VW und Dieselgate Weil setzt Volkswagen ein Ultimatum

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil erhöht den Druck auf den VW-Konzern. Bis April sollen wichtige Antworten in der Abgasaffäre auf dem Tisch liegen, fordert er. Und was, wenn nicht? Das sagt Weil nicht.
Der niedersächsische Ministerpräsident macht in der Abgasaffäre Druck auf Volkswagen. Quelle: dpa
Stephan Weil

Der niedersächsische Ministerpräsident macht in der Abgasaffäre Druck auf Volkswagen.

(Foto: dpa)

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil hat Volkswagen drei Monate Zeit für eine umfassende Aufklärung der Gründe für den Diesel-Abgasskandal gegeben. Das sagte Weil in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wir haben im letzten Herbst die außerordentliche Hauptversammlung abgesagt, weil wir zum damaligen Zeitpunkt auf viele Fragen keine Antworten geben konnten. Im April wird es wieder viele Fragen geben, aber auf die wird es möglichst präzise Antworten geben müssen“, sagte Weil.

Das Land Niedersachsen ist der zweitgrößte Anteilseigner des führenden europäischen Autokonzerns. Der SPD-Politiker Weil sitzt im Volkswagen-Aufsichtsrat.

„Es gibt das sehr berechtigte Anliegen einer umfassenden Aufklärung, seitens der US- Behörden und seitens der Öffentlichkeit, aber auch seitens des Unternehmens selbst. Es ist auch im Interesse von VW, diese Angelegenheit vollumfänglich aufzuklären“, sagte Weil.

Seit Bekanntwerden der bewusst manipulierten Software etlicher Dieselmotoren aus dem Konzern hat Volkswagen immer wieder erklärt, es handele sich nicht um eine geplante oder vom Management verlangte Maßnahme. Vielmehr sei die Manipulation nur von einigen Ingenieuren betrieben worden.

Der vormalige VW-Chef Martin Winterkorn war im Zuge des Skandals zurückgetreten und einige leitende Ingenieure waren suspendiert worden. Sein Nachfolger Matthias Müller hatte die Angelegenheit vor Journalisten in den USA, wo der Skandal von den Behörden entdeckt worden war, mit im Nachhinein schwer kritisierten Worten beschrieben.

Weil unterstrich im Gespräch mit Bloomberg seine Unterstützung für Müller. „Das Interview von Herrn Müller hat in den Medien für Wellen gesorgt, aber ich unterscheide klar zwischen den Wellen in der Öffentlichkeit und der Substanz. Was die Substanz angeht, ist VW auf sehr klarem Kurs: Rückhaltlose Aufklärung, schnellstmögliche Wiederherstellung ordnungsgemäßer Bedingungen und konsequente Modernisierung“, sagte Weil. Für Volkswagen werde 2016 ein Jahr der Konsolidierung.

„VW hat bis September schwere Fehler gemacht, seitdem bin ich aber mit dem Krisenmanagement insgesamt zufrieden“, sagte der Ministerpräsident. Volkswagen verfüge überdies um die finanziellen Mittel, diese Krise ohne größere Stellenstreichungen durchzustehen.

Niedersachsen hält 20 Prozent an Volkswagen, das wichtigste Werk in Wolfsburg liegt im Bundesland. „Das Land Niedersachsen verfolgt eine langfristige Zielsetzung: Es geht uns nicht nur um Rendite, sondern um Arbeitsplätze und eine langfristige Stärkung der regionalen Wirtschaft. Diese Ziele stehen nicht im Gegensatz zueinander“, sagte Weil.

Diener vieler Herren
Wolfgang Porsche
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Als Aufsichtsratsvorsitzender der Familienholding Porsche SE vertritt er die Interessen der beiden Sippen Porsche und Piëch. Ohne und gegen sie läuft nichts bei Volkswagen.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)
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Er vertritt den Großaktionär Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat und sorgt sich vor allem um die Arbeitsplätze in seinem Land.

US-Justizministerin Loretta Lynch
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Die unbarmherzige Chefermittlerin hat schon Fifa-Chef Sepp Blatter zur Strecke gebracht – und zieht mit ihrer Klage gegen Volkswagen auch die Schlinge um Müllers Hals noch ein Stück enger.

VW-Markenchef Herbert Diess
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Unbelastet vom Abgasskandal steht der ehemalige BMW-Manager als Kronprinz für die Konzernspitze bereit, wenn Müller scheitern sollte.

Gina McCarthy, Chefin der US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA)
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Ihre Mitarbeiter fühlen sich von Volkswagen in der Dieselaffäre hingehalten und verschaukelt. Schon deshalb will sie VW nicht zu leicht davonkommen lassen.

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh
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Mächtiger Statthalter der IG Metall in Wolfsburg.

Patriarch Ferdinand Piëch
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Offiziell hat der langjährige Konzernlenker und Großaktionär kaum noch Einfluss bei Volkswagen – aber was heißt das schon bei einem wie Piëch?

Volkswagen habe zuletzt noch einmal betont, dass das Unternehmen fest zu seiner Stammbelegschaft stehe, sagte Weil, „und das begrüße ich. Ich wünsche mir, dass VW auch für betroffene Leiharbeiter eine Lösung findet“. Er sei im Kern mit der internen Entwicklung des Unternehmens in den letzten Monaten zufrieden. Es werde eine sehr systematische Neuausrichtung und Neuaufstellung betrieben, lobte Weil. „Ich bin zuversichtlich, dass wir später einmal sagen können, dass die Krise VW unter dem Strich stärker gemacht hat.“

  • Bloomberg
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