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Rupert Stadler

Der Manager sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

(Foto: dpa)

VW Volkswagen trennt sich von Audi-Chef Stadler – behält Abfindung aber ein

Der VW-Konzern trennt sich nach wochenlanger Diskussion vom seinem Audi-Chef, Rupert Stadler. Der Abschied erfolgte einvernehmlich, wie es heißt.
Update: 03.10.2018 - 16:50 Uhr Kommentieren
VW: Volkswagen trennt sich von Audi-Chef Stadler Quelle: dpa
Rupert Stadler

Der Manager sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

(Foto: dpa)

Seit mehr als drei Monaten sitzt Audi-Chef Rupert Stadler nun schon in der Justizvollzugsanstalt Augsburg. Der Vorwurf der Staatsanwälte lautet: Betrugsverdacht wegen Dieselmanipulationen – und Verdunkelungsgefahr. Genauso lange haben Stadlers Anwälte mit dem VW-Aufsichtsrat über seinen Verbleib als Mitarbeiter des Konzerns verhandelt.

Nun besiegelte das Kontrollgremium auf einer Telefonkonferenz am Dienstag die Trennung: Stadler, 58 Jahre alt, werde seine Posten als Mitglied des Konzernvorstands und als Chef der Premiumtochter Audi AG mit sofortiger Wirkung räumen, teilte das Unternehmen mit.

Für Stadler – und Audi – geht damit ein langes Kapitel zu Ende. Seit Anfang 2007 stand der Bayer als Vorstandschef an der Spitze der Ingolstädter Volkswagen-Tochter. Unter ihm hat Audi zunächst einen strategisch klug angesetzten Aufschwung erlebt. Die VW-Tochter konnte sich neben Mercedes und BMW als dritter deutscher Premiumhersteller etablieren.

Doch zugleich erlebte Audi unter Stadler auch das dunkelste Kapitel seiner Unternehmensgeschichte: die Verstrickung in den Dieselskandal mit gewaltigen negativen Konsequenzen auf Image und Reputation. Ganz zu schweigen von den Milliarden, die Audi aufbringen muss, um den Skandal hinter sich zu lassen.

Stadlers Abgang geschehe zwar im Einvernehmen, doch eine Abfindung wird der Manager zunächst nicht erhalten. Nur nach einem Freispruch werde er diese ausbezahlt bekommen, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Ihm werde lediglich ein Betrag von deutlich unter einer Million Euro überwiesen, die für die vertraglich fixierte Wettbewerbsbeschränkung fällig sei. Auch nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft darf Stadler nicht sofort bei einem Wettbewerber aus der Autobranche anheuern.

Aus dem laufenden Vertrag hätte dem Audi-Chef eine Abfindung von knapp unter zehn Millionen Euro zugestanden, wie es in Konzernkreisen hieß. Sollte er angeklagt und verurteilt werden, müsste VW ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Schadensersatz verklagen. Dabei könnte der Konzern auf die einbehaltene Abfindung zurückgreifen.

Um eine gütliche Einigung zu erzielen, hatten die Anwälte von Stadler und der Aufsichtsrat mehrere Anläufe gebraucht. Ursprünglich hatte der VW-Aufsichtsrat die Verbindung zu dem langjährigen Audi-Chef schon Mitte September kappen wollen. Auf ihrer Sitzung waren die Aufseher aber zu keiner Entscheidung gekommen, sie vertagten sich auf Freitag vergangener Woche. Eine Lösung fanden sie aber nicht.

„Dabei war es schon Mitte September klar, dass wir uns trennen müssen“, hieß es im Umfeld des Gremiums.

Hinderlich für eine schnelle Lösung war, dass die Diskussion über die Abfindung für Stadler den Aufsichtsrat entzweit hatte. Dem Vernehmen nach waren die Vertreter der Familien Porsche und Piëch für einen generösen Umgang mit Stadler. Der Audi-Chef war für den Großaktionär einer der wichtigsten Vertrauten im VW-Konzern. Das Land Niedersachsen hingegen, der zweitgrößte Anteilseigner, hatte indes auf seinen Rauswurf gedrängt. Damit hätte VW ein Zeichen setzen können, hieß es.

Stadler will sich auf seine Verteidigung konzentrieren

Am Dienstag schlossen die Beteiligten einen Kompromiss. Die komplette Auszahlung der Abfindung wird an einen Freispruch gekoppelt, einem kalten Rauswurf entgeht der bisherige Audi-Chef damit. Der VW-Aufsichtsrat begründete in seiner offiziellen Stellungnahme den Rückzug Stadlers damit, dass er wegen der Untersuchungshaft sein Amt als Vorstandsvorsitzender nicht ausüben könne und sich auf seine Verteidigung konzentrieren wolle.

Das Ausscheiden Stadlers könnte aus Sicht des Betriebsrats ein Befreiungsschlag für Audi werden. „Für die Belegschaft bedeutet die heutige Entscheidung endlich mehr Klarheit. Nun muss unsere gesamte Konzentration auf dem bereits erfolgreich eingeleiteten Neustart liegen, den wir Arbeitnehmervertreter gefordert hatten“, sagt Audi-Betriebsratschef Peter Mosch.

Stadler soll dem Vernehmen nach nicht direkt an dem Betrug mit Dieselautos beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm aber eine Mitwisserschaft vor. Zudem soll er versucht haben, Zeugen zu beeinflussen. Stadler weist die Vorwürfe nach früheren Angaben mit Nachdruck zurück.

Den Vorstandskollegen fällt dies alles nicht leicht. „Rupert Stadler kenne ich seit Jahren als Kollegen, und ich habe ihn in der Dieselkrise als Aufklärer wahrgenommen“, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess im August in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Persönlich hoffe er, dass Stadler bald aus der Untersuchungshaft herauskommen werde. Daraus ist bislang nichts geworden.

Stadler hat versucht, per Haftbeschwerde seine Freilassung zu erreichen. Das Landgericht München wies dies Mitte August zurück. Jetzt versucht er es ein zweites Mal vor dem Oberlandesgericht.

Stadler könnte darauf hoffen, dass er spätestens nach sechs Monaten wieder freikommt. Das wäre kurz vor Weihnachten. Dann zeigen sich die Justizbehörden manchmal gnädig.

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