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Windkonzern Warum sich die Fusion von Siemens und Gamesa bisher nicht ausgezahlt hat

Drei Jahre nach der Fusion verfehlt das spanisch-deutsche Joint Venture regelmäßig die eigenen Ziele. Die spanische und deutsche Seite sind uneins über die Gründe.
26.06.2020 - 10:49 Uhr Kommentieren
Die 14 Megawatt starken Turbinen von Siemens Gamesa stehen in vielen Offshore-Windparks. Quelle: Siemens
Windturbine von Siemens Gamesa

Die 14 Megawatt starken Turbinen von Siemens Gamesa stehen in vielen Offshore-Windparks.

(Foto: Siemens)

Madrid, München Die Realität hat die hohen Erwartungen bisher nicht erfüllt: Durch die Fusion des Windkraftgeschäfts von Siemens mit dem spanischen Rivalen Gamesa sollte der weltweite Marktführer in der Branche entstehen. Als die Konzerne 2017 ihre Ehe schlossen, hieß es, beide Unternehmen würden sich nahezu ideal ergänzen. Siemens entwickelte schließlich vorwiegend hochpreisige Windräder für westliche Märkte, Gamesa baute günstige Anlagen für Schwellenländer.

Doch drei Jahre nach dem Zusammenschluss hat das deutsch-spanische Joint Venture immer noch keine Fahrt aufgenommen. Das Gegenteil ist der Fall: Eine Gewinnwarnung reiht sich an die nächste. Die Geschichte von Siemens Gamesa ist die einer unvollendeten Integration in einem zunehmend schwierigen Markt. Nun hat Siemens durchgegriffen und den CEO ausgewechselt.

Die Windkraft war die erste von mehreren Sparten, die Siemens aus dem Konzernverbund löste. Dahinter stand die Idee, dass eigenständige Einheiten agiler und schneller sind als ein schwerfälliger Großkonzern. Doch bei dem deutsch-spanischen Zusammenschluss war genau das Gegenteil der Fall, zumindest aus Sicht der Spanier.

„Gamesa lief vor der Fusion so zuverlässig wie ein Uhrwerk“, sagt Analyst Ángel Pérez von der spanischen Investmentbank Renta 4. Die Sparte, die sich vor allem auf das Geschäft mit Windanlagen an Land spezialisiert hatte, habe stets die eigenen Ziele erfüllt, meistens sogar übererfüllt.

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    Gamesa stand für eine extrem hohe Flexibilität, mit der sich der Konzern auf jedem Markt der Welt zurechtgefunden hat, selbst in China. „Außer Vestas gab es weltweit keinen Konzern, der vergleichbar gut aufgestellt war wie Gamesa“, sagt Pérez. „Nach der Fusion mit Siemens sind die Prozesse schwerfälliger geworden, heißt es im Markt. Es muss da ein internes Problem im Management gegeben haben.“

    Die deutsche Lesart ist freilich eine andere. In München sind viele überzeugt, dass die Probleme eher auf der spanischen Seite zu suchen sind. In den vergangenen drei Jahren sei es nicht gelungen, die gute Entwicklung im Offshore-Bereich, die vor allem Siemens in die Partnerschaft eingebracht hatte, auf den Onshore-Bereich der Windräder an Land zu übertragen, in dem Gamesa stark war, heißt es im Umfeld von Siemens Energy.

    Just in der vergangenen Woche warnte der Konzern, dass man im laufenden Quartal und wohl auch im Gesamtjahr rote Zahlen schreiben werde. Die Ratingagentur Moody’s prüft bereits eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Konzerns. Kommt es dazu, würde der Konzern auf Ramschniveau sinken.

    Risikomanagement hat jetzt „absolute Priorität“

    Der Konzern führte die jüngste Gewinnwarnung auf den stagnierenden indischen Markt sowie Verzögerungen bei Onshore-Projekten in Nordeuropa zurück. Man wolle nun das Risikomanagement in allen Sparten besser in den Griff bekommen. „Das hat absolute Priorität“, heißt es aus dem Aufsichtsrat des Joint Ventures.

    Ehemalige Gamesa-Manager kann der Konzern indes kaum für die Onshore-Probleme verantwortlich machen: Die einstige Gamesa-Spitze hat das Joint Venture bereits kurz nach der Fusion verlassen. Ehemalige Siemens-Manager besetzen derzeit sechs der 15 Top-Jobs, nur zwei Posten füllen ehemalige Gamesa-Führungskräfte aus. Auch der neue CEO Andreas Nauen kommt ebenso wie der geschasste bisherige Konzernchef Markus Tacke von Siemens. Der Rest sind Neuzugänge ohne Siemens- oder Gamesa-Vergangenheit.

    In München ist man dennoch überzeugt, dass Nauen, der zuletzt das insgesamt erfolgreiche Offshore-Geschäft leitete, der richtige Manager sei, um das kriselnde Onshore-Geschäft genauso fit zu machen wie die Offshore-Sparte. Nauen habe zudem als Ex-CEO von Senvion eigene Kapitalmarkterfahrung gesammelt.

    Der Chefwechsel ist nicht der einzige Schnitt im Konzern. Im vergangenen Februar kaufte Siemens für viel Geld den spanischen Großaktionär Iberdrola aus dem Gemeinschaftsunternehmen heraus. Der Energieriese war größter Anteilseigner bei Gamesa und hatte nach der Fusion acht Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen besessen.

