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Wettbewerbsbedenken Diese drei Zugeständnisse wollen Thyssen-Krupp und Tata für ihre Stahlfusion machen

Die Konzerne wollen mit dem Verkauf von Aktivitäten die Bedenken der EU-Kommission zerstreuen. Auch Industriekunden fürchten Nachteile durch die Fusion.
Update: 01.04.2019 - 17:12 Uhr Kommentieren
Überkapazitäten und billige Importe belasten die Branche. Quelle: Bloomberg
Stahlarbeiter bei Thyssen-Krupp

Überkapazitäten und billige Importe belasten die Branche.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt, BrüsselGuido Kerkhoff müsste sich eigentlich mit aller Kraft der Aufspaltung von Thyssen-Krupp widmen. Der Vorstandschef des Industriekonzerns muss sich aber noch um eine andere Großbaustelle kümmern: den Zusammenschluss der Stahlparte mit Tata Steel Europe. Durch die Bündelung der beiden Firmen soll eine starke Nummer zwei hinter Arcelor-Mittal entstehen.

So sieht es zumindest der Plan vor, an dem Kerkhoff und sein Gegenüber bei Tata Steel lange gearbeitet haben. Aber obwohl das Joint Venture nur die Nummer zwei in Europa werden würde, muss Kerkhoff um den Deal bangen: Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben Bedenken angemeldet – sie fürchten eine zu starke Konzentration im Stahlgeschäft.

Als Reaktion darauf haben die Manager nun angeboten, einzelne Geschäftsteile abzugeben. Eine entsprechende Liste an Aktivitäten sei bei der EU-Kommission am Montag eingereicht worden, erfuhr das Handelsblatt aus informierten Kreisen.

Aus Sicht von Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sind vor allem die Bereiche Verpackungsstahl und Automobilbleche kritisch. Eine Gemeinschaftsfirma von Thyssen-Krupp und Tata Steel Europe wäre in diesen Feldern zu dominant, hieß es. Auch einige Kunden hatten den Informationen zufolge in einer Befragung durch die EU-Kommission geltend gemacht, dass der Wettbewerb in Europa beeinträchtigt würde.

Die beiden Partner haben nun den Verkauf von Teilen ihrer Autoblech-Produktion angeboten, wie ein Beteiligter dem Handelsblatt berichtete. Dabei soll es sich unter anderem um die spanische Thyssen-Krupp-Tochter Galmed handeln. Diese produziert Komponenten für die Automobilindustrie.

Um die Bedenken der EU-Kommission bei Verpackungsstahl zu zerstreuen, seien die Konzerne zudem bereit, Verpackungsstahl-Aktivitäten abzugeben. Dazu zählen den Kreisen zufolge Produktionseinheiten in Belgien und Großbritannien

Als drittes Zugeständnis offerieren Thyssen-Krupp und Tata Steel den Zugang zu ihrer Rohstahlproduktion. Kunden sollten Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden, hieß es. Zwischenzeitlich war auch der Verkauf von Hochöfen diskutiert worden. Allerdings nahmen die Partner davon Abstand, weil es wenig praktikabel sei, einzelne Fertigungsanlagen aus einem Werksverbund herauszulösen.

In der Bundesregierung wächst die Nervosität

Die Manager in den Führungsetagen von Tata und Thyssen-Krupp hoffen, dass sie mit den angebotenen Verkäufen der EU-Kommission ausreichend entgegengekommen sind. „Auch nach der Abgabe der einzelnen Teile würde sich die Transaktion rechnen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Dies sei auch die Voraussetzung, um mit den Vorhaben fortzufahren.

Die Kommission bekommt jetzt noch etwas mehr Zeit, um die Angebote zu prüfen. Bis zum 5. Juni werde sie über die Freigabe des Deals entscheiden müssen, hieß es. „Bis dahin können wir im Zweifel noch nachbessern“, verlautete aus den Unternehmen. Die beiden Konzerne lehnten einen Kommentar mit Verweis auf das laufende Verfahren ebenso ab wie die EU-Kommission.

In der Bundesregierung wächst bereits die Nervosität: Es bestehe das Risiko, dass die Kommission von den beiden Unternehmen zu große Zugeständnisse verlange und sich das Joint Venture nicht mehr rechne, heißt es in Berlin. Im Februar hatte Vestager den Zusammenschluss der Bahnsparten von Siemens und Alstom aus Wettbewerbsgründen untersagt – sehr zum Ärger von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Konkurrenten wittern hingegen ihre Chance, wenn Thyssen-Krupp und Tata Geschäftsteile veräußern müssten. „Wir würden uns das ganz gewiss mit Interesse anschauen“, sagte Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann am Rande der Hannover Messe.

Europas Stahlindustrie hat sich seit der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht nachhaltig erholt. Zwar weisen Hersteller wie Thyssen-Krupp oder Salzgitter solide Gewinne aus. Allerdings können die meisten Stahlschmelzer ihre Investitionen nicht verdienen. Dies hängt an den Überkapazitäten in Europa, die Preiserhöhungen nur in einem begrenzten Umfang zulassen. Angeheizt wird der Wettbewerb von Importen asiatischer Hersteller. Laut Branchenkreisen beziehen einige Autobauer ihren Stahl nicht mehr nur lokal, sondern auch aus China.

Für Kerkhoff ist die geplante Verschmelzung der Stahltochter mit Tata Steel elementar wichtig für den geplanten Konzernumbau. Er will Thyssen-Krupp in zwei Teile aufspalten. In einer Firma sollen der Anlagenbau sowie die Aufzugssparte gebündelt werden. In einem weiteren Unternehmen sollen dann der Handel und die Produktion von Stahl sowie das Autozuliefergeschäft konzentriert werden.

Entscheidung im Juni

Mit dem Umbau will der Konzern seine seit Jahren schwelende Krise endgültig überwinden. Investoren bemängeln die schwache Rendite in vielen Geschäftsfeldern. Mit der Aufspaltung sollen sich die Unternehmen stärker auf ihre Aktivitäten fokussieren können. Zudem sollen sich die beiden Nachfolgefirmen leichter am Kapitalmarkt finanzieren können.

Sollte die geplante Verschmelzung des europäischen Stahlgeschäfts mit Tata scheitern, würde dies eine enorme Bürde für die geplante Neuausrichtung des Ruhrkonzerns bedeuten. „Aber auch für den Fall sind wir gerüstet, auch wenn der nicht eintreten sollte“, betonte eine Führungskraft. Die wirtschaftliche Lage würde sich aber verschlechtern, weil die erhofften Synergien aus der Fusion in dreistelliger Millionenhöhe wegfielen.

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