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Werften Streit um Kriegsschiff: Kieler Werft will wohl juristisch gegen Auftragsvergabe vorgehen

German Naval Yards fühlt sich bei der Auftragsvergabe der MKS 180 ungerecht behandelt. Planungsfehler könnten das Projekt zudem verteuern.
20.01.2020 - 06:30 Uhr 1 Kommentar
Kieler Werft will juristisch gegen MKS-180-Auftragsvergabe vorgehen Quelle: imago/Hollandse Hoogte
Damen-Werft

Die Niederländer bauen das MKS 180 für die deutsche Marine.

(Foto: imago/Hollandse Hoogte)

Berlin Die Bundesregierung hat sich mit der Vergabe des Auftrags für den Bau neuer Fregatten an die niederländische Werftengruppe Damen juristischen Ärger eingehandelt. Der im Bieterverfahren unterlege Schiffbauer German Naval Yards (GNY) will den Deal über Gerichte stoppen lassen, wie das Handelsblatt aus informierten Kreisen erfahren hat. Die Bundeswehr erhält für sechs Milliarden Euro vier Mehrzweckkampfschiffe 180 (MKS 180). Sie sollen das neue Rückgrat der Seestreitkräfte werden.

Die Anwälte der Kieler Werft haben die Gründe für die Absage analysiert und sehen eine Basis, um den Zuschlag für die Niederländer anzugreifen. Die Unterlagen für eine Rüge würden derzeit ausgearbeitet, hieß es in Unternehmenskreisen. GNY äußerte sich wie der Partner Thyssen-Krupp nicht dazu.

Um Kostensteigerungen und Qualitätsmängeln vorzubeugen, von denen jedes Großprojekt in der Vergangenheit geprägt war, hatte der Bund neue Wege beschritten. Entgegen der bisherigen Praxis wurde der Auftrag für MKS 180 europaweit ausgeschrieben, um Druck auf die lokalen Werften auszuüben. Bis dahin hatte Deutschland derartige Rüstungsaufträge wie andere Länder national vergeben.

Nach massiver Kritik aus Industrie und den Reihen der Großen Koalition kehrt Berlin zu dieser Praxis zurück. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kündigte am Wochenende im Präsidium ihrer Partei an, dass Schlüsselaufträge wie der für MKS 180 nicht mehr europäisch ausgeschrieben würden. „Der Fregattenauftrag ist ein Sündenfall, der sich nicht wiederholen darf“, sagte ein Politiker.

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    Die Anforderungen an die Marinewerften waren hoch. Über 7000 Spezifikationen der Schiffe hatten die Einkäufer der Bundeswehr festgelegt, die erfüllt werden mussten, wie Branchenkenner in Berlin berichten. Dazu gehörten neben der Bewaffnung etwa die Mindestgeschwindigkeit sowie Sicherheitssysteme und andere technische Kriterien.

    Sowohl Damen als auch GNY hatten die Einhaltung dieser Spezifikationen bei der Einreichung ihrer Angebote zunächst nicht nachweisen konnten. Die Militärs hatten im Angebot von GNY gleich 105 strittige Punkte ausgemacht, wie Insider berichten. Bei Damen allerdings waren es deutlich mehr Spezifikationen, an denen die Beamten Zweifel hatten.

    In intensiven Gesprächen mit Vertretern des Verteidigungsministeriums hatten die Werften die offenen Punkte diskutiert. Im Angebot von GNY blieben aber zehn einzelne Spezifikationen, die nicht erfüllt wurden. „Keiner dieser Punkte war wirklich entscheidend“, berichteten mit den Vorgängen vertraute Personen dem Handelsblatt.

    Dennoch musste das Verteidigungsministerium das Angebot abweisen, da jedes einzelne Kriterium erfüllt werden musste, wie es in den Unterlagen der Ausschreibung heißt. Damen war das einzige Unternehmen, das alle Anforderungen erfüllte. Wie aus Kreisen beteiligter Firmen verlautete, gab es bei Damen noch im Juli erheblich größere Zweifel. Die technischen Details seien zum Teil weniger ausführlich als von GNY erklärt worden. Das Verteidigungsministerium äußerte sich nicht zu Details des Vergabeprozesses.

    „80 Prozent der Investitionen bleiben in Deutschland"

    Positiv sei, dass beide Angebote die Kostenvorgaben eingehalten hätten, hieß es in Berliner Kreisen. Laut Beteiligten drohen aber zusätzliche Ausgaben, da einige Elemente der Schiffe falsch geplant worden seien. So seien die Anker zu klein bemessen, und der Antrieb reiche nicht aus, um die geforderte Geschwindigkeit zu erreichen. „Das wird noch mal 300 bis 400 Millionen Euro mehr kosten“, sagte ein Branchenkenner.

    Den Zuschlag erhielt die Damen-Gruppe, die die MKS-180-Einheiten in Deutschland von der Bremer Familienwerft Lürssen bauen lassen wird. Damen betonte, 80 Prozent der Investitionen würden in Deutschland verbleiben. „Der Bau der Schiffe erfolgt bei Blohm & Voss in Hamburg unter Einbeziehung weiterer Werftstandorte der Lürssen-Gruppe und damit vollständig in Deutschland“, so der Branchenkenner.

    Viele deutsche Zulieferer werden den Plänen zufolge von MKS 180 wirtschaftlich profitieren. In der Politik und bei vielen Unternehmen wächst indes die Sorge, dass mit der Vergabe an einen ausländischen Schiffbauer wichtiges Wissen verloren gehen wird. Die Konstruktion der Fregatten wird weitgehend im niederländischen Vlissingen stattfinden.

    Das Votum für Damen ist laut Branchenvertretern eine Vorentscheidung, wie die deutsche Werftenlandschaft einmal aussehen wird. Bislang ist die Branche in viele einzelne Firmen zergliedert. Der einst größte Anbieter Thyssen-Krupp hat einzelne Teile wie die Hamburger Traditionswerft Blohm & Voss veräußert, weil er sich von dem Geschäft trennen wollte. Zu politisch, zu volatil sei der Schiffbau für Militärs, meinen hochrangige Manager von Thyssen-Krupp.

    MKS 180 gilt als Vorzeigeprojekt der Marine. Die Politik knüpfte große Erwartungen daran, politische wie industrielle. Mit dem Programm sollte die Bundeswehr gestärkt und der Grundstein für Exporte in neue Märkte gelegt werden. Außerdem, so die Hoffnung, sollten die Marinewerften ein Schiff erhalten, das sich weltweit exportieren lässt. Diese Chance ist nun wohl vertan.

    Mehr: Russland rüstet weiter auf: Nun sind Pläne zum Bau eines neuen Flugzeugträgers aufgetaucht. Er soll auf den Weltmeeren der US Navy Konkurrenz machen.

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    1 Kommentar zu "Werften : Streit um Kriegsschiff: Kieler Werft will wohl juristisch gegen Auftragsvergabe vorgehen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • " ... dass mit der Vergabe an einen ausländischen Schiffbauer wichtiges Wissen verloren gehen wird. ..."

      Papperlapp ... Innerhalb der EU sollte grundsätzlich der Beste den Zuschlag bekommen!

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