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Raketenstart in Russland

Mit der Übernahme des Forschungsunternehmens Molnija, zu Deutsch „Blitz“, will Kalaschnikow künftig auch Trägerraketen für die Raumfahrt entwickeln.

(Foto: Reuters)

Waffenhersteller Kalaschnikow zielt auf den Weltraum

Hightech statt AK-47: Der russische Waffenhersteller Kalaschnikow setzt auf Weltraumtechnik – und will Elon Musk nacheifern.
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MoskauKalaschnikow, der weltweit wohl bekannteste Hersteller von Schusswaffen, steigt in die Luft- und Raumfahrt ein. Der Konzern übernimmt die Kontrolle beim Forschungsunternehmen Molnija, zu Deutsch „Blitz“. Kalaschnikow kauft 60 Prozent der Firma von der staatlichen Rüstungsholding Rostech um den Putin-Vertrauten Sergej Tschemesow. Das Geschäft soll bis Ende April abgeschlossen werden. Über die Kaufsumme wurde nichts bekannt.

Molnija verwirklichte einst das teuerste Projekt im sowjetischen Raumfahrtprogramm: die Entwicklung der Weltraumfähre Buran, die als Antwort auf die amerikanischen Space Shuttles gedacht war. Nach dem Ende der Sowjetunion und nach nur einem unbemannten Flug der Raumfähre wurde das Buran-Programm 1993 wegen Geldmangel eingestellt. Die finanziellen Schwierigkeiten verfolgen Molnija bis heute. Seit 2010 befindet sich das Unternehmen im Insolvenzverfahren.

Doch Molnija zählt wegen seiner Hochtechnologien zu den strategisch wichtigen Unternehmen des Landes. Präsident Wladimir Putin hat Rostech beauftragt, den Bankrott um jeden Preis zu verhindern. Laut Rostech-Vizechef Alexander Nasarow ist der Verkauf an Kalaschnikow als Rettungsmaßnahme gedacht.

Kalaschnikow verbindet mit der Übernahme handfeste wirtschaftliche Interessen: Der Konzern will in erster Linie die von Molnija entwickelten autonomen Raketen-Zielkörper „Strisch“ und „Armawir“ haben. Diese können feindliche Marschflugkörper simulieren und sich in einer Höhe zwischen 300 und 18.000 Metern bewegen. Damit dienen sie den Luft- und Raketenabwehreinheiten als Zielscheiben.

Konzernchef Andrej Kriworutschko erklärte, dass Kalaschnikow nun Neuentwicklungen möglich seien. Neben solchen fliegenden Zielscheiben nannte Kriworutschko auch die Entwicklung von mehrfach verwendbaren Flugapparaten für die Raumfahrt als Ziel, wie es Elon Musk mit seiner „Falcon Heavy“ vormacht.

Die Firma Kalaschnikow existiert bereits seit über 200 Jahren, ursprünglich unter dem Namen „Ischewsker Waffenfabrik“. Seinen heutigen Namen verdankt der Konzern dem Ingenieur Michail Kalaschnikow, der 1947 das erste nach ihm benannte Schnellfeuergewehr entwickelte – kurz AK-47.

Bis heute ist die Kalaschnikow die weltweit meistverkaufte automatische Handfeuerwaffe. Mit ihrer einfachen Bauweise und unkomplizierten Wartung bei zugleich hoher Zuverlässigkeit und Durchschlagskraft wurde das 7,62-Millimeter-Sturmgewehr in vielen Armeen – speziell zu Zeiten des Kalten Kriegs im Warschauer Pakt – zur Standardwaffe. Schätzungsweise 80 bis 100 Millionen Exemplare verschiedener Modelle wurden inzwischen produziert, teilweise auch als unlizenzierte Nachbauten.

Wo Russlands Raumfahrtstolz verrottet
Raumfähre Buran
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Sie war die sowjetische Antwort auf die Spaceshuttles der Nasa. Doch anders als ihr US-Gegenstück kam die russische Raumfähre Buran bis auf einen einzigen Testflug nie zum Einsatz. 1993 wurde das Raumfährenprogramm offiziell eingestellt. Seither verrottet der einstige Stolz der russischen Raumfahrt in  einer riesigen Halle auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan.

(Foto: Ralph Mirebs)
Vom Himmel abgeschnitten
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Vor mehr als zwei Jahrzehnten schlossen sich die schweren Schiebetüren der Halle das letzte Mal hinter zwei der Raumfahrzeuge.

(Foto: Ralph Mirebs)
Zwei Modelle
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Bei den beiden Raumfähren handelt es sich um ein flugfähiges Modell sowie eine Attrappe für Startsimulationen.

(Foto: Ralph Mirebs)
Letzte Ruhestätte
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Der Ort, von dem aus die Raumfähren ihren Weg ins All antreten sollten, ist jetzt ihr Sarg geworden. Die Anlage gehört zu den größten Gebäuden in Baikonur. 132 Meter  lang und 62 Meter hoch. Die Tore sind 42 mal 36 Meter groß, damit die Raumfähren auf ihrem Transportträger passieren konnten.

(Foto: Ralph Mirebs)
Anlage aus Spezialstahl
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Unterstützende Strukturen der Anlage sind  aus Spezialstahl und mussten dem Druck der Stoßwelle widerstehen, falls eine der schweren Trägerraketen am nahegelegenen Startplatz explodieren sollte.

(Foto: Ralph Mirebs)
Kräne unter der Decke
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Unter der Decke bewegten sich an Querträgern Kräne mit  einer Tragkraft von 400 Tonnen.

(Foto: Ralph Mirebs)
Schlechter Zustand
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Die Jahre sind an den Raumschiffen nicht spurlos vorübergegangen, ihr aktueller Zustand ist bedauernswert. Ein Teil der Wärmeschutzplatten ist abgefallen, Kabinenfenster sind zerbrochen

(Foto: Ralph Mirebs)

Michail Kalaschnikow wurde 94 Jahre alt und lebte bis 2013. Sein Sohn Viktor, der ebenfalls als einer der leitenden Waffenkonstrukteure in dem Konzern arbeitete, starb gerade am vergangenen Dienstag.

Umorientiert hatte sich der Konzern bereits vorher. Kalaschnikow ist zwar immer noch der größte Produzent von Schusswaffen für den militärischen und den zivilen Gebrauch, etwa bei Jagdgewehren. Doch im Zuge der Modernisierung hat der seit 2014 auf westlichen Sanktionslisten stehende Konzern seine Produktpalette inzwischen auch auf ferngesteuerte Kampfmodule, Drohnen und sogar Motorboote ausgebaut. Durchaus erfolgreich, denn der Konzern schreibt wieder Gewinne.

Zugleich ist Kalaschnikow fast still und heimlich von einem Staatsbetrieb zu einem mehrheitlich privaten Rüstungsunternehmen mutiert. Die Mehrheit der Aktien, nämlich 75 Prozent minus eine Aktie, hält ein kremlnahes Oligarchen-Konsortium um Andrej Bokarjow und Iskander Machmudow. Der russische Staat hält über Rostech allerdings immer noch eine Sperrminorität, so dass der militärstrategisch wichtige Konzern weiter unter Kontrolle des Kremls ist.

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