VW: Streik in der Slowakei Böses Erwachen im Autoparadies

Tausende Volkswagen-Mitarbeiter in der Slowakei streiken für höhere Löhne. Der linkspopulistische Premier unterstützt sie dabei. Doch der Arbeitskampf bringt den für die Autobauer so attraktiven Standort in Gefahr.
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Die Beschäftigten fordern eine Gehaltssteigerung von 16 Prozent. Quelle: Imago
Proteste vor dem VW-Werk Bratislava

Die Beschäftigten fordern eine Gehaltssteigerung von 16 Prozent.

(Foto: Imago)

WienAm Rand von Bratislava steht der ganze industrielle Stolz der Slowakei: das Werk von Volkswagen. Es ist eine kleine Stadt innerhalb der Hauptstadt und Symbol des Autolandes Slowakei. Doch der Haussegen beim größten Arbeitgeber des osteuropäischen Landes hängt schief. Denn die Beschäftigten haben dort zum ersten Mal in der Geschichte von Volkswagen in der Slowakei die Arbeit niedergelegt.

Der Ausstand in Bratislava soll nach Gewerkschaftsangaben bis zum 3. Juli dauern. Dann beginnen die Werksferien. Am Mittwochnachmittag fanden Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmervertretern statt. Der slowakische Premier Robert Fico sagte zu Beginn: „Ich begrüße eine schnelle Einigung.“

Die VW-Beschäftigten in Bratislava fordern deutlich höhere Löhne. Sie verlangen eine Gehaltssteigerung von 16 Prozent. Volkswagen bot zuletzt 8,9 Prozent innerhalb eines Jahres und eine Einmalzahlung von 350 Euro sowie Boni.

Lange galt die Slowakei als Autoparadies. Niedrige Löhne, niedrige Steuern und eine Industriepolitik unter Regierungschef Robert Fico, die den Autokonzernen ihre Wünsche von den Lippen ablas. Doch der Standort entwickelt sich zum Albtraum für den Wolfsburger Autoriesen. Ausgerechnet der ansonsten so autofreundliche Premier stellt sich hinter den Arbeitskampf.

„Warum sollte ein Unternehmen, das die hochwertigsten und luxuriösesten Autos mit einer hohen Arbeitsproduktivität baut, seinen slowakischen Arbeitern die Hälfte oder ein Drittel dessen zahlen, was es den gleichen Mitarbeitern in Westeuropa zahlt?“, fragt der Linkspopulist und spricht damit offenbar vielen seiner Landsleute aus dem Herzen. Bratislava liegt mit dem Auto nur eine dreiviertel Stunde von Wien, wo Mitarbeiter für die gleiche Tätigkeit das Doppelte oder Dreifache erhalten. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als zwei Drittel der Beschäftigten an dem Ausstand beteiligt haben.

Das sind die Bestseller von VW
Platz 10: VW Up - 158.795 verkaufte Fahrzeuge
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Trotz gesunkener Verkaufszahlen reicht es noch für Platz zehn: Der Kleinstwagen von VW überzeugt mit pfiffigen Lösungen auf engstem Raum. Agilität in der City und geringe Kosten, damit kann der Zweitürer ebenso punkten.

Quelle: VW Konzernbericht 2017

Platz 9: VW Gol – 203.148 verkaufte Fahrzeuge
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Der Kleinwagen wird speziell für den lateinamerikanischen Markt gebaut und ist dort eines der erfolgreichsten Autos überhaupt. 2017 konnte Volkswagen den Absatz deutlich steigern.

Platz 8: VW Santana - 293.313 verkaufte Fahrzeuge
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Auch die dritte Generation ist ein echter Verkaufserfolg. In Deutschland führte das damals noch sehr kantige Modell eher ein Langweiler-Schattendasein, machte aber international Karriere: 2013 wurde ein komplett neu entwickelter Santana speziell für den chinesischen Markt vorgestellt.

