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Wettbewerbsbehörden Linde-Fusion mit Praxair wackelt wegen Kartellbedenken

Um ihre Fusion zu retten, müssen Linde und Praxair mehr Umsatz abgeben als geplant. Jenseits von vier Milliarden wird es kritisch.
22.08.2018 Update: 22.08.2018 - 16:17 Uhr 2 Kommentare
Die Fusion mit Praxair wackelt, weil die Kartellbehörden weitere Verkäufe verlangen. Quelle: dpa
Wolfgang Reitzle

Die Fusion mit Praxair wackelt, weil die Kartellbehörden weitere Verkäufe verlangen.

(Foto: dpa)

München Wolfgang Reitzle muss weiter um seinen großen Deal bangen. Die Kartellauflagen für die Fusion von Linde und Praxair zum weltgrößten Industriegasekonzern sind vor allem in den USA so hoch, dass die selbst gesetzte Schmerzgrenze gerissen wird.

Um grünes Licht von den Wettbewerbshütern zu bekommen, müssten die Fusionspartner nach aktuellem Stand Geschäfte mit mehr als 3,7 Milliarden Dollar Umsatz verkaufen. Das wollten sie eigentlich vermeiden. Reitzle und sein Vorstandschef Aldo Belloni stecken damit in einer Zwickmühle.

Es sei „nunmehr davon auszugehen“, dass die Umsatzobergrenze für Veräußerungszusagen überschritten werde“, teilte der Münchener Traditionskonzern am Mittwoch um kurz vor 5 Uhr mit. Vor wenigen Wochen hatte Linde davor gewarnt, dass dies „wahrscheinlich“ sei. Bei einer Überschreitung müssten beide Unternehmen weiteren Veräußerungen zustimmen, hieß es weiter. Geplatzt ist die Fusion damit aber noch nicht. Denn: „Linde und Praxair setzen ihre konstruktiven Gespräche miteinander fort und diskutieren mit den Wettbewerbsbehörden, wie deren Anforderungen erfüllt werden können.“

In Industriekreisen geht man davon aus, dass Linde und Praxair ein leichtes Überschreiten der Obergrenze von 3,7 Milliarden Dollar um wenige Hundert Millionen Euro hinnehmen würden. „Wenn der Business Case weiter stimmt, wäre das vorstellbar.“ Allerdings haben Linde und Praxair nicht viel Spielraum. Nach Informationen des Handelsblatts dürften sich die Synergien kaum noch rechnen, wenn vier Milliarden Euro spürbar überschritten werden. Linde wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

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    In einer Branche, die ohnehin bereits von wenigen großen Anbietern geprägt ist, wollen sich Linde und Praxair zum weltgrößten Hersteller von Industriegasen zusammenschließen. Hohe Kartellauflagen waren daher vorgezeichnet. Um sie zu erfüllen, vereinbarte Linde bereits den Verkauf von Aktivitäten in Nord- und Südamerika mit insgesamt 1,4 Milliarden Euro an den deutschen Konkurrenten Messer.

    Dabei handelt es sich nach Informationen des Handelsblatts um fast das gesamt Bulkgeschäft, bei dem Flüssiggas in Tanklastwagen an Kunden geliefert wird. Die Wettbewerbshüter wollen aber mehr. Linde müsste wohl auch Teile des Onsitegeschäfts veräußern, bei dem Gase in Anlagen direkt auf dem Firmengelände von Kunden produziert werden.

    Reitzle und Belloni stehen nun vor einem Dilemma: Die Investoren wollen den Deal. Der Aktienkurs ist in Erwartung der Fusion zwischenzeitlich um etwa 50 Prozent gestiegen. Der Kapitalmarkt will aber auch die versprochenen Synergien von mehr als einer Milliarde Euro sehen. Diese sind in Gefahr, wenn sich Linde und Praxair von zu großen Unternehmensteilen trennen müssen.

    „Wir wollen die Fusion, aber nicht um jeden Preis“, sagte Arne Rautenberg, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt. Ein Scheitern sei kein Drama, denn Linde habe „bereits eindrucksvoll gezeigt, dass das Unternehmen auch als eigenständige Firma die Kosteneinsparungen vorantreibt und die Profitabilität steigern kann“.

    Platzt der Deal, drohen personelle Konsequenzen

    Scheitert der Deal, wäre das für Reitzle und Belloni eine persönliche Niederlage. Der Linde-AR-Vorsitzende hatte die umstrittene Fusion durch den Aufsichtsrat gepeitscht und nie einen Zweifel daran gelassen, dass es vor allem sein Deal ist. Belloni war eigens aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um das Projekt zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

    Bei einem Platzen müsste sich Linde in jedem Fall einen neuen CEO suchen – auch wenn der allseits geschätzte Belloni bei Bedarf den Übergang wohl noch etwas gestalten würde. In Industriekreisen geht man zudem davon aus, dass Reitzle bei einem Platzen Konsequenzen ziehen würde.

    Anfang der Woche hatten die Wettbewerbshüter in Brüssel unter Auflagen grünes Licht gegeben. Entscheidend ist nun das Votum der FTC in den USA.

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    2 Kommentare zu "Wettbewerbsbehörden: Linde-Fusion mit Praxair wackelt wegen Kartellbedenken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Super Artikel!

    • Warum setzt man sich Linien um die Fusion nicht zum tragen kommen zulassen, wenn dies dann nachher durch den Aufsichtsratsvorsitzenden und den CEO nicht beachtet werden?. Damit liegt ein Verstoß gegen den Auftrag aus der Hauptversammlung vor, die Interessen der Aktionäre zu wahren. Es soll das Ego von Herrn Reitzle und Herrn Belloni befriedigt werden.

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