auto für den Stadtverkehr, aber eines für Kunden mit Sendungsbewusstsein.

Und mit Sicherheit kein Auto, das sich allein in Europa rechnen würde. Die Entwicklung des Q8 sei vielmehr eine „Hommage an China”, bekennt Audi-Chef Rupert Stadler, der das neue Spitzenmodell auch nicht in Ingolstadt sondern gleich in Shenzen vorstellt.

Das sei nur konsequent erklärt Stadler. „Das Investment in die Entwicklung des Q8 wurde vor allem durch den chinesischen Markt getrieben” betont der Konzernchef.

400 Gäste hat Audi nach Shenzen zum „Audi Summit“ geladen, einer pompösen Markenshow im Herzen des chinesischen Wirtschaftswunders. Und einmal mehr zeigt sich, wie stark der Markt in Fernost die Geschicke der Autoindustrie bestimmt. Chinesische Kunden gaben den Ausschlag für die Entwicklung des Riesen SUVs, auch wenn es im fernen Bratislava produziert wird.

Audi ist mehr denn je auf einen Erfolg in China angewiesen: Rund ein Drittel aller Verkäufe bestreitet Audi in China, damit ist der Markt für die Ingolstädter größer als die USA und Deutschland zusammen. Und es waren die Milliardengewinne aus China, die Audi und den ganzen VW-Konzern durch die Abgaskrise getragen haben. Die Abgasaffäre ist hier aber weit weg, Dieselmotoren waren für Kunden und Behörden in China nie ein Thema. Chinesen fahren heute mit Benzin und morgen mit Strom.

China ist der Taktgeber

Entsprechend demütig gibt man sich. „Wir haben Glück, hier sein zu dürfen, und für mich ist das wie eine Heimkehr. Ich mag das Land, ich mag das Essen”, erklärt Stadler. Zuvor hatte er – wie zuvor Angela Merkel bei ihrem Besuch Ende Mai - den Internetriesen Tencent und Alibaba seine Aufwartung gemacht.

Ohne die Technologiekonzerne geht in der Autoindustie nicht mehr viel, für Q8-Kunden ist der Zugang zu Chatdiensten wie „WeChat“ mindestens so wichtig wie eine ansprechende Motorleistung. Wichtig ist auch die längere und weichere Rückbank als in Europa üblich: Chinesen nehmen oft Familie samt Großeltern im Auto mit, da darf es beim Platz keine Einschränkungen geben.

Der Q8 dürfte diesen Bedürfnissen entgegenkommen. Bislang hatte Audi in der Luxusklasse nur den Q7 und die A8-Limousine – letztere in China mit verlängertem Radstand.

Auch die Konkurrenz setzt auf Überlänge: Mercedes S-Klasse und BMW 7er werden in China auch im XL-Format angeboten. Die Münchener haben zudem unlängst ihren X7 vorgestellt, ebenfalls ein Offroader der in den USA und China seine Käufer finden soll.

Es geht aber nicht nur um schnöden Luxus: China gewinnt als Forschung- und Entwicklungsstandort an Bedeutung. So ist Audi eine der teilnehmenden Firmen für ein Pilotprojekt in Wuxi, einer Stadt nordwestlich von Schanghai.

Dort wird in Zusammenarbeit mit dem Netzwerkausrüster Huawei, dem Telekommunikationsanbieter China Mobile und den örtlichen Behörden an einer umfassenden Vernetzung von Autos und Infrastruktur gearbeitet. Das Projekt ist eine Vorstufe für die Vision einer Stadt, in der die Autos eines Tages ohne Fahrer auskommen.

Derzeit arbeiten 280 Audi-Mitarbeiter in China in der Entwicklungsabteilung. In den „nächsten Jahren“ will man aufstocken: dann sollen insgesamt 650 Ingenieure in China für Audi tätig sein, allein 150 davon sollen sich mit dem autonomen Fahren befassen. Stadler erkennt an, dass China inzwischen überall “de facto die Standards setzt”, wirtschaftlich und technologisch.

Chinesen lieben SUVs

Die Ingolstädter profitieren immer noch von ihrem frühen Markteintritt: Seit 1991 produziert man mit dem chinesischen Partner FAW in Changchun, Chengdu und Foshan – der Werksverbund beschäftigt mehr als 50 000 Menschen.

Als Statussymbol der Reichen und Mächtigen sicherte sich Audi die Marktführerschaft, lange bevor die heimischen Rivalen BMW und Mercedes das Potenzial in Fernost erkannten. Erst in den Nullerjahren zogen BMW und Mercedes mit eigenen Produktionen in China nach.

Die Probleme bescherte sich Audi im vergangenen Jahr selbst: Um nicht vom langjährigen Partner FAW zu abhängig zu sein, baute Stadler mit SAIC ein zweites Vertriebsnetz auf.

Für die angestammten Partner eine Kampfansage: Monatelang boykottierten die FAW-Händler den Audi-Absatz, die Verkäufe brachen im ersten Halbjahr 2017 dramatisch ein. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt.

Audi machte Zugeständnisse an FAW, im Gegenzug wird mit SAIC ein neuer Partner aufgebaut. Offenbar ist der Kuchen für alle groß genug, die Verkaufsdelle ist ausgebügelt. Bis Mai lagen die Absätze 33 Prozent über Vorjahr. Das Aufatmen in der Audi-Zentrale ist groß.

Für die Zukunft setzen die Ingolstädter wie die Konkurrenten BMW und Mercedes auf SUVs und Elektroautos. Denn auch die Rivalen aus München und Stuttgart gehen von einem weiteren, kräftigen Wachstum in China aus.

So wird BMW nach dem X1 in diesem Jahr auch mit der Produktion des größeren X3 in China beginnen, bislang wurde das Modell aus der US-Fabrik Spartanburg eingeführt. Da sich China und die USA aber gegenseitig Zölle für die Einfuhr von Autos androhen, gibt es bei BMW bereits Überlegungen auch den noch größeren X5 in China zu produzieren. Audi baut das Konkurrenzmodell Q5 derzeit in Mexiko.

Der Sog des chinesischen Marktes wird anhalten: Audi will bis 2022 insgesamt zehn neue oder überarbeitete SUV-Modelle in China einführen. Sieben davon sollen lokal produziert werden, fünf davon elektrisch sein.

Insgesamt will Audi in den kommenden fünf Jahren zehn Elektroautos auf dem Markt haben, sieben sollen vor Ort gebaut werden. Die VW-Tochter reagiert damit auch auf die Vorgabe der Regierung in Peking, die ab dem kommenden Jahr verbindliche Quoten von Elektroautos am Neuwagenverkauf vorschreibt – Made in China, versteht sich.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: VW-Premiumtochter - E-Autos und SUVs – Audi richtet die Modellpalette auf Chinas Autokäufer aus

0 Kommentare zu "VW-Premiumtochter: E-Autos und SUVs – Audi richtet die Modellpalette auf Chinas Autokäufer aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.