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Waffenproduzent US-Chef von Sig Sauer wegen illegaler Waffenexporte vor Bewährungsstrafe

Der CEO der Amerikatochter des Waffenherstellers steht in Kiel vor Gericht. Es geht um den Export von 38.000 Pistolen nach Kolumbien.
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Zuletzt gelang es Manager Ron C. sogar, einen 500 Millionen Euro schweren Großauftrag für die US-Army an Land zu ziehen. Quelle: AP
Sig Sauer

Zuletzt gelang es Manager Ron C. sogar, einen 500 Millionen Euro schweren Großauftrag für die US-Army an Land zu ziehen.

(Foto: AP)

BerlinDie beiden Männer, die am Dienstagmorgen im ovalen Schwurgerichtssaal 232 des Landgerichts Kiel auf der Anklagebank Platz nahmen, verbindet eine lange Geschäftsbeziehung. Michael L., 63, ist einer der Eigentümer der Sig-Sauer-Gruppe, ein Konglomerat von Waffenfirmen. Deren Dachgesellschaft sitzt in Emsdetten bei Münster. Der 57-jährige Ron C. ist sein wohl erfolgreichster Manager.

Der Amerikaner übernahm 2005 die Leitung der Sig Sauer Inc. in den USA. Der Waffenproduzent siechte damals in den Staaten vor sich hin. Aus einer Bude mit 75 Mitarbeitern und finanziellen Sorgen formte der neue Chef eine florierende Waffenfabrik.

Heute bauen 1200 Mitarbeiter im Bundesstaat New Hampshire jedes Jahr Hunderttausende Kleinwaffen. Zuletzt gelang es Ron C. sogar, einen 500 Millionen Euro schweren Großauftrag für die US-Army an Land zu ziehen.

Doch in der heißen Phase der Expansion 2009 bis 2011 sollen Ron C. und Michael L. zu weit gegangen sein. Das jedenfalls glaubt die Kieler Staatsanwaltschaft. Sie wirft ihnen und einem dritten ehemaligen Kollegen vor, 38.000 Pistolen vom Typ SP2022 für elf Millionen Euro aus Deutschland nach Kolumbien geliefert zu haben – über den Umweg USA, aber ohne Genehmigung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Kolumbien hätte als Krisenregion mit bewaffneten Konflikten keine Zustimmung erhalten. Ein Verstoß gegen die Ausfuhrbestimmungen kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Hintergrund der Lieferung war ein Hilfsprogramm der US-Regierung im Drogenkrieg. Sig Sauer Inc. sollte kolumbianische Behörden mit Pistolen ausstatten. Laut US-Radiosender NHPR ging es um mehr als 100.000 Waffen für 300 Millionen Dollar. „Die Angeklagten kannten die Kapazitäten in den USA und Eckernförde. Sie wussten, dass Sig Sauer für die Erfüllung des US-Auftrags auf Produktion in Eckernförde angewiesen war“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Welz.

Der Schwurgerichtssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Welz die Anklageschrift verlas. Der US-Manager rührte sich kaum, während ihm seine Dolmetscherin die Übersetzung ins Ohr flüsterte. Als der Oberstaatsanwalt nach einer halben Stunde fertig war, ging es überraschend schnell. Im Februar habe es ein Erörterungsgespräch mit den Parteien gegeben, sagte der Vorsitzende Richter der Kammer, Markus Richter.

Es stünden Strafen von zwischen 18 und 22 Monaten im Raum, wenn sie ein Geständnis ablegten. Der dritte Angeklagte könne sechs bis zwölf Monate erhalten. Alle Strafen würden zur Bewährung ausgesetzt.

Das könnte ein verlockendes Angebot für die Angeklagten sein. Der Amerikaner müsste nicht über Monate von New Hampshire zur Hauptverhandlung nach Kiel pendeln – und die unappetitliche Geschichte wäre schnell vom Tisch.

Der öffentliche Druck ist groß. Im Gerichtssaal saßen Friedensaktivisten von „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“, Greenpeace und Terre des Hommes. Das Kinderhilfswerk ließ ein Dossier erstellen, wie leicht Sig-Sauer-Pistolen in Kolumbien in falsche Hände geraten. „Paramilitärs, Guerilla, Drogenkartelle, Kriminelle und Armeeangehörige haben sie für Verbrechen verwendet“, sagte Vorstandssprecher Albert Recknagel.

Über die Verständigung wurde dann hinter verschlossenen Türen gesprochen. Das Gericht muss zustimmen und auch die Angeklagten. Ron C. lässt sich vom Hamburger Anwalt Oliver Sahan vertreten. Der gab sich zuversichtlich: „Wir erwarten einen fairen Prozess.“

Mehr: In einem ähnlichen Prozess gegen Heckler & Koch kamen ehemalige Manager des Waffenherstellers glimpflich davon. Das Unternehmen aber muss tief in die Kasse greifen.

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