Wolfsburger investieren in Asien VW gibt in China Vollgas

Mit dem Bau einer neuen Fabrik will der VW-Konzern seine Produktionskapazität in China verdoppeln und dort noch in diesem Jahr über 700 000 Fahrzeuge verkaufen.
Der VW-Konzern will seine Führungs-Position in Asien festigen. Foto: dpa

Der VW-Konzern will seine Führungs-Position in Asien festigen. Foto: dpa

HB CHANGCHUN. Mit neuen Milliardeninvestitionen will der Volkswagen-Konzern seine dominierende Stellung auf dem boomenden chinesischen Automobilmarkt festigen. Die Wolfsburger wollen die Fertigungskapazität in den kommenden Jahren verdoppeln und so ihre Position als unangefochtener Marktführer verteidigen. Angesichts der rasanten Marktentwicklung korrigierte Konzernchef Bernd Pischetsrieder bereits jetzt das Verkaufsziel für dieses Jahr in China von „mehr als 600 000 auf nahezu 700 000“ Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr hat die Marke VW in China erstmals mehr Autos verkauft als in Deutschland.

Insgesamt mehr als 6 Mrd. Euro will der Konzern zusammen mit seinen Joint-Venture-Partnern SAIC in Schanghai und First Auto Works in Changchun bis 2008 investieren. Das sagte der im Konzernvorstand für das China-Geschäft zuständige Strategievorstand Folker Weissgerber gestern am Rande der Messe Changchun Motor Show. In Kreisen der VW-Führung war sogar von bis zu 8 Mrd. Euro die Rede.

China ist nach Deutschland der zweitwichtigste Automobilmarkt für den Wolfsburger Konzern. „Die Investitionen sind notwendig, will VW seinen Marktvorteil nicht gefährden, den sich das Unternehmen über Jahre erarbeitet hat“, kommentieren Analysten wie Albrecht Dennighoff von der Hypovereinsbank. Das Engagement sei sinnvoll, wenngleich sich der Wettbewerb verschärfe. Nicht zuletzt habe die Konkurrenz – darunter auch BMW – Milliardeninvestitionen angekündigt. Für problematisch hält Dennighoff lediglich, dass die Wolfsburger in den Joint Ventures nicht alleine das Sagen haben, sondern stets auf die chinesischen Partner angewiesen sind.

Eine neue Fabrik für 1,3 Mrd. Euro

Um die Führung zu verteidigen, will VW allein in diesem Jahr fünf neue Modelle in China einführen. Die Gründe für das starke Engagement der Automobilfirmen aus Europa, den USA und Japan und für die hohen Anstrengungen der chinesischen Autobauer liegen auf der Hand. Während die Automobilbranche weltweit lahmt, hat der Markt in China im ersten Halbjahr satte 82 % zugelegt. Experten rechnen für 2003 mit dem Verkauf von 1,9 Mill. PKWs nach 1,09 Mill. im Vorjahr.

In Changchun, wo der Joint-Venture-Partner FAW gestern sein 50jähriges feierte, wird VW bis zum Jahr 2005 für 1,3 Mrd. Euro eine neue Fabrik bauen. Jährlich können dort 300 000 Fahrzeuge gebaut werden. Zusätzlich wird die bestehende Produktionsanlage um 30 000 auf 340 000 Fahrzeuge erweitert. Derzeit arbeiten an dem Standort 7 000 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb an sieben Tagen in der Woche und produzieren täglich 1 100 Boras, Jettas, A4, A6 und jetzt auch den Golf 4. Seit dem Frühjahr wurden vom Golf bereits 6 000 Fahrzeuge in Changchun gefertigt. Mehr als 20 000 sollen es bis Ende 2003 sein. Verhandelt wird auch über die Produktion des VW-Busses T 4, die Fertigung des Vans Touran scheint schon beschlossen zu sein. In Schanghai, dem zweiten Standort von VW in China, wird laut VW-Chef Bernd Pischetsrieder zunächst die aktuelle Kapazität von 450 000 Autos ausgebaut, „und wir denken auch über eine neue Fabrik außerhalb Schanghais nach“. Schanghai selbst sei zu teuer geworden.

Die Verkäufe des Konzerns in China wuchsen von Januar bis Juni auf Jahresbasis um 52 % aber ein Drittel langsamer als der förmlich explodierende Gesamtmarkt. Der Marktanteil von VW ging daher von 42 % auf 34 % zurück, was Pischetsrieder jedoch anscheinend gelassen nimmt, denn „wir leben nicht von Marktanteilen, sondern von Erträgen“, sagte er. Und die scheinen weiterhin üppig zu fließen. Die Investitionen, die zur Hälfte FAW und SAIC mittragen, will VW aus dem Cash Flow bezahlen. Die Renditen in China, wo VW nach Einschätzung Hongkonger Analysten etwa 15 % seines Konzerngewinns einfährt, bezeichnete Pischetsrieder als „durchaus auskömmlich“.

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