VW und Dieselgate Müllers gefährlicher Optimismus

Volkswagen-Chef Müller gibt sich bei seinen US-Auftritten äußerst zuversichtlich. Doch solcher Optimismus könnte schädlich sein. Durch sein missglücktes Interview verspielt Müller nun weiteres Vertrauen. Ein Kommentar.
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Der VW-Chef steht in den USA stark unter Beobachtung. Quelle: AFP
Matthias Müller

Der VW-Chef steht in den USA stark unter Beobachtung.

(Foto: AFP)

New YorkEigentlich kann man in Amerika gar nicht zu optimistisch sein. Dass Manager voller Zuversicht in die Zukunft blicken, gehört zum Tagesgeschäft. Nur, wer sich und das Unternehmen gut verkaufen kann, schafft den Weg nach oben. Deutsche Manager gelten dagegen oft als zu pessimistisch, vorsichtig, nüchtern.

Ausgerechnet bei Volkswagen gilt dieses Klischee jedoch nicht. Der Wolfsburger Autokonzern wirkt in diesen Tagen zu optimistisch. VW-Chef Matthias Müller hat bei der Automesse in Detroit immer wieder betont, dass seine Mitarbeiter „gute Fortschritte“ in den Verhandlungen mit den Behörden erzielt haben, der „Dialog sehr konstruktiv“ sei und er „zuversichtlich“ sei, „eine gute Lösung zu finden.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York. Quelle: Ricardo Borges
Die Autorin

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.

(Foto: Ricardo Borges)

In einem Interview mit dem Radiosender NPR spielte Müller den Abgasskandal sogar so weit herunter, dass die Presseabteilung das Gespräch neu aufzeichnen ließ. Beide Versionen des Gesprächs sind hier zu hören.

Positive Worte sind sicherlich gut für die Moral der 600.000 VW-Mitarbeiter. Auch die Aktionäre, VW-Fahrer und potenzielle Kunden hören das sicherlich gern. Einzig: Die Worte des VW-Chefs stimmen nicht mit der Sichtweise der Behörden überein, die auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzen und über die weiteren Schritte entscheiden.

Erst in der vergangenen Woche hatte die US-Umweltbehörde EPA angemahnt, VW habe in den Diskussionen um die anstehenden Rückrufe „bislang noch keinen akzeptablen Weg aufgezeigt“. Die ungewöhnlich scharfe Kritik der Behörde kam zeitglich mit einer milliardenschweren Klage, die die EPA gemeinsam mit dem Justizministerium eingereicht hatte.

In der Klageschrift spiegelt sich der angestaute Frust der Ermittler wieder. Dass sie überhaupt eingereicht wurde, statt sich gleich außergerichtlich mit VW zu einigen, ist ein Zeichen dafür, wie verärgert die Behörden sind.

VW muss aufpassen, dass es mit dem Optimismus nicht noch mehr Schaden anrichtet. Dass Müller nun auf seinem ersten USA-Besuch die Dinge ganz besonders rosig erscheinen lässt, trägt in den USA nicht gerade dazu bei, Vertrauen wieder herzustellen – schon gar nicht bei den Vertretern der EPA und des Justizministeriums.

Nach Interview: Kann VW-Chef Müller noch ernsthaft als Aufklärer durchgehen?

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25 Kommentare zu "VW und Dieselgate: Müllers gefährlicher Optimismus"

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  • Mein lieber Herr Metz, die Bedeutung der USA für die deutsche Exportwirtschaft ist mehr als beträchtlich. Die USA haben sich zum Markt Nr. 1 für den deutschen Export entwickelt. Die Zahlen für die ersten neun Monate 2015, die beim Stat. Bundesamt vorliegen, zeigen das deutlich: deutscher Export 85,4 Mrd. Euro, deutscher Import 43,8 Mrd. Euro. Damit wird ein Positivsaldo von 41,6 Mrd. Euro generiert.

    Zu Ihren Anmerkungen noch folgendes: Zölle kann Deutschland nicht erheben, die EU ist ein einheitliches Zollgebiet und jedwede Einnahmen aus Zöllen fließen nach Brüssel.

