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Werften Neue Tanker für die Marine sprengen den Kostenrahmen

Das Verteidigungsministerium will den Kauf vor der Bundestagswahl durchdrücken. Der Zeitdruck treibt nicht nur den Preis, sondern schmälert auch die Leistung.
17.05.2021 - 13:14 Uhr 1 Kommentar
Das Schiff ist seit mehr als 40 Jahren im Einsatz, ein Austausch ist dringend erforderlich. Quelle: dapd
Tanker der deutschen Marine „Spessart“

Das Schiff ist seit mehr als 40 Jahren im Einsatz, ein Austausch ist dringend erforderlich.

(Foto: dapd)

Berlin An Dringlichkeit hat es der hausinterne Beschaffungsbeamte nicht missen lassen. Der aktuelle Zeitplan sei „drastisch gekürzt“, damit sich der Haushaltsausschuss des Bundestags noch vor der Sommerpause mit dem Auftrag für zwei neue Tanker befassen könne, berichtete der Beamte seinen Vorgesetzten im Bundesverteidigungsministerium. Das Schreiben vom 25. März liegt dem Handelsblatt vor.

Wenige Tage zuvor waren die Angebote der Bieter eingetroffen. Das Ministerium hatte die Zahl der Werften auf eine Handvoll eingegrenzt, die sich um den Auftrag bewerben durften. Verblieben sind mit MV Werften aus Mecklenburg-Vorpommern und der Bremer Lürssen Werft nur noch zwei.

Deren Offerten sprengen allerdings die für die Tanker gesetzte Preisobergrenze von 539 Millionen Euro. „Das Angebot von Lürssen liegt bei rund 860 Millionen Euro und das von MV Werften bei rund 618 Millionen Euro“, vermeldete der Beamte. Die Unternehmen und das Ministerium äußerten sich nicht dazu.

In diesen Tagen sollen die Verträge ausverhandelt und ein vorläufiger Zuschlag erteilt werden. Der Haushaltsausschuss soll dann auf seiner Sitzung am 23. Juni – also vor der parlamentarischen Sommerpause und vor der Bundestagswahl – das aufgestockte Budget billigen. Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass das Rüstungsvorhaben noch in dieser Legislaturperiode dem Parlament zur Zustimmung vorgelegt werden soll.

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    Auch wenn der Etat überschritten wird, wie das Ministerium intern einräumt, so soll doch mit Lürssen und MV weiterverhandelt werden. „Die Überschreitung der Preisobergrenze ist kein Ausschlusskriterium“, heißt es in dem internen Schreiben. Dabei sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Angebote auf Budgetniveau reduziert werden könnten.

    Für das Ministerium ist das ein Rückschlag. Die Beschaffung der beiden Tanker ist der erste Rüstungsauftrag, seit die Bundesregierung Marineschiffe zur Schlüsseltechnologie erklärt hat. Die Schiffe werden damit zur Blaupause für die anstehende Aufrüstung der Seestreitkräfte. Statt wie den letzten Auftrag für den Bau neuer Fregatten europaweit auszuschreiben, beschränkte der Bund den Bieterkreis auf deutsche Firmen.

    Mit der Vergabe des rund sechs Milliarden Euro schweren Fregattenauftrags an die niederländische Damen-Werft hatte das Verteidigungsministerium im Januar 2020 den nationalen Anbietern eine Lektion erteilen wollen, so die durchgängige Sicht von Branchenvertretern. Vor allem der ehemalige Marktführer Thyssen-Krupp Marine Systems hatte seine Zusagen selten einhalten können. Projekte wurden teurer, kamen verspätet und wurden mangelbehaftet abgeliefert.

    Austausch der Tanker ist dringend erforderlich

    Die Schwäche der nationalen Ausschreibungspraxis offenbart sich nun bei den Tankern. Diese werden nicht nur teurer, sondern können wohl auch weniger als erhofft leisten. Da die ersten Angebote von Lürssen und MV derart überteuert waren, hatte das Verteidigungsministerium den Leistungskatalog gründlich verkleinert. Statt eines militärischen Seegefährts soll die Marine eine abgespeckte Version erhalten. Die Transportkapazität wurde ebenso verringert wie die Marschgeschwindigkeit.

    Gespart werden soll auch bei der militärischen Ausstattung: Gestrichen wurden etwa der Beschussschutz für die Kommandobrücke sowie die Kommunikationsgeräte nach Nato-Vorgaben. Die nun abgespeckten Versionen sind günstiger. Letztlich sind die Einheiten aus Sicht von Branchenvertretern aber lediglich konventionelle Tanker, die für rund 100 Millionen Euro pro Stück in Asien gebaut werden könnten.

    Der Druck ist nun hoch: Die beiden Einheiten „Rhön“ und „Spessart“ sind vor über 40 Jahren gebaut worden, nach dem Dauereinsatz ist ihr Austausch dringend erforderlich. Der Bundesrechnungshof hatte das Verteidigungsministerium Anfang Dezember bereits für die lange Verweildauer im Dienst des Landes gerügt, weil der Unterhalt übermäßig teuer ist.

    Unterhalt und Reparaturen sind übermäßig teuer. Quelle: picture alliance / SULUPRESS.DE
    Tanker „Rhön“ in der Kieler Förde

    Unterhalt und Reparaturen sind übermäßig teuer.

    (Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE)

    Hinzu kommt, dass die Tanker einige Häfen von Nato-Staaten wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr anlaufen dürfen. Ohne eine doppelte Hülle sind Gebiete wie die Küste der Vereinigten Staaten gesperrt.

    Auch wenn alle Beteiligten mit Hochdruck an der Ausarbeitung der Verträge arbeiten, ein Restrisiko bleibt. So klagt die Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) gegen das Ausschreibungsverfahren. Der Bund hatte die Werft nicht zum Prozess eingeladen.

    Begründet hatte das Ministerium den Ausschluss unter anderem mit der Pleite der Gesellschaft. Erst im Juli vergangenen Jahres hatte der Investor Lars Windhorst die Werft im hohen Norden zum zweiten Mal aus der Insolvenz übernommen. Die Beschwerde von FSG soll am 9. Juni vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt werden; also zwei Wochen vor der Sitzung des Haushaltsausschusses.

    Mehr: Wenn das Kriegsschiff zum einfachen Tanker wird: Bund spart an Schlüsseltechnologie für die Marine

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    1 Kommentar zu "Werften: Neue Tanker für die Marine sprengen den Kostenrahmen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Zwei abgespeckte Tanker sollen soviel Geld Kosten? Woran liegt es, dass z.B. Korea zu 20% der Summe anbieten kann? Oder unsere Werften so wenig zu tun, dass sie sich daran "gesund" stoßen wollen? Liegt es weiterhin an unserer Bürokratie? Wie hoch wäre der Preis bei anderen Werften innerhalb der EU?

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