Wütende Mitarbeiter Randale vor Ford-Zentrale in Köln

Frustriert wegen der geplanten Werksschließung randalieren belgische Ford-Arbeiter vor der Europa-Zentrale in Köln. Konzernchef Alan Mulally schließt derweil auf einem Berliner Kongress noch härtere Kürzungen nicht aus.
Update: 07.11.2012 - 13:41 Uhr 12 Kommentare
Polizeiwagen vor dem Ford-Werk in Köln. Belgische Ford-Autowerker hatten das Gelände gestürmt, Böller gezündet und Reifenstapel in Flammen gesetzt. Quelle: dpa

Polizeiwagen vor dem Ford-Werk in Köln. Belgische Ford-Autowerker hatten das Gelände gestürmt, Böller gezündet und Reifenstapel in Flammen gesetzt.

(Foto: dpa)

Wütende Mitarbeiter des belgischen Ford-Werks in Genk haben heute Morgen vor und auf dem Gelände der Europazentrale in Köln randaliert. Der Werksschutz alarmierte die Polizei, nachdem die etwa 100 bis 200 Personen Reifenstapel angezündet hatten, auf das Werksgelände vordrangen und Scheiben einschmissen. Das Werk in Genk soll bis Ende 2014 geschlossen werden und die bisherige Produktion auf andere europäische Ford-Standorte verlagert werden.

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte am Mittag zu Handelsblatt Online, dass die Personalien der Angereisten festgestellt würden und die gewalttätigen Demonstranten identifiziert werden sollten. Unter anderem hatten diese auch Böller auf dem Werksgelände gezündet. „Natürlich verstehen wir auf der einen Seite, welchen Einfluss unser europäischer Geschäftsplan auf die Menschen hat“, teilte Ford mit. Auch das Recht auf friedliche Demonstrationen werde selbstverständlich respektiert. „Auf der anderen Seite sind wir enttäuscht darüber, dass einige der Protestierenden sich gewaltsam Zugang zum Werksgelände verschafft haben“, hieß es in einer Mitteilung.

Quasi zeitgleich sorgte Konzernchef Alan Mulally für noch mehr Kopfschmerzen bei den Ford-Beschäftigten. Am Rande einer Veranstaltung in Berlin sagte Mulally im Gespräch mit Reuters, dass die Pkw-Nachfrage in den Krisenstaaten Südeuropas weiter sehr unbeständig sei. Einige Länder könnten durchaus noch tiefer in die Rezession abgleiten. „Das wird bestimmen, was wir tun, falls wir noch mehr tun“, so Mulally. Derzeit gebe es jedoch keine weiter reichenden Entscheidungen, betonte er.

Ford hatte jüngst angekündigt, in den nächsten Jahren drei Werke in Belgien und Großbritannien mit insgesamt 5700 Beschäftigten dichtzumachen. Einschließlich Angestellten in anderen Bereichen fallen in Europa 6200 Arbeitsplätze weg. Damit will Ford bis 2015 in Europa wieder profitabel werden.

„Wenn man sich vor den Entscheidungen drückt, wird man weiter Geld verlieren und irgendwann vom Markt verschwinden“, begründete Mulally in Berlin den Schritt. „Wir mussten diese Schritte tun, um weiter in der Lage zu sein, in neue Produkte zu investieren.“ Von der Restrukturierung würde das Ford-Werk in Saarlouis profitieren, dessen Auslastung durch Verlagerungen von Produktion aus Spanien erhöht werden soll. Ford will die nächste Generation der Modelle Mondeo, Galaxy und S-Max nicht im belgischen Genk bauen, sondern im spanischen Valencia vom Band laufen lassen. Teil des Plans ist, die Fertigung von C-Max und Grand C-Max von Valencia ins Saarland zu verlagern. Darüber laufen derzeit Verhandlungen mit den Gewerkschaften.

Ford-Chef Alan Mulally am Mittwoch auf einem Kongress in Berlin. Quelle: Reuters

Ford-Chef Alan Mulally am Mittwoch auf einem Kongress in Berlin.

(Foto: Reuters)

In Europa schrieb Ford im abgelaufenen Quartal einen Vorsteuerverlust von einer halben Milliarde Dollar. Ein starkes US-Geschäft bescherte Ford insgesamt aber ähnlich wie GM einen Quartalsgewinn vor Steuern von 2,2 Milliarden Dollar. Auch GM verhandelt derzeit mit den Gewerkschaften über Einschnitte in Europa, dabei geht es auch um die Zukunft des von Schließung bedrohten Opel-Werks in Bochum. Der Betriebsrat erwartet bis Mitte Dezember eine Einigung mit der Geschäftsleitung über ein Sparpaket. Parallel spricht die Opel-Mutter mit dem angeschlagenen französischen Autobauer Peugeot über eine gemeinschaftliche Sanierung ihres Europageschäfts. Finanzkreisen zufolge denken die beiden Partner darüber nach, ihr Autogeschäft enger zu verzahnen. In der Diskussion waren zuletzt mehrere Varianten, die von einem Verkauf von Opel an Peugeot bis zu einer Zusammenlegung in einer neuen Gesellschaft reichen.

