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VW-Tochter Audi liegt bei der Rendite wieder vor Mercedes

Die Dieselaffäre wird Audi nach der Festnahme von Vorstandschef Stadler noch lange beschäftigen. Immerhin fällt die Halbjahresbilanz solide aus.
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Audi: Solides Halbjahr lässt VW-Tochter auf Besserung hoffen Quelle: Reuters
Audi

Die am Freitag vorgelegten Halbjahreszahlen sind solide und ein deutliches Stück besser geworden.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfAudi macht eine schwierige Phase durch. Immer wieder wird die Ingolstädter Volkswagen-Tochter von der Dieselaffäre eingeholt. Die Festnahme von Vorstandschef Rupert Stadler Mitte Juni war der Höhepunkt dieser Entwicklung, die dem Premiumhersteller auch die wichtigste Führungskraft genommen hat.

Vertriebsvorstand Bram Schot ist nur als Übergangskandidat auf den Posten des Vorstandschefs gerückt. Trotzdem muss er versuchen, das angeschlagene Unternehmen irgendwie zusammenzuhalten. Audi kann es sich überhaupt nicht erlauben, führungslos durch die Dieselkrise zu irren.

Das Führungschaos in Ingolstadt wird allerdings erst dann beendet sein, wenn wie geplant der bei BMW abgeworbene Automanager Markus Duesmann den Chefposten bei Audi übernimmt. Doch das kann bis zu zwei Jahre dauern, wenn BMW seinen bisherigen Einkaufsvorstand nicht vorzeitig freigibt.

Immerhin, trotz aller Probleme: Bei Audi gibt es auch wieder positive Ansätze. Die am Freitag vorgelegten Halbjahreszahlen sind solide und ein deutliches Stück besser geworden. „Wir haben die erste Hälfte dieses Ausnahmejahres erfolgreich gemeistert und Audi auf Kurs gehalten“, sagt Finanzvorstand Alexander Seitz. Es stimmt, nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen hätte alles noch viel schlimmer ausgehen können.

Die wesentlichen Kenndaten haben sich im ersten Halbjahr fast durchgängig verbessert. Der Absatz ist um 4,5 Prozent auf fast 950.000 Autos gestiegen, der Umsatz hat um 3,9 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro zugelegt. Auch bei den Erträgen ist es mit drei Prozent auf 2,8 Milliarden Euro in einer ähnlichen Größenordnung nach oben gegangen. Lediglich die operative Umsatzrendite verharrte im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres auf dem Niveau von 8,9 Prozent.

Doch im Vergleich mit den beiden wichtigsten Konkurrenten Mercedes und BMW kann sich Audi mit dieser unveränderten Umsatzrendite durchaus sehen lassen. Denn bei den Wettbewerbern aus München und Stuttgart ist die operative Marge im ersten Halbjahr deutlich gefallen.

Bei BMW ist es von 9,8 auf 9,2 Prozent nach unten gegangen, bei Mercedes ging es noch weiter von 9,5 auf 8,7 Prozent abwärts. In Ingolstadt dürfte es besondere Genugtuung auslösen, dass die Audi-Rendite wieder einmal über dem Mercedes-Niveau liegt.

Audi muss sparen

Gute Verkaufszahlen in Asien und den USA sind ein wichtiger Faktor, mit dem Audi in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einigermaßen auf Kurs geblieben ist. Zudem greift langsam ein Spar- und Transformationsprogramm, das das Ergebnis bis zum Jahr 2022 um zehn Milliarden Euro verbessern soll. Dazu gehört auch eine verschärfte Ausgabendisziplin bei Forschung und Entwicklung sowie den Investitionen.

Elektrifizierung und Digitalisierung sorgen bei den Wettbewerbern dafür, dass etwa die Forschungsausgaben deutlich nach oben gehen. Audi hingegen muss sparen und auf eine verstärkte Zusammenarbeit innerhalb des VW-Konzerns setzen. Die Forschungs- und Entwicklungskostenquote betrug bei Audi im ersten Halbjahr 6,5 (2017: 6,9) Prozent des Umsatzes. Die Sachinvestitionsquote ging zugleich von 3,9 auf 3,4 Prozent zurück.

Audi setzt darauf, dass sich die grundsätzlich positive Entwicklung auch im zweiten Halbjahr fortsetzt. Dazu sollen in erster Linie viele neue Modelle beitragen, die bis zum Jahresende auf den Markt kommen werden. Ein neuer Audi A6 ist in Vorbereitung, außerdem soll der Luxus-SUV Q8 recht bald bei den Händlern stehen.

Im Herbst kommt das erste rein batteriegetriebene Fahrzeug von Audi auf den Markt, zudem stehen ein neuer A1 und ein neuer Q3 auf dem Programm. „Die Resonanz auf unsere neuen Modelle und Technologien zeigt, dass sie Audi wieder deutlich nach vorne bringen werden“, erhofft sich Finanzvorstand Seitz.

Gleichwohl teilt Audi ein gemeinsames Problem mit der Konzernmutter Volkswagen: die Umstellung auf die neuen Verbrauchs- und Abgasstandards nach WLTP-Norm. Audi wird eine Zeit lang nicht wie gewohnt alle Modelle verkaufen können, weil zum Stichtag 1. September noch nicht die gesamte Fahrzeugpalette zertifiziert und zugelassen sein wird. Kunden werden häufiger nicht das Auto bekommen, das sie eigentlich individuell bestellen wollten. Stattdessen wird Audi nur standardisierte Modellvarianten anbieten können – was wahrscheinlich nur mit zusätzlichen Rabatten und Nachlässen gehen dürfte, was wiederum auf die Erträge drückt.

Jahresprognose unscharf und weit gefasst

Audi hofft, einigermaßen unbeschadet durch die nächsten Monate der WLTP-Umstellung zu kommen. Die Ingolstädter VW-Tochter lässt ihre Jahresprognose unverändert, die allerdings auch sehr weit und unscharf gefasst ist. Die operative Umsatzrendite soll „innerhalb des strategischen Zielkorridors“ zwischen acht und zehn Prozent liegen. Die Auslieferungen sollen das Vorjahresniveau erreichen, der Umsatz leicht steigen.

Zumindest Mercedes hat ebenfalls Probleme mit der Umstellung auf WLTP, deshalb dürfte sich der Renditeabstand zu Audi nicht wesentlich verändern. BMW allerdings scheint sich besser auf die verschärften Verbrauchs- und Abgasstandards vorbereitet zu haben und hat deutlich weniger Schwierigkeiten damit.

Den Konkurrenten BMW wird Audi deshalb nicht so schnell einholen können. Diese Aufgabe dürfte dem künftigen Vorstandsvorsitzenden Markus Duesmann überlassen bleiben.

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