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WeShare gegen Daimler und BMW VW startet Carsharing-Offensive – 1500 Elektroautos für Berlin

Lange hat sich VW beim Carsharing zurückgehalten. Nun will der Autoriese aufholen. Eine elektrische Flotte in Berlin soll nur der Auftakt sein.
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1500 elektrische Golf sollen die Kundschaft in der Hauptstadt locken.
WeShare in Berlin

1500 elektrische Golf sollen die Kundschaft in der Hauptstadt locken.

Berlin Verschlafen ist eine Vokabel, die in Wolfsburg niemand allzu gerne hört. Verspätet wäre aus Volkswagen-Sicht vielleicht eine noch so gerade eben akzeptable Formulierung. Doch zu spät ist zu spät, beim Carsharing hat sich der VW-Konzern von seinen beiden deutschen Konkurrenten Daimler und BMW unzweideutig den Rang ablaufen lassen.

Car2go aus Stuttgart gibt es schon seit zehn Jahren, die Münchener Konkurrenten hatten zwei Jahre später mit Drive Now nachgelegt. Volkswagen beließ es bei Modellversuchen wie dem Carsharing-Anbieter Quicar, der 2016 eingestampft wurde. Doch damit soll nun Schluss sein, Volkswagen will jetzt selbst ein Wörtchen beim Carsharing mitreden.

Vor der Konzernniederlassung von VW im Berliner Regierungsviertel Unter den Linden stehen zwei silberne Elektro-Golf, die den Neuanfang symbolisieren sollen. An den Fahrertüren klebt in großen Lettern die Formulierung „It’s electric – 100 %  electric car sharing“. Außerdem hat Volkswagen seine ersten Carsharing-Autos in Weimar zugelassen. Damit steht „WE“ ganz vorn auf den Kennzeichen, immerhin das erste Wort des neuen Carsharing-Angebots des Wolfsburger Konzerns.

„We share“ ist die komplette Bezeichnung der neuen Tochter von Volkswagen. Dass der VW-Konzern den Start seines neuesten Angebotes in der Hauptstadt und nicht etwa in Wolfsburg verkündet, kommt nicht ganz von ungefähr. Das Jahrzehnt an Verspätung im Vergleich zu Daimler und BMW kann Volkswagen nicht auf einen Schlag aufholen.

„We share“ startet zunächst nur in Berlin, andere Städte werden erst nach und nach dazukommen. Und mit Berlin ist garantiert, dass der Auftakt einigermaßen groß ausfällt.

„Berlin ist die Stadt mit der größten Dynamik beim Carsharing“, sagte Christian Senger, VW-Markenvorstand für Digitales, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Volkswagen werde ausschließlich elektrisch angetriebene Fahrzeuge mit seinem Carsharing-Programm anbieten. Außerdem werde nur grüner Strom aus erneuerbaren Quellen angeboten. „Mit einem Angebot in dieser Breite und Konsequenz heben wir uns vom Wettbewerb“, betonte Senger.

Ähnlich wie bei Drive Now und Car2go wird Volkswagen seine Autos über das Stadtgebiet verteilen. Ein Kunde soll einen Wagen stets in nächster Nachbarschaft finden. Größere feste Parkplätze sind also nicht geplant. Später will Volkswagen auch kleinere Fahrzeuge aus dem Bereich der sogenannten „Mikromobilität“ anbieten, das können beispielsweise Elektroroller sein. Zum Auftakt will Volkswagen gut die Hälfte des Berliner Stadtgebietes abdecken, später ist eine Vergrößerung geplant.

1500 Elektroautos zum Start – weitere Städte sollen folgen

Wer zu spät kommt, der muss sich etwas Besonderes einfallen lassen. Volkswagen versucht den Vorsprung von Daimler und BMW zumindest ansatzweise dadurch auszugleichen, dass sich das Angebot in der Fahrzeugflotte deutlich abhebt. Der VW-Konzern will bei „We share“ ausschließlich Elektroautos vorfahren lassen. In der ersten Welle bis zum Ende dieses Jahres werden etwa 1500 Fahrzeuge auf die Berliner Straßen geschickt, zunächst nur der E-Golf. Im nächsten Jahr kommen dann zunächst 500 E-Up dazu. Später wird der Fuhrpark noch ergänzt um die Modelle aus der ID-Familie, die komplette neuen Elektrogeneration aus Wolfsburg.

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann hatte schon im Vorfeld große Worte gewählt. Er sprach davon, „dass wir die Elektromobilität demokratisieren“. Volkswagen werde mit Hilfe der „We share“-Flotte auf den Einstieg in das E-Zeitalter aufmerksam machen. Das neue Carsharing-Angebot trage einen signifikanten Beitrag zur E-Offensive der Marke Volkswagen bei.

Nach dem Auftakt in Berlin soll „We share“ nach den Plänen des VW-Konzerns auch in weiteren deutschen Großstädten eingeführt werden. Parallel dazu wird daran gedacht, damit vom kommenden Jahr an ebenfalls in anderen europäischen Ländern vertreten zu sein. Auch in den USA und in Kanada stehen einzelne ausgewählte Städte auf der Liste von Volkswagen.