    Aus Bayern stammende Spruch: Wer betrügt, der fliegt. Und der VW-Konzern ist nicht aus dem US-Markt geflogen - siehe Verkaufserfolge von AUDI und Porsche.
    Nochmals, wie schon an anderer Stelle: Die Kernmarke VW hat betrogen, produktspezifische Zusagen gemacht, die schlicht bewusst falsch angegeben wurden. Reaktionen in den USA haben weder etwas mit Scheinheiligkeit noch mit Kleinhalten von VW zu tun. Wer sich am amerkanischen Markt bewegt, muss wissen, dass hier andere Regeln gelten, als in Europa. Wer das nicht realisiert, sollte um die USA einen Bogen machen.

  • Nicht die Amis gnädig zu stimmen, muss das Ziel sein, sondern damit drohen, sie vom deutschen Markt oder noch besser vom EU-Markt auszuschließen. Dazu muss man allerdings Eier in der Hose haben.

  • Eine deutsche Regierung mit Eiern würde damit drohen, TTIP sofort auf Eis zu legen, und im Gegenteil sogar Zollbeschränkungen hochzufahren. Aber die Deutschen sind ja nun einmal Profis im Schuld eingestehen . Die tragen auf ihrer Stirn schon das Schild: "Ich bin schuldig!"

  • Das mag man jetzt unfair finden, aber so sind nun mal die Gegebenheiten und wenn man die nicht ändern will oder kann, passt man sich ihnen an oder bleibt dem Markt fern. Das abzuwägen ist halt gutes Management, wozu die VW-Manager offensichtlich nicht fähig sind. Das die Amis diese moderne Form von Tributzahlungen unterworfener Vasallen praktizieren, ist ja hinreichend bekannt, da muss man sich ihnen nicht auch noch unnötigerweise unterwerfen. Naiv von den VWlern ist übrigens auch, zu glauben mit einer 900Mio$ -Investition in Chattanooga, die Amies gnädig zu stimmen

  • Sicherlich hat VW nicht richtig gehandelst und muß bestraft werden aber mit Maß. Der ganze Abgasskandal zeigt doch den Zynismus der Amis. Die machen eine Geschiss wegen der Abgase der VW Diesel verpesten aber mit ihren Schweinetracks die Umwelt. Pure Scheinheiligkeit, ja noch mehr ist es das Bestreben VW klein zu halten damit ihre Autoindustrie weniger Konkurenz zu fürchten hat. In den USA geht es nur um die wirtschaftliche Dominaz und die Weltmärkte, auf diesem Altar wird betrogen, gelogen, getäuscht und getrickst und nun ist gerade mal VW mal an der Reihe.

  • Viel wichtiger als die Frage "wieviel" "der" "bekommt", ist die Frage wieviel an gesundem Menschenverstand ein Spitzenmann wie Müller mitbekommen hat, entweder durch gute Kinderstube, Erziehung, Selbstaneignung, oder ererbte bzw.erworbene Intelligenz

  • Auch wenn der viel zu viel bekommt, die Amerikaner kriegen noch mehr, schauen sie sich mal die Rankinglisten an, bei den TOP-20 waren gerade mal 2 Deutsche (einer davon Winterkorn), bei den TOP-Ten gar keiner

  • @herr richard roehl :
    >>domestizierten Tiger in die freie Wildbahn<<
    Wenn VW man überhaupt "Tiger" im Käfig hat!?!
    Jedenfalls kann man nach dieser betrieblichen Riesensauerei (so der Eindruck in weiten Teilen der Öffentlichkeit und in Fachkreisen) doch niemanden aus dem eigenen Stall/Käfig holen, um die ganze Angelegenheit dauerhaft und nachhaltig zu bereinigen.
    Das hat bei der Deutschen Bank nicht funktioniert und wird es bei VW erst recht nicht!

  • Was steht denn eigentlich in den amerikanischen Abgasvorschriften drin. Wenn da nämlich stehen sollte, dass das Auto im Test bestimmte Werte zu erfüllen hat, dann hat VW ja auch nicht geschummelt wenn die Softare sagt "ich bin nun im Testmodus". Vielleicht steht ja nirgendwo, dass die Werte auch im Betrieb auf der Strasse den Testwerten entsprechen müssen?

  • Als die Frage nach der "Ethik" kam, hätte Müller sofort und ohne Umstände darauf eingehen müssen, indem er diese Frage hätte bejahen müssen
    .
    "Selbstverständlich nicht nur eine" technische Seite des Problems" sondern auch eine "ethische", so hätte die Antwort lauten müssen, ganz gleich, was Müller denkt, wenn er für sich die Gesamtproblematik analysiert.

    Dummheit wird immer bestraft, nicht nur die Dummheit beim Schummeln sondern auch die Dummheit beim Geben von Interviews.

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