Platz 7: VW Bora - 334.900 verkaufte Fahrzeuge
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Dass der Name der fünftürigen Limousine zwischen Golf- und Passat-Größe überhaupt noch geführt wird, ist der Bedeutung des chinesischen Automarktes zu verdanken, der für die Wolfsburger so unglaublich wichtig geworden ist. Und egal was man von der Formgebung in Europa hält: Chinesen lieben nun mal klassische Limousinen.

Platz 6: VW Lavida - 507.574 verkaufte Fahrzeuge
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Und noch eine Limousine, wobei diese untere Mittelklasse sogar in China entwickelt wurde. Den hierzulande unbekannten Lavida bietet VW seit zwei Jahren auf dem größten Wachstumsmarkt an. Mit Erfolg.

Platz 5: VW Passat/Magotan - 660.996 verkaufte Fahrzeuge
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Platz, Qualität und High-Tech überzeugen viele Käufer. Die geräumige untere Mittelklasse ist in Deutschland vor allem als Kombi für Dienstwagen-Fuhrparks gefragt, der Rest der Welt findet die Limousine interessanter. Den Absatz des Bestsellers, den es schon seit mehr als 40 Jahren gibt, ging im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück.

Platz 4: VW Polo – 755.506 verkaufte Fahrzeuge
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Egal welche Generation - der deutsche Kleinwagen-Klassiker dominiert die Neuzulassungsstatistiken oft Monat für Monat in Folge. 2017 präsentierte VW-Markenvorstand Herbert Diess die neueste Variante des Polo.

Der Präsident des slowakischen Automobilverbandes (ZAP), Juraj Sinay, sorgt sich unterdessen um den Automobil- und Wirtschaftsstandort. „Die Slowakei galt bislang als stabiler Wirtschaftsstandort. Mit dem Streik werden die Unternehmen künftig sorgfältiger überlegen, ob sie weiter in die Slowakei investieren“, sagte Sinay dem Handelsblatt. In dem osteuropäischen Land hängen über 60.000 Arbeitsplätze direkt und indirekt an der Autoindustrie.

VW ist traditionell in der Slowakei ein begehrter Arbeitgeber. Denn die Wolfsburger zahlen weit über dem Durchschnitt. Mit einem Monatslohn von durchschnittlich 1804 Euro verdienten die VW-Mitarbeiter rund doppelt so viel wie ihre Kollegen in anderen Betrieben. Im ersten Quartal dieses Jahres lag der Durchschnittslohn nach Angaben der Statistikbehörde bei 897 Euro.

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19 Kommentare zu "VW: Streik in der Slowakei: Böses Erwachen im Autoparadies"

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  • Herr Metz, meinte ich natürlich.

  • @ Herr Merz

    „Ich persönlich gebe z.B. statt für Autos viel Geld für schöne Frauen aus.“

    Dazu beglückwünsche ich Sie Herr Merz, dort ist das Geld jedenfalls wesentlich besser angelegt, als in einer seelenlosen Blechkarosse, die nach einigen Jahren eh verrostet.
    Vom Wertverlust des Autos ganz zu schweigen.

  • Zusätzlicher Vorteil dabei, ich stehe nicht mehr im Stau!

  • @ H-J. Griesinger
    "Viele Fahrten werden dabei völlig sinnfrei durchgeführt. 200 Meter mit dem SUV zum Bäcker und zurück, obwohl man so eine Strecke locker laufen könnte oder mit dem Rad fahren könnte.
    Mal zu laufen oder Rad zu fahren würde der eigenen Gesundheit guttun und dass Geld fürs Fintenssstudio, dass man eh kaum besucht könnte man sich schenken."

