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Waffenhersteller C.G. Haenel soll neues Sturmgewehr liefern – und sticht Heckler & Koch aus

Die Thüringer Waffenschmiede C. G. Haenel soll das neue Sturmgewehr der Bundeswehr liefern. Der unterlegene Rivale Heckler & Koch prüft eine Klage.
14.09.2020 Update: 15.09.2020 - 17:14 Uhr 2 Kommentare
Haenel liefert bereits ein Scharfschützengewehr an die Bundeswehr. Quelle: dpa
Soldaten mit G36

Haenel liefert bereits ein Scharfschützengewehr an die Bundeswehr.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Antwort des unterlegenen Rivalen Heckler & Koch ließ nicht lange auf sich warten. Bereits am Morgen, nachdem der Waffenbauer aus Oberndorf die Ausschreibung für das neue Sturmgewehr der Bundeswehr an den Thüringer Konkurrenten C. G. Haenel verloren hatte, kündigte Heckler-&-Koch-Vorstandschef Bodo Koch eine rechtliche Untersuchung der Vergabe an. „Wir werden die Entscheidung nun juristisch ausführlich prüfen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagte der Manager.

Für den Traditionslieferanten der Bundeswehr ist die Entscheidung eine herbe Niederlage. Denn neben dem Auftragsvolumen von knapp 250 Millionen Euro geht es für Heckler & Koch auch ums Prestige: Schon seit den 1960er-Jahren beliefert Heckler & Koch die deutsche Armee mit Sturmgewehren, das aktuelle Modell G36 wird in der Truppe liebevoll „Braut des Soldaten“ genannt. Doch als 2012 Präzisionsmängel beim Schießen unter hohen Temperaturen bekannt geworden waren, hatte die Bundeswehr den Auftrag neu ausgeschrieben.

Dass dabei mit C. G. Haenel nun ein in der Öffentlichkeit relativ unbekannter Außenseiter das Rennen gemacht hat, sorgte in Branchenkreisen für Überraschung. Denn bislang galt die Vergabe des Auftrags an Heckler & Koch als gesetzt. So hatte sich unter anderem der Eckernförder Waffenbauer Sig Sauer aus dem Verfahren zurückgezogen, weil er sich gegenüber Heckler & Koch benachteiligt sah.

Am Ende jedoch habe der Konkurrent Haenel eine Waffe vorgelegt, die sich in umfangreichen Tests als etwas besser auf die Anforderungen des Militärs zugeschnitten und auch als wirtschaftlich vorteilhaft erwiesen habe, zitierte die Nachrichtenagentur dpa am Montag aus Militärkreisen. Das Unternehmen aus dem thüringischen Suhl beliefert die Bundeswehr bereits mit Scharfschützengewehren, mit dem nun erfolgten Auftrag kommen noch einmal 120.000 Sturmgewehre, Modell MK 556, dazu.

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Standort erkennen

    Bis Ende des Jahres soll der Bundestag der Entscheidung zustimmen. Dabei ist zu erwarten, dass die Eigentümerstruktur von Haenel noch für Diskussionen sorgen wird. Denn der Mutterkonzern Merkel, der seit mehr als 100 Jahren ebenfalls in Suhl Jagd- und Sportwaffen herstellt, gehört seit 2007 dem Kleinwaffenhersteller Caracal mit Sitz in Abu Dhabi. Dessen Eigentümer wiederum ist Tawazun, ein Staatskonzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

    Leichtgewicht in der Branche

    Bereits am Dienstag forderte daher der Sicherheitsexperte der Grünen, Tobias Lindner, in einem Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, das Verteidigungsministerium müsse nachvollziehbar darlegen, wie es zu der Auswahl gekommen sei. Es müsse sichergestellt werden, dass es in der Firma ein Sicherheitsabkommen gebe, das verhindere, dass Technologie ins Ausland abfließt, sagte der Politiker mit Blick auf die Eigentümerschaft der Firma.

    Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 7,1 Millionen Euro (2018) zählt Haenel zu den Leichtgewichten der Branche. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 1840, als der preußische Gewehrfabrikskommissar in Suhl mit der Produktion von Fahrrädern und Waffen begann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk von den Alliierten weitgehend demontiert und der Sowjetunion übergeben.

    Ende der 1960er-Jahre nahm die DDR die Waffenproduktion in Suhl wieder auf. Bis zur Wende produzierte das Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ hier Zweiräder (Simson) und Gewehre unter verschiedenen Markennamen, bis die einzelnen Unternehmensteile nach der Wiedervereinigung von der Treuhandanstalt übernommen und privatisiert wurden.

    Nach mehreren Eigentümerwechseln landete die Nachfolgegesellschaft Jagd- und Sportwaffen Suhl 2003 schließlich bei Heckler & Koch. Vier Jahre später trennten sich die Oberndorfer wieder von dem Unternehmen, das damals für einen zweistelligen Millionenbetrag in den Besitz von Caracal überging.

    Erst 2007 ließ die Merkel-Gruppe den Firmennamen „Haenel“ im Niedrigpreissegment wieder aufleben. Heute ist die Marke vor allem Sport- und Jagdschützen ein Begriff. Von den einst 690 Beschäftigten in den Suhler Waffenwerken der DDR sind nach den vielen Eigentümerwechseln noch rund 120 Mitarbeiter übrig.

    Bei dem Auftrag der Bundeswehr dürfte es sich für Haenel um den größten der Firmengeschichte handeln. Das Unternehmen wollte sich zu der Ausschreibung selbst nicht äußern und verwies auf die Mitteilung des Bundesverteidigungsministeriums.

    Mehr: Bei Heckler & Koch tobt ein Zweikampf um die Macht

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    2 Kommentare zu "Waffenhersteller : C.G. Haenel soll neues Sturmgewehr liefern – und sticht Heckler & Koch aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das G36 darf sich Frau v.d. Leyen an ihre Trophäenwand hängen - das war wohl mehr ein politischer als ein sachlicher Abschuss.
      Aus der Truppe geb es keine negativen Meldungen dazu. Schon seltsam. Hat da vielleicht eine der vielen Beraterinnen dran geschraubt?

    • Hoffentlich durften das auch die Soldaten nach intensiver Überprüfung entscheiden??

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