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VW-Tochter Audi beschwichtigt Händler mit Dieselskandal-Sprachregelungen

Nach Berichten über mögliche Täuschungsversuche gegenüber den Behörden will Audi die Verkäufer beruhigen. Doch das Schreiben wirft Fragen auf.
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Der Autohersteller hatte im Januar 2018 von KBA aufgetragen bekommen, innerhalb eines Monats Softwareupdates für die manipulierten Modelle vorzulegen. Quelle: dpa
Audi-Schild

Der Autohersteller hatte im Januar 2018 von KBA aufgetragen bekommen, innerhalb eines Monats Softwareupdates für die manipulierten Modelle vorzulegen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Sprachregelungen zur aktuellen Berichterstattung in den Medien – zu Ihrer Verwendung. Gültig bis zum 02.07.2020.“ So ist Audi jetzt in seinem Partner-Portal an bundesweit Hunderte Händler herangetreten. Dazu sah sich der Autobauer veranlasst, nachdem vor wenigen Tagen publik wurde, wie die Ingolstädter in den vergangenen Jahren offenbar versuchten, das Kraftfahrt-Bundesamt und die Staatsanwälte an der Nase herumzuführen.

Der Konzern betont zum einen, dass die Münchner Staatsanwaltschaft im Oktober 2018 ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen fahrlässiger Aufsichtspflichtverletzung abgeschlossen habe, Audi den Bußgeldbescheid (über 800 Millionen Euro) akzeptiert und sich zu seiner Verantwortung bekannt habe.

Man habe überdies Strukturen für regelkonformes und integres Verhalten in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und neu implementiert.

Schließlich sei Audi „an einer umfassenden Aufklärung der Sachverhalte und Verhaltensweisen rund um die Dieselkrise gelegen“, und man kooperiere mit den Ermittlungs- und Genehmigungsbehörden unvermindert, auch „nach Abschluss des Ordnungswidrigkeitsverfahrens“.

Die Staatsanwaltschaft habe dem Unternehmen zudem bescheinigt, sich an der Aufklärung der Vorwürfe aktiv zu beteiligen. Hört man sich in der Behörde dazu um, so bemerkt man dort tatsächlich eine deutlich verbesserte Kooperation, insbesondere nach Erlass des Bußgeldbescheids.

Merkwürdige Informationspolitik

Umso verwunderlicher ist es deshalb, dass Audi gegenüber seinen Händlern in dem Schreiben an anderen Stellen Formulierungen wählt, die wieder eher für ein Beschwichtigen und Herunterspielen stehen. So äußert der Konzern seinem Partner gegenüber, dass all jene Sachverhalte der aktuellen Berichterstattung nicht neu seien. Schließlich seien sie allesamt in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft enthalten. Das mag so sein – nur verschweigt Audi, dass den Händlern und Kunden die Details über die jahrelange Hinhaltetaktik bisher nicht zugänglich waren.

An anderer Stelle betont Audi, dass vier von acht Software-Updates zu V6- beziehungsweise V8-Motoren derzeit umgesetzt würden, was zwei Dritteln der mit einem Rückrufbescheid belegten 151.000 Fahrzeuge der Abgasnorm EU6 entspreche. Bei diesen laufenden Updates seien die für Kunden kostenlosen Maßnahmen in Deutschland zu mehr als 80 Prozent umgesetzt. Konkret heißt das: Erst 80.000 der betroffenen 151.000 Autos wurden in die Werkstätten zurückgerufen.

Und das obwohl Audi bereits im Januar 2018 vom KBA aufgetragen bekommen hatte, innerhalb eines Monats Softwareupdates für die manipulierten Modelle vorzulegen.

So stellt sich die Frage, ob sich der Konzern mit dieser Informationspolitik wirklich einen Gefallen tut. Manchem Händler oder Verbraucher dürfte möglicherweise noch eine Kundeninformation aus dem Oktober 2015 gewahr sein, in der der Konzern dazu Angaben machte, welche Motoren von den Manipulationen betroffen seien. Dort hieß es: „Ebenso nicht betroffen sind V6- und V8­‑TDI‑Motoren, unabhängig davon, ob sie nach EU5 oder EU6 zugelassen wurden.“ Eine Fehlinformation, wie sich später herausstellte.

Dabei hatte ein Ansprechpartner der Kommunikationsabteilung zu diesem Zeitpunkt aus internem E-Mail-Verkehr heraus längst Hinweise, dass eine illegale Abschalteinrichtung bei den entsprechenden Motoren zumindest möglich sei. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn, weil er nach Bekanntwerden des Dieselskandals 2015 die interne Aufklärung bei dem Autobauer behindert haben könnte. Für ihn gilt zunächst die Unschuldsvermutung.

Auch für die aktuelle Information an die Händler wurde der Sprecher, für den die Unschuldsvermutung gilt, auf Handelsblatt-Nachfrage nun wieder als Ansprechpartner benannt. Er selbst reagierte auf Nachfragen zu den Inhalten des Informationsschreibens und dem gegen ihn anhängigen Ermittlungsverfahren bisher nicht.

Audi verwies darauf, dass das Unternehmen sämtliche Informationen geprüft habe, die den Handelspartnern an die Hand gegeben worden seien. Die Kommunikation sei dabei nicht über die Pressestelle erfolgt.

Mehr: Audi muss im Dieselskandal ein Bußgeld in Höhe von 800 Millionen Euro zahlen. Der Autobauer akzeptiert den Bescheid der Staatsanwaltschaft.

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