VW verschiebt Hauptversammlung Volkswagen verschafft sich mehr Zeit

VW muss wegen offener Fragen im Abgasskandal die Vorlage des Jahresabschlusses und auch die Hauptversammlung verschieben. Unklar ist offenbar, wie viel der Konzern für die Folgen von Dieselgate zurückstellen muss.
Update: 05.02.2016 - 14:55 Uhr

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FrankfurtZwei Termine standen bei Volkswagen fest im Finanzkalender. Am 10. März sollte die Bilanz des abgelaufenen Jahres präsentiert werden, am 21. April wollte man die Aktionäre auf der Hauptversammlung in Hannover über das abgelaufene Geschäftsjahr und die Kenntnisstand der internen Ermittlungen zur Abgas-Affäre informieren. Beide Termine wurden am Freitag verschoben.

„Zeitnah“ soll es nun neue Termine geben. Nach Informationen aus Konzernkreisen sollen beide Termine um etwas vier bis sechs Wochen nach hinten geschoben werden.

Als Begründung nannte der Wolfsburger Konzern offene Fragestellungen in Zusammenhang mit den Folgen der Abgasthematik und den daraus resultierenden Bewertungsfragen. Im Kern dürfte es dabei um die Frage gehen, was den Autobauer die Aufarbeitung des Diesel-Skandals kostet wird. Im vergangenen Jahr schon wurden dafür 6,7 Milliarden Euro zurückgestellt.

Analysten hatten jedoch stets die Befürchtung geäußert, dass diese Summe wohl nicht ausreichen dürfte. Erst am Freitag machten die Experten von Baader Helvea die Rechnung auf, dass die Gesamtsumme des Skandals den Konzern wohl 38 Milliarden Euro oder 75 Euro je Aktie kosten dürfte. Darin sind noch nicht die zivilrechtliche Klagen enthalten. Diese sehe man sich außerstande zu quantifizieren, hieß es.

Ohne den Diesel-Skandal würde das operative Ergebnis wohl auf dem Niveau des Vorjahres liegen, hieß es zudem. Im Geschäftsjahr 2014 waren das 12,7 Milliarden Euro. Auch hätte man dann wohl die einst prognostizierte Bandbreite einer operativen Rendite von 5,5 bis 6,5 Prozent erreicht. So aber dürfte unter dem Strich ein Milliardenverlust stehen. Bereits für das dritte Quartal des abgelaufenen Jahres – hier wurde die Affäre publik – stand hier ein Minus von rund 3,5 Milliarden Euro.

Unabhängig von den jetzt verschobenen Terminen für Bilanzvorlage und Hauptversammlung will VW trotzdem im April über die Hintergründe und Verantwortlichkeiten im Diesel-Skandal informieren. Ursprünglich sollte dies in Zusammenhang mit der Hauptversammlung geschehen. Die US-Kanzlei Jones Day, die intern mit der Aufarbeitung der Affäre befasst ist, legt Aufsichtsratskreisen zufolge zwar zu jeder Sitzung einen Zwischenbericht vor, von einem schlüssigen Gesamtbild sei man jedoch noch weit entfernt.

Die VW-Dachgesellschaft Porsche SE, die gut 50 Prozent der Stimmrechte an Europas größtem Autobauer hält, verschiebt ebenfalls die Vorstellung ihres Jahresabschlusses. Bisher war die Porsche SE von einem Konzernergebnis nach Steuern von 0,8 Milliarden Euro bis 1,8 Milliarden Euro für 2015 ausgegangen. Am Freitag betonte das Unternehmen erneut, diese Prognose stehe unter Vorbehalt. Die Bilanz-Pressekonferenz der Porsche SE war bisher für den 15. März und die Hauptversammlung für den 4. Mai geplant.

Wenn Hersteller selbst ihre besten Kunden sind
Mehr als nur Prozente
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Der deutsche Automarkt hat sich im Jahr 2015 positiv entwickelt. Auch für die Autokäufer waren satte Rabatte möglich, zeigt eine Studie des auf die Preisbeobachtung spezialisierte CAR-Institut (Center Automotive Research) der Universität Duisburg-Essen. Und auch die Zahl der Fahrzeuge, die Hersteller auf sich selbst zulassen, um sie danach günstiger zu verkaufen, hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Welche Marken selbst ihre besten Kunden waren...

Alleine im Dezember 2015, so stellt das Center Automotive Research fest, ließen die Autohersteller und Autohändler 70.189 PKW auf sich selber zu.
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Das entspracht einem Anteil von 30,4 Prozent aller Neuwagenzulassungen hierzulande. Der Hintergrund: Diese Eigenzulassungen tauchen nach einiger Zeit mit hohen Preisnachlässen als Tageszulassungen und junge Gebrauchtwagen wieder im Markt auf.

Foto: Kia Optima

Zurückhaltung bei den Premium-Marken
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Die deutschen Premiumriesen waren im Jahr 2015 besonders zurückhaltend: Audi (28,4 Prozent), BMW (23,9 Prozent) und Mercedes (25,6 Prozent) haben einen relativ geringen Anteil an Eigenzulassungen.

Keine Tricks bei Ford
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Aber auch im Volumengeschäft fallen zwei Marken durch ungeschönte Zahlen auf: Ford erreicht mit einer Eigenzulassungsquote von 23,1 Prozent sogar den Spitzenwert im Ranking. Aber auch die tschechische VW-Tochter Skoda schneidet mit 23,9 Prozent gut ab.

Der Marktführer gibt den Trend vor
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VW liegt (auf Rang 6) mit 30,7% Eigenzulassungsquote fast exakt auf dem Gesamt-Durchschnitt aller Hersteller.

Verkaufsförderung a la Rüsselsheim
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Bei Opel haben die Eigenzulassungen einen Anteil von 42 Prozent. Damit landen die Rüsselsheimer auf dem vorletzten Platz im Ranking. Im Dezember ging fast jeder zweite Opel an Händler, Autovermieter oder Hersteller. Dennoch hat sich der Hersteller im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um einen knappen Prozentpunkt verbessert.

Letzter im Ranking
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Nur Fiat - auf Rang 16 und damit Letzter des Vergleichs - betreibt das Prinzip der Rabattvermehrung durch Eigenzulassungen noch heftiger: Bei der italienischen Marke wurden zwischen Januar und November 2015 41,9 Prozent aller Neuwagen auf Hersteller oder Händler zugelassen. Gleichzeitig war Fiat aber auch die Marke, die in diesem Zeitraum die Eigenzulassungen am stärksten reduzierte (-2,8%).

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