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Stahlproduktion

Weltweite Zölle belasten die Stahlhersteller.

(Foto: dpa)

Weltstahlkonferenz Darüber werden die Top-Stahlmanager in Tokio sprechen

Dem Preiskampf auf den weltweiten Stahlmärkten begegnen immer mehr Regierungen mit Zöllen. Doch darüber dürften die Manager auf dem Weltstahlgipfel nur am Rande diskutieren.
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Düsseldorf Ist das Angebot größer als die Nachfrage, sinkt der Preis: Wie wahr diese Binse der Volkswirtschaftslehre ist, hat in den vergangenen Jahren wohl kaum eine Branche so heftig zu spüren bekommen wie die weltweite Stahlindustrie. Über Jahre lieferten sich die Hersteller einen teils ruinösen Preiskampf – bis US-Präsident Donald Trump im Sommer einen 25-prozentigen Strafzoll auf Stahlimporte einführte. Und damit tatsächlich in den USA für steigende Preise sorgte.

China, die EU, ab dem 25. Oktober auch Kanada: Inzwischen haben viele Wirtschaftsräume ihrerseits mit Schutzzöllen auf die Maßnahmen der USA reagiert. Wie das den Weltmarkt verändert, darüber dürften die Teilnehmer der Weltstahlkonferenz von Montag bis Donnerstag (Ortszeit) in Tokio debattieren – allerdings nur am Rande.

Denn beim wichtigsten Treffen der Branche stehen nicht etwa Zölle oder die weltweiten Überkapazitäten auf dem Plan, sondern vor allem Technologie- und Sicherheitsthemen sowie Konjunkturerwartungen. Hunderte Spitzenvertreter reisen jedes Jahr zum Gipfel, der an wechselnden Orten stattfindet, im vergangenen Jahr zum Beispiel in Brüssel.

Eingeladen hat der derzeitige Weltstahlpräsident Kosei Shindo, der auch dem japanischen Stahlkonzern NSSMC vorsteht. Gefolgt ist dem die erste Liga der Stahlmanager – darunter Lakshmi Mittal, Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Produzenten Arcelor-Mittal, ebenso wie Andreas Goss, Chef der Stahlsparte von Thyssen-Krupp.

Nicht erst seit den aufziehenden Handelskonflikten haben die Akteure sehr unterschiedliche Interessen: Auf der einen Seite stehen die westlichen Hersteller unter Druck, weil strengere Umweltauflagen und Emissionswerte die Marge bedrohen. Auf der anderen Seite stehen vor allem die chinesischen Hersteller: Sie können zwar zu deutlich geringeren Kosten produzieren, werden dafür aber mithilfe von Straf- und Schutzzöllen aus immer mehr Märkten ausgeschlossen – und damit auch der Großteil der Weltproduktion.

So produzierten chinesische Stahlwerke nach Daten des Weltstahlverbandes zwischen Januar und August 2018 rund 617 Millionen Tonnen Rohstahl, während auf die Hersteller in der EU im gleichen Zeitraum nur auf gut ein Sechstel davon (rund 114 Millionen Tonnen) kamen. In den USA produzierten die Hersteller rund 57 Millionen Tonnen – und damit rund fünf Prozent des weltweiten Gesamtausstoßes von rund 1,2 Milliarden Tonnen.

Branchenschätzungen zufolge belaufen sich die Überkapazitäten der Produzenten schon heute auf rund 30 Prozent. Doch noch immer weiten einige Hersteller ihre Produktionsmengen aus – so will etwa Arcelor-Mittal das marode Ilva-Stahlwerk im süditalienischen Tarent übernehmen und modernisieren, das als das größte Europas gilt. Auch in den USA rechnen Experten mit einer Ausweitung der Produktion. Denn durch die Zölle werden Importe verteuert, was finanzielle Anreize für die Herstellung im Inland schafft.

Zwar rechnet der Weltstahlverband laut einer Prognose von April damit, dass die weltweite Stahlnachfrage 2018 und 2019 um rund 2,5 Prozent ansteigen wird. Doch angesichts der bereits bestehenden Überkapazitäten ist es unwahrscheinlich, dass sich die Lage dadurch spürbar verbessert.

Unklar ist auch, wie lange vor allem die USA ihre protektionistische Handelspolitik aufrechterhalten werden – und damit auch die Regierungen, die als Antwort darauf selbst Schutzzölle erlassen haben, wie die EU. So erließ etwa Trumps Vorvorgänger im Weißen Haus, George W. Bush, im Jahr 2002 ebenfalls Zollaufschläge auf Stahl- und Aluminiumprodukte – ruderte kaum zwei Jahre später aber auf Druck der europäischen Länder in der Welthandelsorganisation (WTO) wieder zurück.

Studien zufolge kosteten die Zölle damals 200.000 Arbeitsplätze vor allem in der verarbeitenden Industrie, die wegen der gestiegenen Preise unter Druck geraten war. Sollten auch die derzeitigen Zölle irgendwann fallen – sei es durch einen Sinneswandel oder eine Ablösung des US-Präsidenten – kommen die zusätzlich aufgebauten Produktionskapazitäten noch einmal hinzu.

Einen Vorteil haben dabei jene Hersteller, deren Stähle so speziell sind, dass es nur wenige andere Anbieter weltweit gibt. So erklärte zuletzt etwa der österreichische Stahlkonzern Voestalpine, dass ein Großteil der eigenen Produkte von den US-Zöllen ausgenommen sei. Die direkten Folgen bewegten sich bisher im einstelligen Millionenbereich.

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