  • mdo
  • rtr
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12 Kommentare zu "Wütende Mitarbeiter: Randale vor Ford-Zentrale in Köln"

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  • Für diejenigen Autobauer die nicht im Premium Segment vertreten sind wie Ford und Opel wird das produzieren in Westeuropäischen Staaten einfach zu teuer. Für die lohnt es sich in Osteuropäischen Staaten zu produzieren so wie es Seat zum Beispiel macht. Nicht nur die Autobauer müssen das machen um Konkurrenzfähig zu bleiben, sonder auch deren Lieferanten. Die Schaeffler Gruppe produziert schon seit 1997 unter anderem in ihren Werk in Ungarn für den Europäischen Markt. Die Motivation der Mitarbeiter ist hoch sowie auch die Frauenquote im Management: Mathe Agnes ist dort als Einkaufsmanagerin angestellt und Rita Kenyeres ist die Personalchefin.

  • wegen der 30% Rabatt?

  • Gut dass ich das weiß bevor ich mir das nächste Auto zulege. Damit entfällt nun schon GM und Ford.

  • Man hat mit den Arbeitnehmern in Belgien eine Jobgarantie bis 2020 gegen Lohneinschnitte versprochen. Auf Lohn wurde verzichtet, den Job verlieren sie trotzdem. Demokratische Wirtschaftskultur !!

    Stattdessen wird die Produktion nach Spanien verlagert.
    Vielleicht sollte man die Produktion nach Nordkorea verschieben - dort sind sicher wertvolle Mitarbeiter in den Arbeitsloagern zu finden. Dort kann man dann Ford Mondeos produzieren für ...., eben ohne Lohn, keine Sozialabgaben, keine Steuern, kein Konsum.
    Und das Politikerpack stellt sich vor die Kameras und verkündet stolz, dass ein Rentner der 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat zukünftig dann jetzt doch 15 Euro über dem Sozialhilfeniveau liegen wird.
    Aber Geld für sämtliche Banken der Welt ausgeben....
    Willkommen in der EUdSSR.

  • @wirklich peinlich:
    es stimmt, ein Fehler. Es ist natürlich nicht GM, sondern die Ford Motor Company. Lapsus, weil vorher dasselbe in Antwerpen mit Opel/GM passiert ist. Déja vu nennt man so etwas. ändert aber nichts an den anderen Fakten.

  • was hat GM mit Ford zu tun? Ihre Unwissenheit ist schon peinlich

  • Sie wissen nicht von was sie sprechen, soviel ist deutlich. GM hat x Mio. von der flämischen Regierungen bekommen, um genau das nicht zu tun, was sie jetzt tun. Die Arbeiter bei Ford Genk haben freiwillig Einschnitte in Kauf genommen, um genau das zu verhindern, was GM jetzt tut. Die englische Ratte, die dies in Genk bekannt gab, bekam hinterher eine Promotion.

    Pacta sunt servanda, oder etwa nicht. GM steckt zwar gerne das Geld ein, aber sich an irgendetwas halten braucht man scheinbar nicht.

    Nun will die EU Subventionen für Innovation in der Autoindustrie geben, na, wer wird da dann gleich mal wieder die Hand aufhalten, obwohl man in den US ein ziemliches Plus macht?

    Angesichts dieser Fakten ist es doch zweifelhaft, wen genau man hier zu Schadensersatzzahlungen anhalten sollte und wer hier den Titel Pack verdient. Wie gesagt, pacta sunt servanda! Die Typen in Köln dürfen von Glück sprechen, wenn sie nicht in Geiselhaft genommen werden. Verdient hätten sie es!

  • Wie wärs einfach mal mit qualitativ besseren Autos?

    Warum ist wohl VW so beliebt, wegen der "günstigen" Preise sicher nicht, sondern weil man weniger Ärger mit den Wolfsburger Kisten hat.

  • "Wenn Michel nur wüsste, dass die Pläne für deutsche Werksstillegungen schon aus der Schublade gewandert sind ...!"

    Michel ahnt es, aber er verdrängt es. So lange die Liga noch spielt, RTL das Supertalent sucht und die Pulle Bier auf dem Tisch steht, glaubt der Michel noch immer, die Welt sei in Ordnung.
    Aber Michel ahnt, dass am Horizont ein Unwetter aufzieht. Aber noch scheint die Sonne über seiner Glotze und der Pulle, da bewegt Michel sich doch nicht.

  • hilft alles nichts!

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