VW-Spitzentreffen in Leipzig Was VW-Chef Müller beim Krisengipfel erwartet

Die Top-Führungskräfte von Volkswagen treffen sich am Donnerstag hinter verschlossenen Türen in Leipzig. Eigentlich geht es um die Neuausrichtung des Konzerns – doch auf einmal stehen wieder Personalfragen im Brennpunkt.
Der neue VW-Chef muss das Management auf seinen Kurs einschwören. Quelle: dpa
Matthias Müller

Der neue VW-Chef muss das Management auf seinen Kurs einschwören.

(Foto: dpa)

FrankfurtZumindest die Farbe der Fahrzeugflotte ist einheitlich. Schwarze VW-Busse mit Lederausstattung werden es in der Mehrzahl sein, dazu einige Phaetons und Touaregs mit den Chefs. Und weil man sich auf dem Werksgelände von Porsche in Leipzig befindet, wird auch der eine oder andere Cayenne darunter sein. Gut 1000 Gäste müssen schließlich bewegt werden, wenn Volkswagen seine Top-Führungskräfte zur Tagung am Donnerstag lädt.

Eigentlich wäre das alles eine unaufgeregte Veranstaltung, in der über die Herausforderungen der Zukunft, über neue Märkte, Modelle und Motoren gesprochen werden würde. Seit Monaten ist sie anberaumt, so wie jedes Jahr im Herbst. Vergangenes Jahr war man in Dresden, jetzt eben in Leipzig.

Nur dass die Veranstaltung seit der Dieselaffäre einen anderen Drive bekommen hat. An diesem Mittwoch berichtet der „Spiegel“ von mindestens 30 Managern, die in die Manipulation von Abgaswerten verwickelt gewesen sein sollen. Das Magazin beruft sich auf die bisherigen Ermittlungen der Internen Revision und der Anwaltskanzlei Jones Day. Ein VW-Konzernsprecher dementierte umgehend: „Die Zahl entbehrt jeglicher Grundlage“. Dennoch steht die Frage weiter im Raum: Wer wusste was?

Nicht der einzige Paukenschlag vor dem Führungskräfte-Treffen. Für einen weiteren sorgte Winfried Vahland, bisheriger Skoda-Chef und nun auserwählt für die Leitung in der neu geschaffenen Region Nordamerika, tritt seinen Posten nicht an. Nach 25 Jahren verlässt er den Konzern.

Ausgerechnet Vahland, der Hoffnungsträger, werden viele sagen. Der Mann, der das China-Geschäft des Konzerns vor rund einem Jahrzehnt erst groß machte und anschließend ab 2010 Skoda zur Ertragsperle mit einer Marge von mehr als acht Prozent formte. Vahlands Entscheidung werden die Teilnehmer versuchen zu interpretieren: Übersteigen die Probleme in Amerika selbst Vahlands Möglichkeiten, sind die Schwierigkeiten dort weit größer als bisher bekannt? Oder ist er am Ende gekränkt, da er einst selbst für den Posten des Konzernchefs gehandelt wurde, ehe sich der Aufsichtsrat dann doch eher für Matthias Müller entschied?

Darum wird sich das Gros der Vorträge und der Gespräche in den Pausen drehen, erwarten die, die dabei sein werden. Aber wohl noch mehr um die Dieselaffäre. Antworten auf das weitere Vorgehen und darauf, wie das verloren gegangenes Vertrauen beim Kunden zurück gewonnen werden kann, wären dringend erwünscht. Und vor allem auch eine Aussage, wie es über Jahre zur Manipulation in größten Stil kommen konnte, ohne dass angeblich jemand aus der obersten Führungsebene etwas davon mitbekommen haben will.

Dafür ist Matthias Müller zuständig. Wie schon bei Auftritten in den vergangenen Wochen seit seinem Amtsantritt am 25. September wird er den angestrebten Kulturwandel, den neuen Umgang untereinander und die durchaus erwünschte konstruktive Gegenrede in den Vordergrund stellen. Antworten, wie es überhaupt zur Dieselaffäre kommen konnte und wie diese zu lösen ist, wird aber auch er nur in begrenztem Maß geben können. Schlicht deswegen, weil auch er sie noch nicht kennt. Und weil es für die bis zu elf Millionen betroffenen Motoren weltweit Dutzende unterschiedlicher Lösungen braucht.

Das ist die Streichliste von VW
Marketing
1 von 8

Feierlichkeiten waren bei Volkswagen bislang vom Allerfeinsten: Robbie Williams (r., hier neben Stephan Grühsem, ehemaliger Leiter Kommunikation beim VW-Konzern), Lenny Kravitz, Mark Knopfler, Lang Lang oder die Pet Shop Boys. Und im Publikum tummelten sich Hollywood-Hüne Ralf Moeller oder Sport-Ikonen wie Günter Netzer und Hans-Joachim Stuck. Die Musik für die üppigen Inszenierungen kam von Produzent Leslie Mandoki. Und der Kabarettist Django Asül sorgte die für die gute Laune. All das wird künftig genauso wenig passend erscheinen wie die Konzernabende im Vorfeld großer Automessen. Weit über tausend Gästen wurde dabei stets ein anderthalbstündiges Happening mit Licht und Showeffekten präsentiert, in dem alle Marken des Konzerns ihre Innovation präsentierten.