    Betreiben Sie bitte keine Zwangs-Missionierungen und überlassen es jedem Einzelnen, ob und wie er sein Geld vernichtet.
    FREIHEIT BEDEUTET NÄMLICH IMMER AUCH DAS RECHT, UNVERNÜNFTIG ZU SEIN!!
    Wenn jemand sein ganzes Geld in sein Auto steckt und 200 Meter zum Bäcker fährt, anstatt zu Fuß zu gehen, dann ist das aus meiner Sicht auch unvernünftig. ABER: ich gestehe ihm die Freiheit zu, das zu tun.
    Ich persönlich gebe z.B. statt für Autos viel Geld für schöne Frauen aus. Das mag für viele Menschen ebenfalls total unvernünftig sein. Aber das ist meine Freiheit. Auch, wenn sie für andere unvernünftig sein mag...

  • Liebe Ursula Neumann,

    indem Sie Arbeitsplatz nah umziehen oder die ersten 12 Kilometer mit dem Rad/E-Bike/E-Roller fahren.
    Ich habe es vorhin schon geschrieben, oft ist es reine Bequemlichkeit, warum man immer wieder Ausreden findet, das Auto zu benutzen.
    Ich nehme mich da gar nicht aus, auch ich habe vor der Abschaffung meines PKWs genauso gedacht und gehandelt. Aber dann habe ich den Schritt gemacht und konsequent auf ein sehr gutes Rad (Made in Germany) umgestellt.
    Ích fahre oft bis zu 60 km am Tag mit dem Rad.
    Es bringt Spaß und mit jedem Kilometer mehr, den Sie mal in den Beinen haben, werden sie immer fitter und leistungsfähiger, wodurch auch der Geschwindigkeitsschnitt ansteigt und sie schneller am Zielort ankommen.
    Ich fahre heute in 1 1/4 Stunden eine Strecke von knapp 30 km. Wer erst mal angefangen hat weiß, wie schnell dies ein Selbstläufer wird. Zudem habe ich durchs Radfahren 15 Kilogramm abgenommen und bin heute wieder richtig fit, was zu Autonutzerzeiten nicht der Fall war. Ich habe ein normales Rad, kein E-Bike. Aber Sie können sich ja ein e-Bike anschaffen, oder einen Elektroroller, wenn Sie gar nicht selbst in die Pedale treten wollen. Klar findet man für alles immer eine Ausrede, aber wenn man wirklich wollte, gebe es genug Alternativen zum Autofahren. Jeder sollte sich mal ausrechnen, was das eigene Auto so im Jahr an Geld verbrennt, dann würden sich nämlich viele nach Alternativen umsehen. Man kann sich ein Auto auch ausleihen, wenn man mal wirklich eines unbedingt braucht.

  • Herr Griesinger, wenn Sie mir verraten, wie ich die 38 Kilometer zur Arbeit ohne vernünftiger Busanbindung auf den ersten 12 Kilometern ohne Auto bewerkstelligen soll, dann schaffe ich das Auto auch ab.
    Das Leben ist nicht schwaz/weiß.

  • Sklaven Aufstand in der Slowakei, schlimm, schlimm. Vielleicht sollte man die Produktion nach Timbuktu verlegen weil die dort fuern Groschen-Fufzig am Tag arbeiten.

  • Sprit

  • @ Hermann Froesch
    Nein, ich habe mit Links-Grün nichts am Hut, sondern bin einfach nur jemand, der sich Gedanken macht, dass es so nicht mehr weitergehen kann.
    Sind wir doch mal ehrlich, viele sind einfach nur zu bequem und zu faul, ihr Leben zu verändern.
    Für ihr „Heiligs Blechle“ geben viele Deutsche Unsummen an Geld aus, da reichts dann bei vielen nicht mal mehr für eine gesunde ausgewogene Ernährung.
    Wie auch, wenn man Raten abbezahlen und den PKW unterhalten muß.
    was kostet aktuell der Liter Spit?
    1,30 €/l zzgl. Versicherung, Rate, Instandhaltung.


  • Herr Griesinger, sind Sie Lohnschreiber für Links-Grün?

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