    Doch mit Iberdrola gab es von Anfang an Probleme. Konzernchef Ignacio Galán ging mehrfach öffentlich auf die Barrikaden und beklagte, dass Siemens das Gemeinschaftsunternehmen wie eine deutsche Filiale führe. Experten in Madrid argumentieren, Galán habe gesehen, was im Konzern schiefläuft, und deshalb Laut gegeben.

    Bei Siemens ist man dagegen davon überzeugt, dass die Probleme der vergangenen Jahre auch etwas mit just diesen Machtkämpfen zu tun hatten. Nach Siemens-Lesart tat sich Galán schwer damit, sich an den kleineren Einfluss im neuen Konzern zu gewöhnen. Mit zahlreichen Sonderrechten ausgestattet, konnte er Siemens das Leben schwermachen.

    Galáns Angriffe waren für ihn auch finanziell erfolgversprechend: Hätte er Siemens nachweisen können, dass der Konzern gegen Auflagen aus dem Fusionsvertrag verstößt, hätte Siemens Iberdrola mit einem hohen Aufschlag auf den aktuellen Börsenwert herauskaufen müssen. Genau so ist es am Ende auch gekommen, allerdings nicht wegen Vertragsverstößen. Im Februar zahlte Siemens Galán 20 Euro pro Aktie, ein Plus von 32 Prozent auf den Börsenkurs.

    Seither ist der Durchgriff einfacher. Mit Galán verließ auch sein Schwiegersohn David Mesonero als Finanzchef Siemens Gamesa. Mesonero war unter anderem verantwortlich für die Integration der beiden Unternehmen. Nun müsse Ersatz für ihn sowie für den Posten des Offshore-Vorstands gefunden werden, dann könne die Mannschaft neu starten, heißt es in Siemens-Kreisen. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es eine Shortlist von Kandidaten für den Posten des Finanzchefs.

    Holpriger Weg zum Börsengang der Siemens-Energiesparte

    Die Aufräumarbeiten zeigen, dass die Geduld des neuen Siemens-Energy-Chefs Christian Bruch begrenzt ist. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass der Zeitpunkt für die neuen Probleme bei Siemens Gamesa denkbar ungünstig ist. Siemens will die Energietechnik-Sparte Ende September im Wege eines Spin-offs an die Börse bringen.

    Die Aufspaltung steht ohnehin unter keinem sonderlich guten Stern: Die Kritik am vergleichsweise kleinen Siemens-Engagement bei der umstrittenen Kohlemine in Australien kratzte an der Reputation, die Geschäfte laufen auch in der Kraftwerkssparte weiter schlecht, und dann musste auch noch der designierte Siemens-Energy-Chef Michael Sen samt Finanzvorstand Michael Patzak im Streit um die Modalitäten der Trennung seinen Hut nehmen.

    Weitere schlechte Nachrichten von der Windkrafttochter kann Siemens daher nicht gebrauchen. Bei der Vorbereitung des Börsengangs wirbt der Konzern damit, dass das neue Unternehmen ein einzigartiges Portfolio habe, um die Transformation der Energiebranche von den konventionellen hin zu den erneuerbaren Energien zu begleiten. Denn Siemens Energy verkauft konventionelle Gaskraftwerke ebenso wie die Windräder von Siemens Gamesa.

    Allerdings hatte die gesamte Branche in den vergangenen Jahren zu kämpfen. Sie stand vor allem bei Anlagen an Land wegen der rückläufigen staatlichen Subventionen unter Preisdruck. Im Umfeld der Siemens-Führung sieht man das aber auch positiv: Man habe sich mit der Fusion früh an der Konsolidierung der Branche beteiligt. Die aktuelle Krise werde schwächere Konkurrenten eher treffen und damit den Markt weiter bereinigen.

    Vor allem aber sieht man die Langfristperspektive des Geschäfts positiv. „Es gibt kaum eine andere Industrie, die so günstige Rahmenbedingungen in der Zukunft hat“, sagt ein Siemens-Manager. Der Energiebedarf in der Welt wird weiter steigen, und die Windindustrie ist noch jung und in der Fertigung wenig industrialisiert. „Es gibt einen Wachstumsimpuls, und man kann noch viel für die Produktivität tun“, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Zweistellige Umsatzrenditen müssten hier auf jeden Fall auf längere Sicht möglich sein.

    An Aufträgen immerhin mangelt es nicht: Ende März lag der Auftragsbestand bei 28,6 Milliarden Euro, 21 Prozent über dem Vorjahr. Selbst Iberdrola gehört zu den Kunden: Die Spanier wählten das Joint Venture jüngst für einen Offshore-Windpark in der Bretagne mit einem Auftragswert von über einer Milliarde Euro als Lieferant aus.

    Bei Siemens glauben einige, dass die Kulturunterschiede einfach zu groß waren. Beide Seiten hätten ihre Stärken gehabt. Bei Siemens sei man eher prozessorientiert und vorsichtig, damit aber auch langsam. Bei Gamesa seien viele Entscheidungen schneller gefallen. Nun müsse man das Beste aus beiden Welten vereinen. Das war allerdings vor drei Jahren auch schon der Plan.

    Mehr: Siemens Energy geht mit roten Zahlen an die Börse – bleibt aber schuldenfrei

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