Die Party ist zu Ende
2 von 8

Kein anderer Hersteller betreibt nur annähernd einen solchen Aufwand der Selbstinszenierung. So kann Volkswagen auch getrost darauf verzichten. Genauso wie auf die Mini-Autoshows zur Hauptversammlung und zur Bilanzpressekonferenz. Eine zweite Halle im Stil einer Mini-IAA wird angesichts der Sparzwänge sicher kein Aktionär oder Journalist vermissen.

Gehälter
3 von 8

Der Aufschrei kam prompt: Die zu erwartenden Einschnitte dürfen nicht zulasten des kleinen Mannes gehen. Dass der kleine wie der große Mann bei VW künftig weniger in der Tasche haben wird, ist realistisch. Auffallen wird dies bei den Vorständen, die zuletzt ein Festgehalt zwischen einer und zwei Millionen pro Jahr hatten. Durch eine einjährige variable Vergütung, eine mehrjährige variable Vergütung über vier Jahre kam Ex-Chef Martin Winterkorn 2014 auf ein Gesamtsalär von 15,8 Millionen Euro. Andere Mitglieder im Vorstand verdienten um die sieben Millionen Euro. Bei allem dürfte in diesem Jahr mangels Erfolg weit weniger herauskommen.

Das große und das kleine Leiden
4 von 8

Auch das Gros der Belegschaft wird leiden müssen. Eine Ergebnisbeteiligung von 5900 Euro bekam jeder Mitarbeiter für das vergangene Jahr bei VW, dazu zwölf Gehälter und ein kleines Urlaubsgeld. Da ein Verlust droht, gibt es die gewohnte Ergebnisbeteiligung quasi nur als Goodwill. Die 1545 Euro, die es immer im November gab, sollen jedoch gezahlt werden. Einsparungen in Milliardenhöhe sind möglich.

Sponsoring
5 von 8

Beim Pokalfinale 2015 demonstrierte der Volkswagen-Konzern seine ganze Fußballmacht: Nicht nur, weil der Werksclub VfL Wolfsburg am Ende den Titel gewann, sondern auch weil selbst der Gegner Borussia Dortmund mit einen VW-Logo auf dem Ärmel auflaufen musste. Der Konzern ist nämlich auch Sponsor des gesamten Wettbewerbs. Mit dem Ausbruch des Abgasskandals soll das Pokal-Sponsoring nun auf den Prüfstand gestellt werden. Beim Werksclub VfL Wolfsburg soll nicht zu stark gespart werden.

Das Zittern der Fußballer
6 von 8

Für die Bundesliga ist das Volkswagen-Desaster indes ein Problem. Immerhin unterstützt der Konzern 21 von 36 Bundesligavereinen. Am VfL Wolfsburg, dem FC Bayern und dem FC Ingolstadt ist Volkswagen sogar direkt beteiligt. Wie stark der Sparkurs ausfallen wird, ist allerdings noch nicht klar. Die Verträge, die unter dem zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn geschlossen wurden, sind unabhängig von der Krise weiterhin gültig.

Modelle
7 von 8

Der kleine, sportliche Zweisitzer Eos war das erste Opfer – schon vor dem Abgasskandal. Weil er nicht den nötigen Erfolg beim Kunden hatte, wurde er aus dem Programm genommen. Die Luxuslimousine Phaeton könnte es als nächstes treffen. Die für Ende kommenden Jahres geplante Neuauflage ist mehr als fraglich. Das sind aber nicht die einzigen Nischenmodelle, bei denen ein hoher Aufwand nicht mit den Verkaufszahlen korreliert.

Ein Dreizylinder-Motor mit 1,2 Litern ist dabei, dazu zwei wesentliche populärere Vierzylinder mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum. Die wurden wiederum bei VW anders ausgerichtet als bei Audi, Skoda oder Seat. Und die boten diese Motoren wieder in unterschiedlicher Form in verschiedenen Märkten an. Dann muss auch noch unterschieden werden, ob das Fahrzeug mit Schaltgetriebe oder Automatik ausgeliefert wurde. Und bei den Schaltgetrieben macht dann noch den Unterschied, dass der 1,6 Liter-Motor mit Fünf-Gang-Getriebe ausgeliefert wurde, während der 2,0 Liter-Motor ein Sechs-Gang-Getriebe erhielt.

Für Diess ist die Krise eine Chance
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: VW-Spitzentreffen in Leipzig - Was VW-Chef Müller beim Krisengipfel erwartet

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%