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Werner M. Dornscheidt „Die Industrie nimmt die Debatte über Kunststoff sehr ernst“

Der Chef der Messe Düsseldorf erwartet bei der Kunststoffmesse K anders als bei der IAA keine Proteste von Klimaschützern. Gleichwohl werde die Diskussion etwa über die Vermeidung von Kunststoffabfällen und Ideen für eine Kreislaufwirtschaft die Leitmesse dominieren.
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„Messen waren schon immer ein Spiegelbild der ausstellenden Industrien und der industriellen wie gesellschaftlichen Entwicklung.“ Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Werner M. Dornscheidt

„Messen waren schon immer ein Spiegelbild der ausstellenden Industrien und der industriellen wie gesellschaftlichen Entwicklung.“

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Herr Dornscheidt, die Automesse IAA wurde von Protesten durch Klimaschützer überschattet. Erwarten Sie ähnliche Aktionen bei der bevorstehenden Kunststoffmesse K?
Über geplante Aktivitäten von Klima-Aktivisten liegen uns derzeit keine Informationen vor. Wenn sich die weltweite Kunststoff- und Kautschukindustrie in Düsseldorf trifft, hat sie in Sachen Kunststoffrecycling, Kreislaufwirtschaft, Volumen-Reduzierung von Kunststoffen oder Einsatz biologisch abbaubarer Kunststoffe einiges in die Waagschale zu werfen. Sie nimmt die Debatte in Medien und Öffentlichkeit – Kunststoffabfälle und Mikroplastik in der Umwelt – sehr ernst und arbeitet intensiv an der Entwicklung von Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das erwarten wir als Gestalter der Präsentationsplattform Messe: eine offene Diskussion innerhalb der Branche, um Konzepte zu entwickeln, Entscheidungen auf einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage vorzubereiten und gesellschaftliches Verständnis zu schaffen.

Spüren Sie angesichts der Debatte um Klima und Plastikmüll eine wachsende Unsicherheit bei den ausstellenden Unternehmen?
Bei über 3000 Ausstellern aus 60 Nationen? Auf der K wird international gedacht, diskutiert, Lösungen präsentiert. Die K ist der Marktplatz von Innovationen und Technologien, die den Kunststoff fit machen für die Welt unserer Kinder. Nicht Unsicherheit bestimmt die Präsentation der Unternehmen, so unser Eindruck, sondern eine Aufbruchstimmung und der Wille, sich den gesellschaftspolitischen Fragen auf der Bühne der K zu stellen.

Sie erwähnten das Thema Kreislaufwirtschaft. Wie weit ist die Industrie hier überhaupt? Wird auf der Messe zum Beispiel eine wachsende Zahl an Maschinen zu sehen sein, die auf den Einsatz recycelter Rohstoffe setzen?
So wie das globale Müllaufkommen steigt, Ressourcen schwinden und die Klimabilanz alarmiert, so gewinnt das Konzept der „Circular Economy“ immer mehr an Relevanz. Die gesamte Kunststoffindustrie – darunter insbesondere die großen Rohstoffproduzenten und Maschinenhersteller – werden auf der K explizit ihre Erfahrungen und ihr Wissen über die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zur Verfügung stellen. Darunter auch Maschinen zum Thema Recycling. Außerdem zeigt die Branche, an welchen Themen sie aktuell mit den unterschiedlichsten Institutionen arbeitet. Wir haben großes Vertrauen in die Innovationskraft der Branche.

Planen Sie, die Debatte über Kunststoffvermeidung auf der K aufzugreifen – etwa über spezielle Kongresse?
Die Verbände der Kunststoffindustrie befinden sich derzeit permanent in Diskussionen und Gesprächen mit Stakeholdern. Mit der K bieten wir den idealen Rahmen, diese zu intensivieren. Dazu gehört auch, mit Sonderformaten gesellschaftspolitisch relevante Themen der Industrien auf die Messe zu bringen. Unter der Federführung von Plastics Europe wird die Sonderschau „Plastics shape the future“, eine internationale Informations- und Networking-Plattform mit Impulsreferaten und Speed Talks rund um die Themen „Plastics for sustainable development“ und „Kunststoff zwischen Kreislaufwirtschaft und Marine Litter“ präsentiert. Auch der gemeinsame Auftritt des VDMA und seiner Mitgliedsunternehmen wird dieses Mal im Zeichen der Kreislaufwirtschaft stehen. Das „VDMA Circular Economy Forum“ demonstriert beispielhaft alle Stationen eines funktionierenden Kreislaufsystems. Der VDMA schafft damit das Bewusstsein dafür, was Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie bedeutet und welche Rolle der Maschinenbau dabei spielt. Außerdem lädt er die Partner der Circular Economy zum Dialog ein. Hier geht es beispielsweise um das Erreichen höherer Recyclingquoten oder die weltweite Verbesserung der Abfallwirtschaft.

Aber werden solche Kongresse/Events von den Ausstellern und Besuchern auf einer Investitionsgütermesse, auf der doch eher die Produkte und Industrieprozesse im Vordergrund stehen, überhaupt angenommen?
Die Veranstaltungen werden als nutzbringende Ergänzung zur Information über Produkte und Industrieprozesse definiert. Dass das angenommen wird, belegen Befragungen gerade internationaler Fachbesucher. Die Sonderschauen, Kongresse und Events der Messe Düsseldorf verstehen sich als Impulsgeber und Think Tanks für die Industrie. Wir werden vom Innovationsbroker zum Wissensbroker: Referenten/-innen aus Wissenschaft, Wirtschaftsverbänden, Politik, NGOs garantieren einen unverzichtbaren Informations- und Meinungsaustausch.

Waren Fach- und Investitionsgütermessen in der Vergangenheit vielleicht zu einseitig ausgerichtet und haben zu wenig auf den Wandel in Gesellschaft und auch den Industrien geachtet?
Die Messe Düsseldorf hat schon immer gemeinsam mit Industrieverbänden und damit der ausstellenden Industrie Themen des Wandels und der technologischen Neuorientierung in die Veranstaltungsformate integriert. Der „Science Campus“ der K steht beispielsweise für den Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Hier erhalten Aussteller und Besucher einen konzentrierten Überblick über wissenschaftliche Entwicklungen im Kunststoff- und Kautschuksektor und nutzen den Erfahrungsaustausch mit Hochschulen.

Noch mal anders gefragt: Glauben Sie, dass gesellschaftliche Debatten wie die über den Klimaschutz die Messen künftig stärker verändern werden?
Messen waren schon immer ein Spiegelbild der ausstellenden Industrien und der industriellen wie gesellschaftlichen Entwicklung. In dem Maße, wie Debatten beispielsweise über den Klimawandel und erforderliche Maßnahmen an Relevanz gewinnen, werden neue technologische Lösungen, beispielsweise für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und das Recycling von Kunststoffen, an Bedeutung gewinnen. Diese Veränderungen werden auch in Zukunft inhaltlichen Einfluss auf Weltleitmessen wie die K haben.

Mehr: Statt weniger werden wir in Zukunft deutlich mehr Kunststoff verbrauchen. Die Chemiehersteller setzen auf neue Verfahren für das Plastik-Recycling.

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