Wegen strategischer Bedeutung Carl Zeiss kauft das Brillengeschäft zurück

Carl Zeiss nimmt das ausgegliederte Brillengeschäft wieder unter die Fittiche des Konzerns. Der Optik- und Elektronikspezialist gibt dafür in den kommenden sechs Wochen einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag aus. Dies geschieht im Zuge der Refinanzierung, der jetzt die Banken unter Verzicht eines Teiles ihrer Forderungen zugestimmt haben.
  • Martin Buchenau
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Ein Carl Zeiss-Mitarbeiter reinigt ein geschliffenes Brillenglas. Quelle: ap

Ein Carl Zeiss-Mitarbeiter reinigt ein geschliffenes Brillenglas.

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STUTTGART. Das Brillenglasgeschäft Carl Zeiss Vision gehört seit fünf Jahren jeweils zu 50 Prozent Carl Zeiss und dem zur schwedischen Familie Wallenberg gehörenden Finanzinvestor EQT. EQT war 2005 in das Brillengeschäft eingestiegen. Carl Zeiss brauchte einen Partner, um das finanzielle Risiko der 820 Mio. Euro teuren Übernahme des US-Rivalen Sola zu schultern. Der Konzern hatte damals vor allem wegen hoher Investitionen in die Halbleitersparte eine Eigenkapitalquote von nur noch 17 Prozent. Durch die Übernahme stieg das Joint-Venture Carl Zeiss Vision mit einem Umsatz von seither mehr als 800 Mio. Euro zur Nummer zwei der Branche hinter dem französischen Weltmarktführer Essilor auf. Wie bei Finanzinvestoren üblich, wurde der Kaufpreis dem Unternehmen aufgebürdet.

In den vergangenen beiden Jahren verstieß das margenschwache Brillengeschäft zweimal gegen seine Kreditbedingungen. Beim ersten Mal mussten beide Partner jeweils 35 Mio. Euro zuschießen. Bei der jetzigen Runde ist eine Eigenkapitalspritze von knapp 100 Mio. Euro fällig. EQT machte nicht mehr mit, Zeiss zahlt den gesamten Betrag und übernimmt die Mehrheit. Eine spätere Komplettübernahme der Anteile gilt als logische Folge. "EQT hält normalerweise keine Minderheitsposition", erklärte Finanzchef Michael Kaschke. Da Zeiss über ein Vorkaufsrecht verfügt, dürften die Anteile über kurz oder lang bei Carl Zeiss landen.

"Das Brillengläsergeschäft hat für uns strategische Bedeutung", sagte Kaschke. Es gebe viele Synergien mit der Sparte Medizintechnik und Zeiss-Gläser seien beim Endkunden bekannt und damit markenbildend für den gesamten Konzern.

Das Brillengeschäft litt unter der Rezession und dem wachsenden Preisdruck. Im Krisenjahr 2008/09 sank der Umsatz um drei Prozent, machte nach Kaschkes Angaben aber keinen Verlust. "Das Geschäft hat sich 2009/10 deutlich verbessert", betonte Kaschke, der 2011 die Konzernführung übernehmen soll.

Mit dem Rückkauf der Brillensparte mit 10 300 Mitarbeitern verbunden ist eine Entschuldung von Carl Zeiss Vision. Bisher lasten 800 Mio. Euro aus der Übernahme von Sola auf dem Unternehmen. "Wir streben eine Reduzierung um 25 Prozent an", sagte Kaschke. Mehr als die erforderlichen zwei Drittel der 70 Banken und Kreditgeber hätten der Umschuldung schon zugestimmt.

Carl Zeiss hatte angeboten, die Kredite mit einem Abschlag in bar aufzukaufen oder sie zu neuen Konditionen zu verlängern. Das Barangebot sei auf größere Resonanz gestoßen als vorgesehen, sagte Kaschke. Der Aufsichtsrat soll nun entscheiden, ob die Offerte erweitert wird. Leisten kann sich das Unternehmen dies bei einer Bruttoliquidität von einer Mrd. Euro. Die Eigenkapitalquote erreicht inzwischen 31 Prozent.

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