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VW vor der Hauptversammlung „Martin Winterkorn ist gefestigt“

Einen Tag vor der Hauptversammlung stärken Aktionärsschützer Volkswagen-Chef Martin Winterkorn den Rücken. Die Diskussion um ihn halten sie für „unprofessionell“. Doch welche Rolle spielt Ferdinand Piëch morgen?
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Wie angeschlagen ist der VW-Chef nach dem öffentlichen Vertrauensentzug? Quelle: dpa
Martin Winterkorn

Wie angeschlagen ist der VW-Chef nach dem öffentlichen Vertrauensentzug?

(Foto: dpa)

DüsseldorfHauptversammlungen, selbst von Dax-Konzernen, sind meist recht langweilig. Auch das letztjährige Aktionärstreffen von Volkswagen war wenig spektakulär. Zwar gab es die bekannten Vorwürfe zur schon länger zurückliegenden Übernahme des Sportwagenbauers Porsche durch VW, die noch immer die Gerichte beschäftigt. Auch waren kritische Stimmen zur Höhe der Vorstandsvergütung zu hören. Von den meisten Rednern aber kamen Lobesworte. Und so lehnte der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch im Mai 2014, zu seiner Rechten Vorstandschef Martin Winterkorn, entspannt auf dem zurückgeschobenen Stuhl.

Dieses Jahr ist alles anders. Wenn die Aktionäre von Volkswagen am Dienstag um zehn Uhr auf dem Messegelände in Hannover zusammenkommen, fängt es damit an, dass der Mann, der den nach Toyota zweitgrößten Autobauer der Welt in den vergangenen Jahrzehnten prägte wie sonst niemand, auf dem Podium fehlen wird: Ferdinand Piëch.

Mit dem Satz „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ entfachte Piëch vor drei Wochen eine Führungsdiskussion bei dem Wolfsburger Konzern, die ihren vorläufigen Höhepunkt in dem überraschenden Rücktritt des 78-Jährigen und seiner Frau Ursula aus dem VW-Aufsichtsrat fand. Den Vorsitz des Kontrollgremiums übernahm vorübergehend Vize Berthold Huber, der frühere Chef der IG Metall. Er wird die Hauptversammlung am Dienstag leiten, die turbulent werden könnte. Einige Aktionäre dürften die Gelegenheit nutzen, ihrem Ärger Luft zu machen.

Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), erwartet in Hannover „viele Wortmeldungen zum Themenkomplex Piëch – Winterkorn“. Wer jedoch wissen wolle, wie Piëch künftig mit seinem Anteilsbesitz umgehe, sei auf der Hauptversammlung von Volkswagen falsch.

„Das wird, wenn überhaupt, auf dem Aktionärstreffen der Porsche SE am 13. Mai zu sehen sein“, sagt Hocker dem Handelsblatt. „Denn direkt beteiligt ist die Familie Piëch an der Porsche SE, nicht an Volkswagen.“ Die Porsche SE wiederum hält knapp 51 Prozent der Stimmrechte an der Volkswagen AG.

Nach Piëchs abruptem Rückzug als oberster VW-Kontrolleur fragen sich viele, ob er nun einen Teil oder sogar alle Aktien verkauft. In der Porsche SE ist Piëch weiterhin Mitglied im Aufsichtsrat, den sein Cousin Wolfgang Porsche führt.

Und Winterkorn? Wie angeschlagen ist der VW-Chef nach dem öffentlichen Vertrauensentzug? „Die Kritik von Ferdinand Piëch dürfte sicherlich an Martin Winterkorn hängen bleiben“, erwartet Daniel Bauer, Mitglied im Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Sollte Volkswagen in den kommenden Quartalen jedoch Erfolge vorweisen können, dann würde die Kritik aber auch schnell wieder vergessen und Winterkorn sogar der neue starke Mann bei VW sein.

„Martin Winterkorns Position im Unternehmen ist gefestigt – gerade nach der Zusage, seinen Vertrag zu verlängern“, so DSW-Präsident Hocker. Klar sei aber: „Die ganze Debatte war unprofessionell und überflüssig.“ Ingo Speich, Portfoliomanager bei Union Investment, kritisiert. „Es ist immer ein Governance-Risiko, wenn die Macht in einem Unternehmen auf wenige Köpfe konzentriert ist. Deshalb wäre es sehr zu begrüßen, wenn sich die Führung bei VW stärker in Richtung eines Teamansatzes bewegt.“

Piëch dürfte weiter Einfluss auf VW haben

Piëch nörgelt über neuen Aufsichtsrat: Zu unerfahren

Auch wenn Ferdinand Piëch nicht mehr an der Spitze des VW-Aufsichtsrats steht, er dürfte weiterhin wesentlichen Einfluss auf Volkswagen haben. Schließlich ist er einer der größten Anteilseigner. „VW wird strategisch nichts unternehmen, was Ferdinand Piëchs Linie diametral widerspricht“, ist Union-Investment-Manager Speich überzeugt.

