Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Werk in Sonthofen Streik gegen Werksschließung bei Voith: „Die Mitarbeiter sind verunsichert“

Der Maschinenbauer will sein Werk in Sonthofen dicht machen. Die Arbeitnehmer sind überzeugt, dass der Standort überlebensfähig ist.
23.04.2020 Update: 23.04.2020 - 15:08 Uhr Kommentieren
Voith: Streik gegen Werksschließung in Sonthofen Quelle: Voith
Voith-Werk in Sonthofen

Der Heidenheimer Konzern will die Produktionsstätten in Sonthofen und Zschopau schließen. Im Allgäu wird seit Donnerstag gestreikt.

(Foto: Voith)

München In gebührendem Abstand verließen die Beschäftigten des Turbogetriebe-Werks von Voith in Sonthofen am Donnerstag das Werksgelände. N icht das Coronavirus hatte die Produktionsstätte stillgelegt, sondern ein Streik: Seit Monaten laufen die Arbeitnehmervertreter Sturm gegen die Schließungspläne. Bei einer Urabstimmung – erstmals überhaupt per Briefwahl – votierten laut Gewerkschaft 98 Prozent für die Arbeitsniederlegung. „Die Mitarbeiter sind sehr verunsichert“, sagte Sebastian Hornung von der IG Metall Allgäu dem Handelsblatt.

Voith will den Standort neben den Werken in Zschopau und Mülheim dicht machen. „Wir haben bei Voith Turbo zu viele kleine Werke in Deutschland. Das kostet jedes Jahr sehr viel Geld, das uns bei den wichtigen Zukunftsinvestitionen, zum Beispiel in die Elektromobilität und die Digitalisierung des Turbo-Portfolios, fehlt. Da müssen wir ran. Deshalb führt an der Schließung der drei Standorte leider kein Weg vorbei“, hatte der neue Voith-Chef Taral Haag den Schritt Ende vergangenen Jahres in einem Handelsblatt-Interview begründet.

Der Konkurrenzdruck in der Turbosparte ist hoch. Hier muss sich Voith mit Großkonzernen wie Bosch und ZF oder auch Knorr-Bremse messen. Der ehemalige Finanzchef hatte angekündigt die Maßnahmen in Sonthofen noch in diesem Geschäftsjahr (Ende September) umzusetzen. Die Hängepartie für die betroffenen Mitarbeiter läuft jetzt schon ein halbes Jahr.

„Wir sind davon überzeugt, dass die von der IG Metall Allgäu initiierte Arbeitsniederlegung für die Mitarbeiter in Sonthofen zu keinem Ergebnis führen wird“, sagt Voith-Turbo-Geschäftsführer Mathias Mörtl. Die Unternehmensführung setze auf den Dialog mit dem Gesamtbetriebsrat, um gute und einvernehmliche Lösungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an allen betroffenen Standorten zu finden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    IG Metall: Werk ist profitabel

    Die Arbeitnehmer sind überzeugt, dass der Standort zukunftsfähig ist. „Die Geschäftsführung will ein profitables Werk schließen“, sagte Hornung. Sonthofen habe im vergangenen Jahr Gewinne eingefahren, in den vergangenen Wochen sei die Auslastung trotz der Coronakrise gut gewesen.

    Sonthofen ist ein traditionsreicher Standort. Die Wurzeln des Werks reichen 500 Jahre zurück. „Im Allgäu ist man sehr stolz auf das Werk, die ganze Region steht dahinter“, sagte Hornung. Das Werk produziert mit insgesamt etwa 500 Beschäftigten große Spezialgetriebe, zum Beispiel für Kraftwerke. „Die Voith-Beschäftigten haben das Vertrauen in ihr Management komplett verloren“, erklärte Bayerns IG-Metall-Chef Johann Horn.

    Die Gewerkschaft hatte von einer Unternehmensberatung ein Alternativkonzept ausarbeiten lassen, dass den Erhalt aller Standorte vorsah. Bislang aber gab es kein Entgegenkommen der Konzernführung. „Die Türen für Gespräche mit dem Management über den Erhalt des Werkes stehen bei uns weiter offen“, sagte Gewerkschafter Carlos Gil. Man werde solange wie nötig streiken, um die Ziele zu erreichen.

    Aus Sicht des Unternehmens läuft die Auseinandersetzung bereits in geordneten Bahnen. Das Einigungsstellenverfahren über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für das gesamte Produktionsnetzwerk von Voith Turbo in Deutschland soll spätestens am 4. Mai erstmals tagen. Das Einigungsstellenverfahren sei das richtige Forum. Der Austausch mit dem Gesamtbetriebsrat bezeichnet der Voith-Turbo-Manager Mörtl als konstruktiv. „Wir rechnen zeitnah mit konkreten Ergebnissen“, erklärte Mörtl. 

    Voith, gegründet im Jahr 1867, hat im Geschäftsjahr 2018/19 (30. September) mit 19.000 Beschäftigten in den Sparten Paper (Papiermaschinen), Turbo (Antriebstechnik) und Hydro (Turbinen für Wasserkraftwerke) einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro und einen Konzerngewinn von 72 Millionen Euro erwirtschaftet. Vorstandschef Haag will die Rendite deutlich steigern. Das Unternehmen hatte vor Ausbruch der Coronakrise noch einige kleinere strategische Zukäufe getätigt.

    Mehr: Voith-Chef im Interview – „Wir haben zu viele kleine Werke in Deutschland“

    Startseite
    Mehr zu: Werk in Sonthofen - Streik gegen Werksschließung bei Voith: „Die Mitarbeiter sind verunsichert“
    0 Kommentare zu "Werk in Sonthofen: Streik gegen Werksschließung bei Voith: „Die Mitarbeiter sind verunsichert“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%