Werk in Chattanooga eröffnet VWs riskante Attacke in den USA

Gratisgrundstücke, Steuerrabatte, neue Autobahnauffahrten: VW wird in Chattanooga nicht allein bevorzugt behandelt. Mit großzügigen Anreizpaketen locken die USA deutsche Unternehmen ins Land.
Grundschüler bewerben den VW-Tiguan bei den Feierlichkeiten zum Beginn der Fertigung des neuen VW-Werkes. Quelle: picture-alliance/ dpaDPA

Grundschüler bewerben den VW-Tiguan bei den Feierlichkeiten zum Beginn der Fertigung des neuen VW-Werkes.

(Foto: picture-alliance/ dpaDPA)

New York/ChattanoogaMartin Winterkorn ist heute der große Held in der kleinen Stadt im Süden von Tennessee. Eine Milliarde Dollar hat der Volkswagen-Chef hier investiert, um ein Autowerk in den USA zu bauen. Mitten in der Wirtschaftskrise entstanden so Hunderte neue Arbeitsplätze in Chattanooga, 2 000 sollen es insgesamt werden. Heute feiert die Stadt mit Winterkorn die offizielle Werkseröffnung - und ihr wirtschaftliches Comeback.

Rund 400 Städte haben um die Großinvestition gekämpft. Doch keine kämpfte so hart wie Chattanooga: Finanzielle Anreize von 577 Millionen Dollar wurden VW bereitgestellt. Die Mittel kommen von der Stadt, aus dem Bundesstaat und aus Washington. Die Summe ist Rekord. In dem Paket enthalten sind Steuerrabatte für die nächsten 30 Jahre, Zuschüsse für die Ausbildung der Mitarbeiter, zwei Millionen Dollar für Marketing. Das Grundstück gab es gratis, ebenso wie die neue Autobahnauffahrt.

Je größer das Projekt, desto größer die Geschenke

Was der US-Passat zu bieten hat
A Volkswagen Passat is on display during the press day for the North American International Auto show in Detroit
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Der neue Volkswagen Passat während der North American International Auto Show in Detroit im Januar: Volkswagen hatte in den 1960er Jahren seine Glanzzeiten in den USA. Die Amerikaner liebten Käfer und Bulli. Nun, fünfzig Jahre später, sollen Jetta und Passat die Herzen zurückerobern. Doch die Konkurrenz ist stark ...

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Im neuen VW-Werk in den USA wird nur ein Autotyp produziert: die US-Version der Mittelklasselimousine Passat. Das Auto ist länger und breiter als sein deutscher Namensvetter, sieht aber auf den ersten Blick ähnlich aus: schräge Scheinwerfer, grillförmiger Lufteinlass mit großem VW-Logo. Werbung machte VW für seine Modelloffensive bereits mit einem gelungenen "Darth-Vader"-Spot, der für einiges mediales Aufsehen sorgte.

Der neue Volkswagen PassatVW Passat 2010
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Mit dem US-Passat hat VW zum ersten Mal einen Wagen nur für den amerikanischen Markt konstruiert. Mit 4,9 Meter Länge ist er zehn Zentimeter länger als der klassische Passat und kommt schon fast auf die Größe einer Mercedes E-Klasse.

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Auch bei den Motoren geht es amerikanisch zu: Der kleinste Benzinmotor hat bereits 170 PS, das Topmodell kommt auf 280 PS. Zusammen mit dem aus Mexiko stammenden Jetta sollen die Verkäufe der Marke in diesem Jahr von 257.000 auf 300.000 steigen und bis 2018 auf 800.000. Zusammen mit der Premiummarke Audi sollen es dann eine Million sein. Doch noch schreibt VW in USA rote Zahlen, weil die meisten Modelle zu ungünstigen Wechselkursen eingeführt werden müssen.

Der neue Volkswagen PassatVW Passat 2010
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Während Motor und Karosserie groß ausgelegt sind, bleibt VW bei der Preisvorstellung bescheiden: Um die 20.000 Dollar (rund 15.000 Euro) soll der Wagen kosten und damit auf Augenhöhe mit dem Marktführer Toyota Camry liegen. Der Billigpreis wird möglich durch die vergleichsweise niedrigen Löhne der US-Arbeiter in den Südstaaten von 15 Dollar pro Stunde.

VW veroeffentlicht Details ueber neues US-Mittelklasseauto
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85 Prozent der Teile für den Passat kommen aus dem Dollarraum und bewahren VW vor Wechselkursverlusten. VW unterhielt bereits in den Jahren 1978 bis 1988 ein Werk in den USA, das aber wegen hoher Verluste geschlossen wurde.

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Die Grundversion wird von einem 125 kW / 170 PS starken Fünfzylinder-Benzinmotor angetrieben mit einem Highway-Durchschnittsverbrauch von 7,6 Litern. Der 103 kW / 140 PS Passat TDI kommt auf unter 5,5 Liter. Verfügbar ist zudem ein Sechszylinder-Benziner.

Doch VW ist längst nicht das einzige deutsche Unternehmen, das bevorzugt behandelt wird. Zwischen den US-Bundesstaaten ist ein intensiver Wettbewerb um die ausländischen Investoren entbrannt. Wenn eine Region ein Unternehmen unbedingt haben will, greifen die Verantwortlichen tief in die Tasche, vermitteln Kontakte zu Banken, bürgen für Kredite. "Man wird mit Anreizen regelrecht zugeschüttet", freut sich ein Manager, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will.

Die Deutschen gelten als besonders attraktive Ziele: "Sie haben den Ruf, verlässlich zu sein und langfristig zu planen", sagt Thomas Schwegmann von der deutsch-amerikanischen Handelskammer in Houston. Er leitet ein Beraterteam, das deutschen Firmen dabei hilft, Standorte in den USA zu finden.

"Incentives" heißt das Zauberwort, das den Deutschen in den USA ungewöhnlich gute Investitionsbedingungen beschert. Diese sind eine Folge der Krise: Mehr als sieben Millionen Arbeitsplätze wurden in der Rezession vernichtet, nur wenige sind wieder zurückgekommen. Umso wichtiger werden die Investitionen aus dem Ausland.

Die finanziellen Anreize allein, betonen Unternehmen und Wirtschaftsförderer, seien nicht entscheidend. "Das gesamte Paket muss stimmen. Gibt es qualifizierte Arbeitskräfte, eine gute Anbindung an Flughäfen? Wie einfach bekommt man Baugenehmigungen? Das alles müssen Unternehmen beachten", sagt Nick Masino vom Wirtschaftsförderer aus Gwinnett County, einer Region nordwestlich von Atlanta. Doch er räumt ein: "Incentives sind heute so wichtig wie noch nie."

Rainer Floeth hat auf der ganzen Welt nach einem geeigneten Standort für ein neues Werk gesucht, um Röhren für die Öl- und Gasindustrie zu produzieren. Saudi-Arabien, China und Brasilien hatte der Geschäftsführer des Krefelder Unternehmens W. Schulz auf seiner Liste. Doch nirgendwo hat er so gute Konditionen bekommen, wie in den USA.

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