Für DSW-Präsident Hocker gehört Piëch zu den erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten Deutschlands. Er sieht ihn in einer Reihe mit Männern wie Henry Ford oder auch „Käfer“-Konstrukteur Ferdinand Porsche. Die Auswirkungen seines Rücktritts werden sich aber wohl in Grenzen halten. „Trotzdem wird die Erfolgsgeschichte von Volkswagen – nicht zuletzt wegen der guten strategischen Vorarbeit Piëchs – auch in Zukunft weitergehen“, meint Hocker. Und auch SdK-Vorstand Bauer warnt, den Abgang Piëchs überzubewerten. „Auch wenn die unzweifelhafte Kompetenz von Ferdinand Piëch sicherlich fehlen wird.“

Immerhin ist das 20-köpfige Kontrollgremium von Volkswagen pünktlich zur Hauptversammlung wieder komplett: So werden Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34), beides Nichten von Ferdinand Piëch, am Dienstag erstmals in den Reihen der VW-Aufsichtsräte Platz nehmen. „Spannend wird jetzt sein, wer den Vorsitz übernimmt, den zurzeit ja Berthold Huber kommissarisch innehat“, sagt DSW-Präsident Hocker.

„Der ideale Kandidat braucht hohe Automobilexpertise und Autorität“, sagt Union-Investment-Manager Speich. Ob sich der in den Reihen des Aufsichtsrats von Volkswagen finden lässt, ist unklar. Das könnte dafür sprechen, dass Huber noch etwas länger an der Spitze des Kontrollgremiums bleibt. Piëch selbst soll zwei eigene Kandidaten ins Spiel gebracht haben: Die Ex-Siemens-Vorständin Brigitte Ederer sowie den früheren BMW-Manager und langjährigen Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der heute den Aufsichtsrat des Zulieferers Continental führt.

Für eine breite Kritik am Geschäft bietet Volkswagen auf der Hauptversammlung am Dienstag wenig Anlass. Operativ habe der Konzern zuletzt gute Zahlen vorgelegt, analysiert SdK-Vorstand Bauer. Auch wenn dies nicht pauschal gelte. „Einzelne der zwölf Marken sind in bestimmten Märkten nicht sehr erfolgreich und haben im Vergleich mit den wesentlichen Konkurrenten auch noch zu hohe Kosten.“ Insgesamt aber könne man mit der Leistung auf alle Fälle zufrieden sein.

„Das Unternehmen steht gut da, das zeigt auch das kürzlich vorgelegte Quartalsergebnis“, sagt DSW-Präsident Hocker. So setzte der Wolfsburger Konzern in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres knapp 53 Milliarden Euro um und damit gut zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Verdient hat Volkswagen von Januar bis März 2,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Gewinnsprung von fast 20 Prozent. „Die Effizienzmaßnahmen zeigen erste Wirkung“, bemerkt Hocker. „Hier muss Volkswagen aber weiter dranbleiben.“

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3 Kommentare zu "VW vor der Hauptversammlung: „Martin Winterkorn ist gefestigt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das ist der Anfang vom VW Ende!.
    In 10 Jahren erwartet uns eine Rückentwicklung zum Mittelmaß (kein Konzern mehr, sondern ein Kolchos, wird die Folge)
    Derjenige, der sucht Schutz für seine Verfehlungen in der Politik, der hat nicht verdient zu bleiben.
    Alles andere ist irrelevanter Quatsch!

  • Modellpaletten- u. Fertigungstiefen im unwirtschaftlichen Bereich mit kleinst Stückzahlen lassen keine höhere Rendite zu. Hier gehört der Hebel radikal angesetzt. Nicht Stückzahl über allem ... sondern Rendite. So sah es bereits der Prof. Porsche!!!

  • Über knapp 20 Jahre habe ich die VW-Werke besucht und kann bestätigen: Der Alte wurde tatsächlich gefürchtet. Aber nicht so sehr wegen seines Mangels an Harmoniebedürftigkeit als viel mehr wegen seines messerscharf-versierten Sachverstandes. Dazu kam sein Anspruch, Weltklasse oder Nichts! Nur so wurde - gegen jede bisherige Branchenweisheit - die Fuge doch noch beherrschbar. Es folgten Plattformen und MQB...Vermutlich noch weit wichtiger als die Durchsetzung solcher produktionstechnologischer Konzepte war sein imanener Ehrgeiz, der Qua Natura jede Form von Selbstzufriedenheit gänzlich ausschloss. Hieran sind schon manche angestellte Fürsten auf C-Level gestolpert. Ob dies Winterkorn auch gelingen wird, muss in der Tat bezweifelt werden. Unter seiner Führung wurden schon bisher zu viele Kompromisse gemacht: Nicht nur die zu hohe Kostenstruktur, der schleppender USA-Aufbau und die zu grosse Fertigungstiefe mit sehr hohen Lohnstrukturen sind hier zu sehen. Auch die vielen "Professoren-Titel, h.c. "widersprechen dem Geiste eines FP).
    VW sollte eben nicht zufrieden sein mit sich selber. Im Gegenteil. Ein Piech würde im AR dafür sorgen, dass man Toyota erst einmal auch auf EBIT-Line die Stirn bieten kann... und dann die Jahre zählen, die man an der Automobilspitze hinlegt.

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