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Waffenhersteller Heckler & Koch sieht einen Ausweg aus der Dauerkrise

Der hochverschuldete Waffenhersteller will endlich wieder schwarze Zahlen schreiben. Erstmals waren auf der Hauptversammlung Journalisten zugelassen.
Update: 12.07.2019 - 17:19 Uhr Kommentieren
Der Firmenchef begründet die bessere Lage mit Kostensenkungen und verbesserten Arbeitsabläufen sowie mit vollen Auftragsbüchern. Quelle: dpa
Waffenproduzent Heckler & Koch

Der Firmenchef begründet die bessere Lage mit Kostensenkungen und verbesserten Arbeitsabläufen sowie mit vollen Auftragsbüchern.

(Foto: dpa)

Rottweil Die Waffenschmiede Heckler & Koch (HK) hat am Freitag erstmals Journalisten zu seiner Hauptversammlung zugelassen. „Wir wollen transparenter werden“, sagte Vorstandschef Jens Bodo Koch in Rottweil. Zudem versuchte der seit einem Jahr amtierende Vorstandschef, mit der Aussicht auf eine Rückkehr in die Gewinnzone zu punkten: „Wir sind wieder auf Kurs.“

Man habe im ersten Halbjahr 2019 einen Gewinn erzielt und sei auch für das Gesamtjahr „verhalten optimistisch“, sagte Koch. Eine Zahl für das Nachsteuerergebnis nannte er trotz Transparenzoffensive nicht.

Im Gesamtjahr 2017 hatte der Verlust bei 13 Millionen Euro und 2018 bei acht Millionen Euro gelegen. Der Umsatz sei im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 15 Prozent auf rund 127 Millionen Euro geklettert, sagte der Firmenchef. Er begründete die bessere Lage mit Kostensenkungen und verbesserten Arbeitsabläufen sowie mit vollen Auftragsbüchern.

Die Arbeitnehmer hatten zuletzt einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit um zweieinhalb Stunden ohne Lohnausgleich zugestimmt. Laut Koch wurde die Zahl der hochrangigen Führungskräfte von mehr als 50 auf 40 reduziert. Die Kosten würden unter anderem dadurch pro Jahr um zwei Millionen Euro gesenkt.

Das Aktionärstreffen in einem historischen Industriegebiet im Neckartal bei Rottweil bleibt eine ungewöhnliche Veranstaltung. Kleinaktionäre sind vor allem Vertreter der Friedensbewegung. Einfluss haben sie keinen, die Mehrheit des Kapitals wird von dem geheimnisumwitterten Finanzinvestor Andreas Heeschen kontrolliert, der wiederum nicht anwesend war.

Auch der neue Aufsichtsratschef Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, war noch nicht anwesend. Er bekam trotzdem wie erwartet eine deutliche Mehrheit für den Einzug in den Aufsichtsrat. In einem weiteren Schritt soll Kujat zum Vorsitzenden des dreiköpfigen Gremiums bestimmt werden.

Durch die Hauptversammlung führte Aufsichtsratsmitglied und Wirtschaftsprüfer Martin Sorg. In den vergangenen Jahren gab es häufige Wechsel in den Führungsgremien des Traditionsunternehmens. Auch das schaffte Misstrauen bei den Kleinaktionären.

Mit dem 77-Jährigen Ex-Militär Kujat verbinden sich Hoffnungen des Unternehmens, beim anstehenden Großauftrag für das Nachfolgemodell der Bundeswehr-Standardwaffe G36 zum Zuge zu kommen. Der Auftrag gilt in der Branche für HK als überlebenswichtig.

Schuldenberg lastet auf dem Unternehmen

Als erster Aktionär redete Friedensaktivist Jürgen Grässlin und lobte die neue Transparenz, hakte aber sofort nach mit der Frage, wie hoch die Verschuldung jetzt über sechs Monate nach dem Bilanzstichtag sei.

Heckler & Koch ist seit Jahren unter Druck, der Schuldenberg war zum Jahreswechsel mit 235 Millionen Euro für ein Unternehmen der Größenordnung zu hoch, wie auch der neue Finanzchef in seiner Rede einräumte. Einen Anteil von 140 Millionen Euro der Schulden rechnet das Management den Eigentümern zu. Immer wieder gibt es Spekulationen, dass der Hauptaktionär seine Aktien für die Kredite verpfändet hat.

Die 70 Jahre alte Firma mit rund 900 Mitarbeitern stellt Pistolen, Sturmgewehre und andere Handfeuerwaffen her. Großkunden sind unter anderem die Bundeswehr sowie Frankreichs Armee. Das Unternehmen hatte angekündigt, seine Waffen nicht mehr in Krisengebiete zu liefern. Heckler & Koch musste nach einem Verfahren wegen illegaler Waffenexporte nach Mexiko gegen Beschäftigte des Unternehmens im Februar ein Bußgeld von 3,7 Millionen Euro zahlen.

Das Eigenkapital des Unternehmens ist im Konzern negativ, wie der Vorstand einräumte. Auch die Wirtschaftsprüfer hatten in ihrem Testat unter bestimmten Umständen sogar von einer „Bestandsgefährdung“ gewarnt.

Firmenchef Jens Bodo Koch und Finanzvorstand Björn Krönert sind zwar zuversichtlich, „eine deutliche Erhöhung in der Gesamtleistung, eine Verbesserung der Eigenkapitalposition und eine Reduzierung der Verschuldung“ zu erreichen. „Wir haben aber noch Herausforderungen“, sagte Koch.

Das gilt auch bei der Verpflichtung, nicht mehr in Krisengebiete zu liefern. Kleinaktionäre fragten intensiv nach Lieferungen nach Brasilien und in den arabischen Raum. „Wir haben Südamerika von unserer Landkarte gestrichen“, sagte Koch am Rande der Veranstaltung als vertrauensbildende Maßnahme. Er kündigte an, die neue Offenheit fortzusetzen.

Mehr: Zahlungen an eine Briefkastenfirma überschatten einen Megadeal des Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann. Es ist von mindestens 28 Millionen Euro die Rede.

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