Grundsätzlich setzt der VW-Konzern voraus, dass sich das Carsharing erst mit einer Million Einwohnern lohnt. Im nächsten Jahr kommen auf jeden Fall Hamburg und Prag zu; in der tschechischen Hauptstadt soll auch die Konzernschwester Skoda helfen. Volkswagen will von den Erfahrungen der Konkurrenten profitieren und bei der Aufnahme weiterer Städte vorsichtiger agieren.

Volkswagen bleibt zumindest in der Anfangszeit des eigenen Angebots ein kleiner Anbieter im Vergleich zu den Marktführern. Drive Now und Car2go kommen nach zehn Jahren des Aufbaues auf Zehntausende von Fahrzeugen. Die gut 2000 Elektroautos von Volkswagen allein auf dem Berliner Markt nehmen sich da vergleichsweise bescheiden aus.

Kooperation mit Lidl

Gleichwohl gibt sich Volkswagen selbstbewusst und glaubt, den Vorsprung der mächtigen Konkurrenz einholen zu können. Der Wolfsburger Konzern setzt darauf, dass das Carsharing grundsätzlich an Bedeutung gewinnt und zu einem stärker wachsenden Geschäft wird. „Für Europa gehen die niedrigsten Prognosen von einem jährlichen Wachstum von 15 Prozent aus“, sagte Philipp Reth, der bei Volkswagen in Berlin für das operative Geschäft von „We share“ verantwortlich ist. Künftig werde sich eine größere Nutzergruppe für das Carsharing interessieren – dann eben für das neue Angebot von Volkswagen.

Das Laden der Autos soll in Berlin auch einfacher werden. Volkswagen hat dazu eine Kooperation mit der Schwarz-Einzelhandelsgruppe geschlossen. Die E-Carsharing-Autos von Volkswagen können in der Hauptstadt exklusiv auf den Parkplätzen von Lidl- und Kaufland-Supermärkten aufgeladen werden, verspricht der Wolfsburger Autokonzern.

Unterstützung kommt vom deutschen Carsharing-Bundesverband, in dem sich vor allem konzernunabhängige Anbieter zusammengeschlossen haben. Demnach ist die Zahl der Kunden im vergangenen Jahr um fast 17 Prozent auf fast 2,5 Millionen gestiegen. Auch bei der Zahl der registrierten Fahrzeuge ist es weiter nach oben gegangen: Der Carsharing-Verband hat für 2018 rund 20.000 Autos gezählt, ein Plus von gut zwölf Prozent.

Trotzdem wird es für Volkswagen schwer werden, in der Anfangszeit mit dem neuen Angebot Geld zu verdienen. Auch auf längere Sicht sind die Renditeaussichten nicht unbedingt rosig. Das zeigt gerade auch das Beispiel von Drive Now und Car2go. Die Tochterunternehmen von Daimler und BMW haben über die Jahre hinweg überhaupt kein Geld mit ihren Carsharing-Töchtern verdient.

Deshalb haben sie zu Beginn des Jahres Drive Now und Car2go fusioniert – mit der Hoffnung, dass sich dadurch die Kosten senken und die Erträge um einiges steigern lassen. Eine Milliarde Euro wollen beide Unternehmen in den kommenden Jahren in das Carsharing investieren.

Gewinne sind erstmal nicht in Sicht

Für Volkswagen hat das zur Konsequenz, dass das neue Angebot von „We share“ einem noch größeren Konkurrenten gegenübersteht. Mit weltweit vier Millionen Nutzern wird das gemeinsame Angebot von Daimler und BMW nach eigenen Angaben zum größten Carsharing-Betreiber der Welt.

BMW und Daimler werden dabei auch ihre Flotten zusammenlegen. Insgesamt 20.500 Fahrzeuge kommen dabei zusammen, 3200 Elektromodelle sind ebenfalls dabei. Nach dem Zusammenschluss ist das neue Unternehmen „Share Now“ in 30 deutschen Städten vertreten, also auch in Kommunen mit weniger als eine Million Einwohnern.

Grundsätzlich dürfte es auch bei den größeren Carsharing-Anbietern noch länger dauern, bis sie damit wirklich gutes Geld verdienen. „Die Automobilhersteller sind hier noch in der explorativen Phase“, sagt Elmar Kades von der Unternehmensberatung AlixPartners, die die künftige Ertragsentwicklung der Automobilindustrie in einer neuen Studie untersucht hat.

Die Spielregeln würden sich allerdings dann entscheidend ändern, wenn autonome Fahrzeuge die Marktreife erlangten. Mit großen autonom eingesetzten Flotten entfielen die Kosten für den Fahrer – dann ließen sich langfristig erträgliche Profite erwirtschaften.

Auch wenn Volkswagen zu Anfang mit ziemlicher Sicherheit kein Geld mit „We share“ verdienen wird, bleibt trotzdem immerhin ein positiver Effekt. Der VW-Konzern kann die Carsharing-Fahrzeuge bei der von der EU festgelegten Grenzwert-Berechnung von Kohlendioxid-Emissionen für den gesamten Flottenverbrauch mit einbeziehen. Empfindliche Strafzahlungen würden dadurch etwas günstiger ausfallen.

Mehr: Mercedes und BMW planen, Mobilitätsdienste und autonomes Fahren gemeinsam zu entwickeln. Der Pakt der Autokonzerne könnte bahnbrechend sein.

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